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Kärntner Kirchenzeitung - „Sonntag”

Die christliche Botschaft ist heute zentraler denn je

Christoph Leitl, Präsident der Wirtschaftskammer Österreichs, über seinen Glauben, Innovation in der Kirche und die Zuku

WK-Präsident Dr. Christoph Leitl (© Foto: WKÖ)
WK-Präsident Dr. Christoph Leitl (© Foto: WKÖ)

Sie sind Unternehmer und Vertreter der österreichischen Wirtschaft. Und Sie bezeichnen sich selbst als gläubig. Wie weit ist der christliche Glaube Basis Ihres Handelns?
Leitl: Wenn man keine Werteorientierung hat, wenn man nicht weiß, welche Perspektiven man im Leben hat, dann kann man auch als Unternehmer keine guten, nachhaltigen und damit langfristig sinnvollen Entscheidungen treffen.

In jüngster Zeit gibt es viele Publikationen, die sich dem Thema Wirtschaft und Evangelium annähern. Gibt die christliche Botschaft Leitlinien für unternehmerisches Handeln?
Leitl: Eine Grundeinstellung muss jeder Mensch haben. Ob er dies nun aus christlichen oder humanistischen Wertesystemen ableitet, ist jedem selbst überlassen. Aber für mich ist die Grundbotschaft, die in den Evangelien verankert ist, wichtig. Wenn man diese Grundbotschaft sieht, und nicht, was in den 2000 Jahren an Patina dazugekommen ist, dann kann man mit dem Inhalt und der Botschaft hervorragend umgehen.

Vor ca. einem Jahr haben Sie in einem "Kurier"-Interview sinngemäß gesagt, dass Sie Krisenmanagement für die Kirche besonders reizen würde. Was schlagen Sie vor?
Leitl (lacht): Da haben Sie Recht. Das wäre wirklich eine tolle Herausforderung. Es tut mir leid, dass so viele Menschen wie noch nie nach Orientierung suchen und doch die Kirchen so leer sind. Daher meine ich, man sollte wieder von unten beginnend, von den Pfarren her, schauen, dass die Kirche nicht erstarrt, sondern zu einem begeisternden Erlebnis wird, wo man innerlich bereichert herauskommt. Das wäre eine faszinierende Aufgabe.

Welche Strategie würden Sie als Unternehmer vorschlagen?
Leitl: Ich kann ja auch kein Unternehmen führen, indem ich als Unternehmer alles entscheide und die anderen haben sich zu fügen. Mit einem solchen Unternehmen kann ich nicht erfolgreich sein. Nur auf Rom zu schauen und dabei zu übersehen, dass eine Lebendigkeit eigentlich in den Pfarren stattfindet, das ist überholt. Wenn ich daher sage, liebe Leute, ihr habt viele Ideen, macht die Kirche lebendig, geht auf die Leute zu, begeistert sie für unsere Produkte und Dienstleistungen, dann werde ich erfolgreich sein.

Das entscheidende Erfolgsrezept jedes Unternehmens ist die Innovation. Würden Sie sich die Kirche innovativer wünschen?
Leitl: Ja, absolut! Ich glaube, es wird immer der Fehler gemacht, zu sagen, die Kirche ist nicht zeitgeistig, sondern hat ihrer Tradition treu zu bleiben. Ja – die Botschaft verändert sich nicht! Die Botschaft selbst ist heute zentraler denn je. Aber alles rundherum, die Organisation usw., die unterliegt selbstverständlich Veränderungen. Wenn man in der Organisation nichts verändert, ist die Gefahr groß, dass die Botschaft nicht gehört wird.

Gerade in Österreich ist die Botschaft heutzutage aktueller denn je, wo man das Gefühl hat, dass es in vielen Bereichen an Werten fehlt.
Leitl: Es bleibt auch aktuell. Wir stehen in einem ungeheuren Prozess der Globalisierung. Wenn in diesem Prozess nur Informationen und Transaktionen eine Rolle spielen, aber nicht mehr Werthaltungen, nicht mehr Überzeugungen, dann ist das für mich persönlich traurig. Ich knüpfe in aller Welt mit Hilfe der Wirtschaft Kontakte zu anderen Kulturen, zu anderen Menschen und sehe die Funktion der Wirtschaft auch als friedensstiftend an. Denn Menschen,die mitei-nander Handel treiben, schlagen sich nicht den Schädel ein.

In Österreich stehen wir im Moment vor der Frage, ob es in der Politik, aber auch in manchen Wirtschaftsbereichen, noch so etwas wie Ethik gibt.
Leitl: Oh ja! Wir haben weit über 400.000 Betriebe, in denen gut zusammengearbeitet wird, wo man fair mit Kunden umgeht und Nutzen stiftet. Dort wird nicht spekuliert, sondern da-rauf geschaut, wie man langfristig und nachhaltig das Unternehmen weiterentwickelt. Auf das bin ich stolz. Da ist gerade Österreich vorbildlich.

Angesichts der Wirtschaftsentwicklung, der Krise in Griecehnland, haben viele Menschen Angst . . .
Leitl: Jede Krise ist Gefahr und Chance zugleich. Die EU ist unsere Lebensversicherung in der globalen Welt. Daher müssen wir Europa so weiterentwickeln, dass es handlungsfähig ist. Wenn wir zusammenrücken, anstatt uns auseinander dividieren zu lassen, bin ich sicher, dass Europa auch in Zukunft in der Welt eine Rolle spielt und wir europäische Werte und europäischen Lebensstil auch einbringen können.

Und wenn nicht?
Leitl: Wenn uns das nicht gelingt und es uns zerreißt, weil der Nationalismus und der Egoismus größer sind als das gemeinschaftliche Denken und Handeln, dann werden wir irgendeine unbedeutende Rolle spielen, und dann werden die Spielregeln halt von den Chinesen, Indern und Amerikanern gemacht.

Sie wünschen sich also mehr Europa und nicht weniger.
Leitl: Ganz klar mehr Europa. Das ist die einzige Antwort, die auf diese Krise erfolgen kann und muss.

Braucht es dafür Verbündete?
Leitl: Selbstverständlich. Ich war erst in diesen Tagen mit Ihrem Bischof Schwarz zusammen. Wir haben eingehende, intensive und gute Gespräche geführt. Er ist ja in der Bischofskonferenz auch der Ansprechpartner der Wirtschaft. Wir stimmen überein, dass wir diesen positiven und optimistischen Ansatz vertreten und glauben, dass er zielführend ist.