Organisation

Kärntner Kirchenzeitung - „Sonntag”

Drei Generationen wallfahren zur Gottesmutter

Diözsanwallfahrt nach Pettauberg/Ptujska Gora

Rund 150 Frauen und Männer nahmen am vergangenen Samstag an der traditionellen Diözesanwallfahrt nach Pettauberg/Ptujska Gora in Slowenien teil.
von Ingeborg Jakl

Was macht eine Wallfahrt heute so interessant? Noch dazu in Zeiten, in denen die Gotteshäuser immer leerer werden? Was macht eine Diözesanwallfahrt nach Pettauberg bei Ptuj in Slowenien so spannend für junge Menschen, dass sie mit der Trachtenkapelle Hasslacher aus Sachsenburg einen ganzen Tag lang unterwegs sind? Bei klassischem Wallfahrtswetter mit blitzblauem Himmel und Sonne satt von früh bis spät. Während andere träge an einem Kärntner See in die Sonne blinzeln und mit der Langeweile hadern, haben sie ihre Festtagstracht angelegt und die Musikinstrumente im Gepäck.
„Es ist die erlebte Gemeinschaft“, sagt Elisabeth Gritsch. Gemeinsam mit ihren Freundinnen ist sie am Morgen in aller Früh erwartungsfroh in den Bus geklettert. „Weil es Spaß macht“, weil sie gern musiziert und „weil die Begleitung der Diözesanwallfahrt mit Bischof Alois Schwarz für uns schon Tradition hat“, ergänzt der Obmann der Trachtenkapelle Werner Moll.
Die junge Elisabeth hat aber noch einen anderen Grund. Sie hat ein persönliches Anliegen, das sie bei dieser Wallfahrt zur Gottesmutter tragen will. Zur Verstärkung hat sie deshalb ihre Mutter Barbara und auch Großmutter Mina mitgenommen. „Drei Generationen auf Wallfahrt“, sagt Mutter Barbara und freut sich nicht nur über den gemeinsam verbrachten Tag, sondern auch über das viele Neue, das es zu entdecken gibt.
Die auf einem sanften Hügel, umgeben von wohlgeordneten Weingärten, gelegene Marienkirche ist der zentrale Wallfahrtsort der Diözese Marburg. Rund 80.000 Wallfahrer pilgern jährlich hierher. „Das ist einer der kostbarsten und bedeutendsten Sakralbauten Sloweniens“, erklärt Diakon Siegfried Muhrer beim Rundgang durch das Kircheninnere. Beherrschend für die Betrachter ist das Relief der Schutzmantelmadonna am Hauptaltar aus dem Jahre 1410. „Ein Meisterwerk seiner Zeit“, so Muhrer kenntnisreich.
Unter dem Schutzmantel der Madonna befinden sich 82 Figuren und Porträts von historischen Persönlichkeiten jener Zeit.
„Und wenn wir ganz genau hinschauen, entdecken wir auch noch einen Platz für uns“, sagt Diözesanbischof Alois Schwarz in seiner Predigt beim Wallfahrtsgottesdienst.
Wallfahren bedeute, so der Bischof weiter, Abstand nehmen, von daheim, von den Dingen des Alltags, um bewusst mit einem neuen Blick wieder zurückzukommen. Wallfahren bedeute aber auch, Anliegen, persönliche und allgemeine, der Gottesmutter voll Vertrauen vorzubringen. Noch nie habe es in der Welt so viele Krisen und Gefahren gegeben wie heute. Gerade in einer Zeit, in der der katholische Glaube so viel diskutiert und die Kirche kritisiert wird, legen die Teilnehmer mit ihrer Wallfahrt ein offenes Bekenntnis zu ihrem Glauben ab. An einem Ort wie diesem „atmen wir die Nähe Gottes“, betonte der Bischof.
Wallfahren sei nicht nur eine persönliche Bereicherung, sondern auch eine, die der Kirche gut tue, damit sie gestärkt werde und neue Priester- und Ordensberufungen hervorbringe. „I will follow him“ aus Sister Act intonierte die Trachtenkapelle Hasslacher unter Leitung von Christina Hänsler wie zur Bestätigung und setzte somit den künstlerisch hochwertigen musikalischen Schlusspunkt.
Nach dem Gottesdienst gab es nicht nur Zeit für Gespräche mit Bischof Schwarz, sondern auch Zeit für Fotos und den Kauf von kleinen Andenken. Dazu spielte die Trachtenkapelle flotte Märsche, während die Marketenderinnen Kärntner Obstler kredenzten.
Nach der Mittagspause ging es gestärkt weiter nach Saldenhofen zu einer kurzen Andacht. Hier in der St. Nikolauskirche wirkte viele Jahre der spätere Bischof Anton M. Slomˇsek, der als Seliger Kärnten und Slowenien verbindet. Die Pfarrmitglieder luden zur Agape und die Kärntner Wallfahrer zum Verbleiben ein. „Ein Dank und ein Hoch der Gastfreundschaft!“ So verabschiedete sich Seelsorgeamtsleiter Josef Marketz im Namen der Bewirteten, und über Lavamünd ging es wieder zurück Richtung Heimat.
„Eigentlich viel zu früh“, befand Elisabeth Kreuzer aus Grades, die sich schon auf ein Wiedersehen bei der Diözesanwallfahrt im nächsten Jahr freut.