Zur Ehre Gottes erklingt sie wieder – Feierliche Rückkehr der barocken Prozessionsorgel
Mit einem feierlichen Pontifikalamt am 11. Oktober 2026 durften wir die Rückkehr der barocken Prozessionsorgel feiern, die ursprünglich in der Petersbergkirche beheimatet war.
Die Festmesse wurde von Herrn Kons. Rat Mag. Lic. Propst Leszek Zagórowski zelebriert und vom Kirchenchor der Propsteikirche unter der Leitung von Bernhard Galsterer musikalisch gestaltet. Darüber hinaus ließ Herr Galsterer auch die große St.-Hemma-Orgel eindrucksvoll erklingen. Nach der Segnung der Prozessionsorgel während des Gottesdienstes erweckte Dr. Bernhard Hanak das historische Instrument wieder zum Leben und begeisterte die Mitfeiernden mit seinen festlichen Klängen.
In seiner Predigt betonte Herr Propst, dass eine Orgel weit mehr sei als ein kunstvoll gefertigtes Musikinstrument: Sie verkünde den Glauben und mache etwas von der Größe, Schönheit und dem Geheimnis Gottes hörbar. So ruft bereits der Psalmist: „Lobt den Herrn mit dem Schall der Hörner, lobt ihn mit Harfe und Zither!“ Die Prozessionsorgel begleite den Glauben auf dem Weg und erinnere uns daran, dass wir als pilgerndes Gottesvolk unterwegs zu Gott, zur Gemeinschaft und zur Hoffnung sind.
Die Orgel erzählt von Generationen, die in ihrem Klang Trost, Freude und Hoffnung gefunden haben. Nun darf sie wieder erklingen und unsere Gottesdienste bereichern. Ein besonderer Dank gilt daher allen, die den Rückkauf und die Instandsetzung ermöglicht haben. Ein herzliches Vergelt's Gott sagen wir den Sponsoren, Unterstützerinnen und Unterstützern sowie allen Helferinnen und Helfern, die mit ihrem Einsatz zum Gelingen dieses Vorhabens beigetragen haben.
Im Anschluss an die Festmesse waren alle Gottesdienstbesucherinnen und Gottesdienstbesucher zu einer Agape auf dem Kirchplatz eingeladen. In gemütlicher Atmosphäre klang dieser besondere Festtag aus.
Allen, die zum Gelingen dieses Festes beigetragen haben, gilt ein herzliches Vergelt's Gott.
Nachfolgend finden Sie einen Bericht über den Rückkauf dieser besonderen Orgel.
(v. Dr. Bernhard Hanak)
Die Friesacher Barockorgel
In den späten 1950er Jahren entdeckte der Wiener Musikwissenschaftler, Komponist und Dirigent René Clemencic (1928-2022) im Friesacher Peterskirchlein eine kleine, tragbare Orgel. Obwohl in der um 1700 erbauten Prozessionsorgel Tauben nisteten und sie schon jahrzehntelang unspielbar war, fand der leidenschaftliche Kunstsammler und Spezialist für Alte Musik spontan Gefallen an dem Instrument. Clemencic bot dem damaligen Propst von Friesach dafür ein funktionsfähiges Harmonium an. Nach dem einvernehmlich beschlossenen Tauschgeschäft nahm Clemencic die Orgel mit nach Wien. Er beauftragte den Orgelbauer Arnulf Klebel (1927-2018) mit der Instandsetzung des Instrumentes und den akademischen Restaurator Martin Kupf (*1935) mit der Freilegung der grau überstrichenen Marmorierung des Gehäuses.
Europaweit im Einsatz
Die wiederhergestellte, barocke Kleinorgel aus Friesach diente Clemencic nun für über vier Jahrzente akustisch und auch als Blickfang bei zahlreichen Konzerten im In- und Ausland. Im Rahmen des Clemencic Consort-Zyklus im Wiener Musikverein, sowie bei den traditionellen Weihnachstkonzerten im Prunksaal des Prinzen Eugen im Belvedere, im Musensaal der Albertina und im Eroicasaal des Theatermuseums kam der Einsatz der Friesacher Barockorgel beim Publikum besonders gut an. Auch auf einigen Tonträgern wurde der Klang der Orgel, gespielt von René Clemencic, festgehalten.
Heimkehr einer Prinzessin
Nach dem Tod von Clemencic beschloss dessen Familie, die umfangreiche „Sammlung Clemencic“ partiell aufzulösen und bot u.a. die Barockorgel öffentlich zum Verkauf an. In Friesach zeigte man zwar Interesse, es fehlte aber vorerst an den finanziellen Mitteln. Um einen Verkauf des Instrumentes ins Ausland zu verhindern bzw. um die „Heimkehr“der Orgel nach Friesach längerfristig zu ermöglichen, kaufte sie Bernhard Hanak im Juni 2026 privat an. Mittlerweile gelang es der Pfarre Friesach, dank einiger Sponsoren, die erforderliche Summe aufzutreiben. Einem Rückkauf und der damit verbundenen Einverleibung des Instrumentes in den Besitz der Pfarre Friesach stand somit nichts mehr im Wege.
Ein Werk des St. Veiter Orgelmachers Franz Knoller?
Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit wurde die Orgel von Franz Knoller erbaut. Dieser zwischen 1705 und 1732 im Unterkärntner Raum tätige Orgelbauer schuf 1717 eine nahezu idente Prozessionsorgel, die sich im Besitz der Familie Goess auf Schloss Karlsberg bei Liebenfels befindet.
Sponsoren: Dr. Bernhard Hanak, Mag. Siegbert Hanak, Lions-Club Friesach, Dr. Gerfried und Gertrud Leute, Manfred Seidl, DI Wilfried und Eva Semmelrock. Propst Mag. Lic Leszek Zagórowski, Pfarrer Prof. DDr. Lic Jacek Zagórowski