Störfaktor Kirche
Fronleichnamsfest in Ferlach
Am Fronleichnamsfest verlässt der Leib Christi die Kirche und wird in der Monstranz durch die Straßen der Stadt getragen – ein sichtbares Zeichen dafür, dass Christus unter uns ist: bei der Arbeit und beim Feiern, in der Freizeit, in unseren Gemeinschaften.
In der Eucharistie können wir ihm begegnen, dem Wort, das Fleisch geworden ist. „Das Wort Fleisch irritiert uns", sagt Pfarrer Jakob Ibounig in seiner Fronleichnamsansprache. „Es ist der Skandal des Christentums, dass das Wort Fleisch wird. Es sagt uns, dass der ganze Mensch zu Gott gehört – nicht nur seine Datenspeicher."
Von dort schlägt er die Brücke zur ersten Enzyklika Papst Leos XIV., „Magnifica Humanitas", in der der Papst vor den Gefahren der Künstlichen Intelligenz warnt und fragt, was digitale Systeme und die Machtinteressen im Hintergrund für Menschenwürde, Verantwortung und Gemeinwohl bedeuten.
Die Prozession durch die Straßen macht die Kirche auch zum Störfaktor: Autofahrer werden angehalten, müssen warten oder Umwege in Kauf nehmen. Vielleicht ist das kein Zufall. Auch im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz bleibt die Kirche Störfaktor – eine kritische Stimme, die fragt, was den Menschen zum Menschen macht. So wird die Prozession ein mutiges Zeichen der Verantwortung, Gottes Gegenwart in unserer Welt zu bezeugen. Einer Welt, die den Menschen zunehmend auf Daten reduziert und Gefahr läuft, seine Würde als Ebenbild Gottes zu vergessen.
Wir danken allen, die mitgefeiert und jenen, die mitgestaltet haben:
den Ministrant:innen und Blumenmädchen, Diakon Harald Hafner, den Himmelträgern, der Trachtengruppe und den Goldhaubenfrauen, den Familien, die die Altäre so schön hergerichtet haben, und den beiden Kirchenchören, durch deren Gesang ein Fest erst zu einem Fest wird!