“Lux in arcana” - der Vatikan lüftet seine Geheimnisse
Eine Ausstellung in Rom mit Dokumenten aus dem Päpstlichen Geheimarchiv
Mit der Ausstellung „Lux in Arcana“ zeigt das Geheimarchiv des Papstes im Kapitolinischen Museum in Rom erstmals Dokumente aus zwölf Jahrhunderten Kirchengeschichte. von Gerald Heschl

Rom ist immer eine Reise wert. In diesem Sommer lockt eine einmalige Ausstellung, wie sie noch nie zu sehen war: Das Vatikanische Geheimarchiv hat etwa 100 Dokumente ausgewählt, die erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden. Es sind Briefe, Urkunden und Bücher von unschätzbarem materiellen, vor allem aber historischen Wert.
Die Aufbereitung der Schau entspricht den modernsten museumspädagogischen Richtlinien. So findet man neben dem Originaldokument detaillierte historische Erläuterungen, die eine genaue Einordnung in den geschichtlichen, kirchlichen und kulturellen Zusammenhang erlauben.
Anlass der Ausstellung ist das 400-Jahr-Jubiläum des Geheimarchivs, das 1611 gegründet wurde, als die Dokumente vom Lateran in den Vatikan übersiedelten.
Von den 100 gezeigten Archivalien eines herauszustreichen, wäre fast ein Sakrileg gegenüber den anderen wertvollen Stücken. Unzweifelhaft zu den Höhepunkten zählen sicher ein Brief Galileo Galileis mit dessen Unterschrift, die Approbationsurkunde des Franziskaner Ordens, der „Dictatus Papae“, mit dem Papst Gregor VII. 1075 den Investiturstreit gegen Kaiser Heinrich IV. für sich entschied oder das Ottonianum, die Gründungsurkunde des Kirchenstaates, ausgestellt von Kaiser Otto I. auf byzantinischem Purpur-Pergament.
Aber auch die Bannbulle gegen Martin Luther, Briefe von so unterschiedlichen Persönlichkeiten wie Dschingis Khan, Abraham Lincoln oder Voltaire an den Papst sind von einmaligem Interesse.
Aus österreichischer Sicht bedeutsam sind die Verleihung des „Goldenen Sporn“ an Wolfgang Amadeus Mozart, ein Brief von Marie Antoinette aus dem Gefängnis oder ein Brief von „Sissi“, der Kaiserin Elisabeth, an den Papst.
Für Fans der populären Verschwörungsliteratur finden sich die Prozessakten gegen die Templer – eine Pergamentrolle von 60 Metern Länge!
Die Ausstellung ist bis 1. September 2012 in den Kapitolinischen Museen in Rom zu besichtigen.