Der Duft von Licht
Kräutersegnung der Ferlacher Goldhaubenfrauen
Wonach duftet Licht? Bei der traditionellen Kräutersegnung der Ferlacher Goldhaubenfrauen haben wir heute eine Ahnung davon bekommen.
Auch wenn Karel Gott es innig besingt: Licht einfangen, das können wir nicht. Schon die Schildbürger scheitern an diesem Unterfangen. Mit Körben und Kübeln tragen sie es vergeblich in ihr fensterloses Rathaus, denn die Dunkelheit lässt sich so nicht vertreiben.
„Und doch: Die Natur bringt Gebilde hervor, die fangen das Licht ein, die wissen, wie das geht. Es sind die Pflanzen und die Kräuter. Sie verwandeln Licht in Farbe und Duft und sie verwandeln das in heilende Essenz und in Freude“, sagt Stadtpfarrer Jakob Ibounig in seiner Ansprache zum Festtag.
Der Duft der Kräuter – verwandeltes Sonnenlicht – durchströmte die voll besetzte Kirche. Unzählige Kräutersträußchen haben die Ferlacher Goldhaubenfrauen wieder mit viel Liebe und Fleiß gebunden, um unsere Sinne zu erfreuen und uns daran zu erinnern, welch kostbares Geschenk uns der Schöpfer mit diesen oft so unscheinbaren Pflanzen gemacht hat.
So wie die Kräuter manches Zipperlein heilen und bei Beschwerden helfen, sind die Goldhaubenfrauen selbst wie ein buntes Kräutersträußchen: in der Gemeinschaft geht es nicht allein um das Fortführen alter Traditionen oder darum, Zeit miteinander zu verbringen, sondern auch darum, zu helfen. „Oft braucht es dafür keine großen Worte. Man fragt nicht lange: ‚Wer ist zuständig?‘ Man sagt einfach: ‚Was können wir tun?‘. Und dann wird angepackt“, bringt es Obfrau Elke Frank beherzt auf den Punkt und überreicht der Freiwilligen Feuerwehr Ressnig freudig einen Gutschein über 1.500 Euro.
Überall dort, wo Menschen zusammenleben und zusammenarbeiten, geschehen fast unvermeidlich auch Verletzungen, da machen wir uns schuldig am anderen. Das Evangelium des heutigen Sonntags warnt davor: eine Schuld nicht vergeben zu können ist, als würde man das Licht ausschließen und in der Finsternis bleiben. Und es sagt uns auch, was unser Leben hell und duftend macht: das Erbarmen, das wir von Gott empfangen, vergebend und verzeihend weiterzuschenken.
Die Kräutersträußchen, die wir mit nach Hause nehmen, erinnern uns an das schöne Fest, das die Goldhaubenfrauen heute für uns ausgerichtet haben. Und mit ihrem Duft an das Licht, das in unser Leben kommt, wenn wir vergeben können.
Besonders gefreut haben wir uns über das musikalische Geleit durch die Hl. Messe vom MGV Alpenrose und von Nicklas Dovjak an der Orgel. Danke dafür!