Wenn der Sonnengesang mit neuen Melodien erklingt
„Voices for the Earth“: In der Christkönig-Kirche in Krumpendorf fand am 3. Oktober das feierliche Abschlusskonzert der jeweils drei besten Interpret:innen in den Kategorien „Religiöses Lied“ und „Offene Kategorie“ statt. Ein Ohrenschmaus mit Spannung.
von Katja Schöffmann
Im Rahmen des Musikwettbewerbs „Voices for the Earth“ hatten die Umweltbeauftragten der Katholischen Kirche in der Steiermark und in Kärnten, Eva Heidlmair und Harald Jost, Musiker:innen eingeladen, den berühmten Sonnengesang von Franz von Assisi musikalisch in neuen Klängen zu interpretieren. Das Abschlusskonzert fand im feierlichen Rahmen in der Christkönig-Kirche in Krumpendorf statt.
Heute aktueller denn je
„Der Sonnengesang ist kein Museumsstück. Seine Botschaft von der Verbundenheit des Menschen mit der Schöpfung ist heute aktueller denn je. Wir wollten Musiker:innen dazu ermutigen, diese Botschaft mit ihren eigenen Stimmen und ihrer eigenen Musik neu zu entdecken“, erzählten Jost und Heidlmair.
Alles selbst geschrieben
Den ersten Preis in der „Offenen Kategorie“ holte sich die Klasse 3BM des Stiftsgymnasiums Admont in der Steiermark mit ihrer Musiklehrerin Eva Diringer-Weissensteiner. „Wettbewerbe werden an unserer Schule an uns Musiklehrer weitergeschickt. So kam die Idee, ein Lied für diesen Wettbewerb zu schreiben“, erzählte Diringer-Weissensteiner. „Ich habe so etwas noch nie gemacht. Drei Mädchen spielen mit einer Ukulele. Ich habe allen Schüler:innen vier Akkorde auf der Ukulele beigebracht, einen Rhythmus über acht Takte. Sie haben dann versucht, Melodien dazu zu erfinden, die dazu passen. Das hat super funktioniert. Die haben wir am Ende der Stunde aufs Handy aufgenommen. In der nächsten Einheit haben wir uns dann mit dem Sonnengesang des Franziskus beschäftigt. Wir haben nur die Idee genommen, nicht den Originaltext. Was sind Schlüsselwörter, die wir im Song brauchen? Das haben wir überlegt. Von dem ausgehend haben die Schüler dann einen Text geschrieben. Die Melodie haben sie davor schon zu den Akkorden gefunden“, freute sich die stolze Musiklehrerin.
Ein Lied zum Erntedank
Eine teilnehmende Gruppe kam vom Zammelsberg im Gurktal. „Wir haben durch Rudi Lechner (Referat für Schöfungsverantwortung) vom Wettbewerb erfahren. Ich hatte schon ein Lied, das ich voriges Jahr für den Erntedank geschrieben hatte“, berichtete Regine Stromberger. „Wir dachten, das passt ganz gut zu diesem Wettbewerb. Eingeschickt habe ich das Lied als Sologesang. Ich habe aber gerne meine Damen vom Kirchenchor dabei. Wir singen schon seit sieben Jahren zusammen. Unser Name ist ,Kirchenklang Zammelsberg‘. Wir singen zusammen sonntags in der Kirche“, erzählte sie. „Der Wettbewerb ist eine schöne Erfahrung. Wir freuen uns, dass wir im Finale sind. Das Lied ist entstanden zum Erntedank. Ich habe darin Gott gedankt für die Gaben, für die Welt, für die Schöpfung. Das Lied beschreibt die Farben, die Blumen, die Tiere, die Schöpfung, Regen und Sonne“, so Stromberger.
Sonnengesang im Jetzt
Eva Heidlmair, Umweltbeauftragte der Diözese Graz-Seckau, berichtete von der Idee zum Wettbewerb: „Die Kärntner Kollegen und ich haben gemeinsam die Idee gehabt, dass wir rund um den 800. Todestag von Franziskus etwas machen wollen und da ist uns die Idee gekommen, den Sonnengesang in die Jetzt-Zeit zu holen“, resümierte sie. „Die drei besten jeder Kategorie wären heute dabei, aber nur fünf treten heute auf, da jemand erkrankt ist. Es ist eine schöne Zusammenarbeit über die Diözesangrenzen hinweg. Hintergrundgedanke war, dass wir durch die Korlambahn näher zusammenwachsen.“
Missa Rhythmica
Auch Burgenland war beim Finale vertreten. Heinz Ebner trat mit seiner Gruppe „Missa Rhythmica“ auf und holte sich Platz 1 in der Kategorie „Religiöses Lied“.
„Uns gibt es seit 1979. Wir spielen Musik im religiösen Rahmen. Wir kommen aus Güssing. Der Sonnengesang ist mir bei einem Zeichenwettbewerb zu ,750 Jahre Todestag Franz von Assisi‘ zum ersten Mal begegnet. Ausgehend von einem Bild habe ich ein Lied zum Sonnengesang geschrieben“, resümierte Ebner.
Man wird immer überrascht
Die Klagenfurterin Johanna Smyrek, Liedermacherin und Theaterpädagogin, saß neben Michael Schadler (Leiter des Kirchenmusikreferates Graz) und Bruder Andreas Holl (Guardian im Franziskanerkloster Graz) in der Fachjury. „Es war wirklich schwierig, Entscheidungen zu treffen. Es gab 14 Einreichungen in verschiedensten Sprachen, sogar eine aus Finnland. Die meisten kamen aus der Steiermark und Kärnten. Ich habe einen Bewertungsspiegel mit einem Punktesystem erstellt“, erzählte Smyrek. „Nicht zu wissen, was kommt, war das Spannende an der Arbeit. Das ist das Schönste daran. Man wird immer überrascht.“
Neu und singbar
Florian Pfannhofer aus Salzburg machte als Einzelperson mit und holt sich Platz 3 im Wettbewerb (Religiöses Lied). „Ich habe den Sonnengesang immer schon inspirierend gefunden. Ich wollte unbedingt ein Lied machen, was für mich neu und mitsingbar ist“, so Pfannhofer.
Der 2. Platz in der Kategorie „Religiöses Lied“ ging an Peter Vorraber aus der Steiermark. „Nebenberuflich Kirchenmusiker, war ich hauptberuflich Musikschulleiter. Ich habe vor dem Wettbewerb den Text schon vertont gehabt“, erzählte er.
Die Schöpfung leidet
Die Christkönig-Kirche füllte sich, es wurde spannend. Moderator Maximilian Fritz betonte die Aktualität des Sonnengesangs in der heutigen Zeit: „Im Moment der größten Verzweiflung und Krankheit schreibt Franziskus ein Gebet, das Gott über die Schöpfung preist. Das, was vor 800 Jahren passiert ist, ist aktueller denn je.“ Wie steht es heute um unseren Planeten Erde? Fritz: „Die Schöfung leidet. Der Sonnengesang kann ein Anleitungsfaden für uns Menschen sein, Gott in der Schöpfung wieder zu entdecken und sie zu bewahren.“
Pfarrer Hans-Peter Premur ergänzte: „Franz von Assisi ist ein Mensch, der uns heute noch inspiriert und der zu einem empathischeren Umgang mit der Schöpfung und v. a. auch mit den Tieren anleiten könnte.“
Kein Text fürs Museum
Harald Jost vom Referat für Schöpfungsverantwortung der Diözese Gurk betonte: „Der Sonnengesang ist kein Text, kein Gebet fürs Museum. Das ist der Ausgangspunkt, mit dem wir an diesen Liedwettbewerb herangegangen sind. Es ging darum, den Sonnengesang ins Heute zu bringen und wir wollten auch die vielen Menschen, die durch den Sonnengesang miteinander verbunden sind, einladen, sich den Text anzusehen und zu entdecken, was der Geist dahinter ist und wie man es ins Heute übersetzen kann.“ Jost möchte „allen, die Beiträge eingereicht haben und sich dem Text gestellt haben, Danke sagen. Das war eine anspruchsvolle Aufgabe“. Die ersten drei Preise in den einzelnen Kategorien konnten sich sehen lassen. Neben einem Geldpreis (2. Platz) und einer Übernachtung in der Steiermark (3. Platz) winkte den Erstplatzierten eine professionelle Tonaufnahme.
Für jeden etwas dabei
Eva Heidlmair betonte: „Es hat uns sehr gefreut, dass wir bei den Einreichungen im zweistelligen Bereicht sind. Geschmäcker und auch die Einreichungen sind vielfältig. Ich glaube, dass die Jury eine schöne Auswahl getroffen hat. Es ist für jeden etwas dabei.“
Michael Schadler von der Jury resümierte seine Arbeit: „Das Schöne, Jurymitglied zu sein, ist, dass man sich intensiv mit allen Beiträgen auseinandersetzen darf. Es waren echt große Geschenke dabei. Wir alle haben gespürt, wie viel an Herzblut drinnen steckt. Das Schwierige ist wirklich, eine Entscheidung zu treffen. Es ist im Sinne des Systems notwendig, subjektiv zu sein.“ Im Anschluss an die hochspannende Preisverleihung wurde vor der Kirche noch zur Agape geladen. Ein rundum gelungener musikalischer Abend!