Älterwerden - zwischen Freiheit und Angewiesenheit
Theologie aktuell - Rezensionen aktueller theologischer Fachartikel und Anstöße für das theologische Gespräch.

Anlässlich des "Europäischen Jahres des aktiven Alterns und der Solidarität zwischen den Generationen" befasst sich die evangelische Theologin Ulrike Wagner-Rau im Artikel "... und eure Alten werden Träume träumen ..." - Praktisch-theologische Denkanstöße zum Prozess des Alterns, in: Wege zum Menschen, 64. Jahrgang, Heft 2, März/April 2012, S. 112-124. mit dem Älterwerden und mit dem Platz älterer Menschen in Kirche und Gesellschaft.
Christine Görtschacher, pensionierte Pastoralassistentin und noch aktive Krankenhausseelsorgerin, hat sich in ihrem Kommentar einerseits mit ihrer reichen Lebens- und Berufserfahrung dem Artikel angenähert und andererseits im Bewusstsein, dass sie selbst zu der Bevölkerungsgruppe gehört, über die der Artikel handelt.
Michael Kapeller hat Christine Görtschacher zum Themenfeld des Artikels folgende Fragen gestellt.
Wann ist man eigentlich "alt"?
… wenn man/frau kein Interesse mehr hat am gesellschaftlichen Geschehen
… wenn soziale Kontakte nicht mehr wahrgenommen werden
… wenn ich aufgehört habe mich weiterzubilden,
… wenn ich nur mehr warte bis der Tag vorbei ist
… wenn mein Interesse an neuen Aufgaben und Tätigkeiten schwindet
… wenn ich mich "gehenlasse" (wobei das nicht nur mit dem Alter
zusammenhängt)
… wenn ich nur noch auf Zuwendung warte
Was können alte Menschen in unsere Gesellschaft einbringen?
… die Erfahrung des Lebens, ohne dabei "neunmalklug" zu wirken
… dass man/frau Prioritäten setzt
… ein Ziel hartnäckig anpeilen
… die Fehler der Vergangenheit aufzeigen und betonen, dass sie sich nicht
wiederholen sollen
… den jungen Menschen Gelassenheit vorleben
Was erwarten sich ältere Menschen von der Kirche?
Sie möchten, dass Traditionen mit einem neuen Inhalt gefüllt werden und dass sie vom Pfarrer und den Mitarbeiter/innen aufmerksam und wertschätzend behandelt werden. Für mich ist das kindliche (kindische) Reden eine Respektlosigkeit Älteren gegenüber. In den Pfarren müsste noch viel deutlicher gesehen werdne, dass der "Übergang" zur Pensionierung eine Chance darstellt. Ältere Menschen sind hier besonders bereit, sich punktuell einzubringen, wenn sie dazu eingeladen werden. Wenn man älter wird ist es wichtig, dass es Gelegenheiten gibt, sich zu treffen und auszutauschen.