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Bistum Lavant / St. Andrä

 
 
 

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Pfarre St. Andrä im Lavanttal / GS

Stadt St. Andrä im 17. Jahrhundert, © Foto Matthäus Merian

Stadt St. Andrä im 17. Jahrhundert (© Foto: Matthäus Merian)

St. Andrä liegt auf einer Flussterrasse der Lavant, mitten im landschaftlich schönen Lavanttal, dem Paradies Kärntens. Das Stadtbild beherrschen zwei Kirchen: die Dom- und Stadtpfarrkirche, einst die Kathedrale der Bischöfe von Lavant und die große Wallfahrtskirche Maria Loreto.
Die Geschichte der Stadt ist zugleich auch ein Teil der Kirchengeschichte Kärntens und reicht zurück bis in die karolingische Zeit, bis in die Zeit der Christianisierung und der Kolonisierung durch die Baiern und Franken. Mit großer Wahrscheinlichkeit kann angenommen werden, dass der Hl. Modestus Ende des 8. Jhdts. hier in St. Andrä die dem Hl. Andreas geweihte Kirche gegründet hat. Die Kirche des Hl. Andreas ist sicherlich die älteste Kirche des Lavanttales. St. Andrä zählt zu den Urpfarren Kärntens.
Kaiser Ludwig, der Deutsche, bestätigt im Jahr 860 dem Erzbistum Salzburg seine Besitzungen in Karantanien. Eine Stelle dieser Urkunde lautet: „curtis ad Lavantam“ „Hof an der Lavant“. Dieser karolingische Königshof in der Grafschaft Lavant war damals als Hauptort des Tales und auch eine Ansiedlung die um diesen Königshof entstand, heiß Lavant. In späteren Jahrhunderten nannte man den Hof „Pflegehof der Erzbischöfe von Salzburg“ oder auch kurz „Salzburger Hof“. Der Vater von Mozarts Mutter war in der ersten Hälfte des 18. Jhdts. Pfleger am Salzburger Hof in St. Andrä.
St. Andrä unterstand der kirchlichen und weltlichen Herrschaft der Erzbischöfe von Salzburg. Das Vizedomamt in Friesach übte die Hoheitsrechte, die Oberherrschaft im Namen der Salzburger Erzbischöfe aus. Nach einer Urkunde aus dem Jahre 976 belehnte der Erzbischof Friedrich den Kleriker (Pfarrer) Wito mit dem Kirchengut der Andreaskirche. Das ist die älteste urkundliche Erwähnung der Pfarre St. Andrä.
Die Pfarrherren der Andreaskirche standen schon immer in hohem Ansehen. In einer Urkunde aus dem Jahre 1145 wird die Andreaskirche als Pfarr- und Taufkirche bezeichnet. 1180 verlieh Erzbischof Konrad III. dem Pfarrer Konrad den Titel „Propst“, was eine Auszeichnung für besondere Verdienste bedeutete und die Stellung der Andreaskirche hervorhob.
Erzbischof Eberhard II. bestätigte 1203 der Andreaskirche das Erzdiakonat. Dem Erzdiakon der Andreaskirche unterstanden alle Kirchen des unteren Lavanttales mit Ausnahme von St. Paul. 1212 gründete ebenfalls Erzbischof Eberhard II. für die geistliche Betreuung der Andreaskirche ein Augustiner Chorherrenstift. Der jeweilige Propst des Stiftes war auch Erzdiakon und später  Stellvertreter des Bischofs von Lavant. 1808 wurde das Augustiner Chorherrenstift wegen großer Verschuldung aufgelöst. 1825 wurde das Domkapitel errichtet, das neben dem Domstift mehrere Schlösser in der Umgebung besaß.
Bedeutend für die Geschichte der Stadt ist das Jahr 1228. Erzbischof Eberhard II. gründet hier bei der Andreaskirche das Bistum Lavant. Die Andreaskirche wurde zur Bischofskirche erhoben. Das Bistum Lavant war die kleinste Diözese. Die Dotation des Bistums bot den Bischöfen durchaus kein sorgenfreies und prunkvolles Leben, doch waren auf dem Lavanter Bischofssitz immer wieder Männer, die in ihrer Zeit zu den bedeutendsten Persönlichkeiten zählen sollten.
Die Bischöfe von Lavant führten zwar seit 1318 auch den Titel „Fürstbischof“, hatten aber weder in geistlicher noch in weltlicher Hinsicht größere Bedeutung, da sie dem Erzbischof von Salzburg unterstanden. Auffallend ist, dass sich die Bischöfe von Lavant rasch ablösten, da viele von ihnen von hier aus zu höheren kirchlichen Würden und weltlichen Ämtern gelangten.
Einer der bedeutendsten Bischöfe von Lavant war Bischof Georg III. Stobäus von Palmburg (1584 – 1618). Geboren in Ostpreußen studierte er am Germanikum in Rom. 1597 wurde er von Erzherzog Ferdinand zum Statthalter von Innerösterreich ernannt. Bischof Stobäus, ein hochbegabter und humanistisch gebildeter Mann, führte mit Bischof Martin Brenner von Seckau die Gegenreformation in Kärnten und der Steiermark durch. Er unternahm als Beauftragter des Kaisers aus ausgedehnte Reisen nach Italien, Spanien und Siebenbürgen, Polen und Schlesien. Für seine großen Verdienste sollte Bischof Georg III. die Kardinalswürde erhalten, doch lehnte er sie aus Bescheidenheit ab. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er wieder hier in St. Andrä, wo heute noch neben dem Hochaltar in der Andreaskirche sein Grabmahl zu sehen ist.

Bekannt wurden auch der spätere Erzbischof von Salzburg Max Gandolf von Kuenburg oder der spätere Erzbischof von Wien Leopold von Firmian.

1234 schenkt Erzbischof Eberhard II. den Maut- und Salzzoll „in fora ad sanctum Andream“ für den Markt St. Andrä an Propst und Domkapitel. Der Markt muss kurz vorher gegründet worden sein und der lange rechteckige Grundriss, der die Stadt heute noch prägt, ist typisch für die Marktgründungen von Erzbischof Eberhard. In einer päpstlichen Bulle, die von Zerstörungen berichtete, die Herzog Albrecht von Österreich im Kampf gegen Erzbischof Rudolf von Salzburg im Lavanttal anrichtete, wird 1289 St. Andrä erstmals als Stadt bezeichnet „civitas Lauentina“. Noch zu Beginn des 13. Jhdts. heißt der Ort, nach zahlreichen Urkunden bezeugt, Lavant! Erst um die Mitte des 13. Jhdts. Wird der Ort dann auch St. Andrä genannt, weil in dieser Zeit nicht mehr der Hof der Lavant den Mittelpunkt des Ortes darstellte, sondern die dem Hl. Andreas geweihte Kirche die nun auch Bischofsitz war.
1339 erteilte Herzog Albrecht II. von Österreich dem Erzbischof Heinrich von Salzburg das Recht, die Stadt St. Andrä mit Mauer und Graben zu befestigen. Reste der alten Stadtmauer sind noch erhalten und das östliche Stadttor zeugt heute noch von der Wehrhaftigkeit der kleinen mittelalterlichen Stadt. Die Stadt St. Andrä hatte schon seit dem 14. Jhdt. eine eigene städtische Verfassung, eine selbstständige Stadtverwaltung mit Magistrat, Stadtrat, Stadtrichter, Stadtinspektor, Bürgerwacht, das Recht verschiedene Märkte abzuhalten, das Recht Maut und Zölle einzuheben – ein Stadtrecht, das seinen Bewohnern Privilegien verlieh, die sich von dem auf dem Land geltenden Recht sehr wesentlich unterschieden. Die freien Bürger der Stadt waren vorwiegend Handwerker. Viele heute längst vergessene Berufsgruppen wie Töpfer, Hafner, Seiler, Sattler, Färber, Seifensieder, Kupferschmied u.a. hatten in der Stadt ihre Werkstätten und Verkaufsläden. Jedes Bürgerhaus besaß außerhalb der Stadtmauern etwas Grund und Boden und in den Hinterhöfen waren die Stallungen für ein Pferd, für einige Kühe, Kälber und Schweine untergebracht.
So wird in den Lehrbüchern der Geschichte eine mittelalterliche Stadt beschrieben, so war das Leben auch hier in der alten Bischofsstadt St. Andrä. Aber auch von schweren Notzeiten wurde die Stadt wiederholt heimgesucht. Die gefürchtete Pest grassierte mehrmals in der Stadt und der Tod hielt reiche Ernte. Gefährliche Feuersbrünste brachen einige Male aus (1727, 1821 und 1886), fast die ganze Stadt stand in lodernden Flammen und das verheerende Feuer vernichtete Hab und Gut der arbeitsamen Bürger.
1417 belagerten die Türken die befestigte Stadt, konnten sie aber nicht einnehmen. Führten die Erzbischöfe von Salzburg kriegerische Fehden, so hatte darunter auch die Stadt St. Andrä als salzburgischer Besitz mehrmals schwer gelitten. Erzbischof Bernhard hatte mit Kaiser Friedrich III. eine Fehde.
So besetzten 1480 kaiserliche Truppen unter Leonhard von Kollnitz im Handstreich die Stadt, raubten und plünderten sie aus und gaben die Stadt erst 1494 wieder an den Erzbischof zurück. 1803, nach dem Friedensschluss von Pressburg, während der napoleonischen Kriege, verloren die Erzbischöfe von Salzburg ihre weltliche Macht als regierende Fürsten. Alle salzburgischen Besitzungen kamen zu Österreich. Die Stadt St. Andrä wurde von der K. und K. Staatsgüter Administration in Klagenfurt übernommen und führte nun den Namen Cameralherrschaft St. Andrä. Theophrastus Bombastus Paracelusu von Hohenheim nennt den St. Andräer Bischof seinen Lehrmeister. Daraus lässt sich schließen, dass er die Lateinschule an der Domkirche besuchte.
1809 haben ca. 5000 französische Soldaten in St. Andrä und Umgebung eine Nacht gelagert. Die Soldaten beschlagnahmten Lebensmittel, Wein und Most, zechten und polterten und schrieen bis in die späten Nachtstunden. Am nächsten Morgen zogen sie wieder weiter. Die verursachte Schaden wurde vom österreichischen Staat teilweise vergütet.
Die Verlegung des Bischofssitzes 1859 nach Marburg liegt in der Vielfalt der Diözesen in Kärnten (Salzburg, Gurk, Laibach, Aquileila) und den daraus resultierenden kirchlichen Verwaltungsproblemen begründet.
Kaiser Josef II. beauftragte den Gurker Bischof Graf Auersperg, der übrigens von 1763 – 1772 auch Bischof von Lavant gewesen ist, mit der Ausarbeitung einer neuen Diözesanaufteilung für Innerösterreich. Nach jahrelangen Verhandlungen hat der Kaiser schließlich im Jahre 1786 die neue Diözesanregelung durch ein Dekret mit Zustimmung des Papstes Pius VI. erlassen. Der Bischof von Gurk erhielt ganz Kärnten als Diözesansprengel mit Ausnahme der politischen Bezirke Wolfsberg und Völkermarkt. Ein Einspruch gegen diese neue Diözesanregelung durch den Lavanter Fürstbischof Graf Schrattenbach wurde vom Kaiser abgewiesen.

Das Bistum Lavant umfasste zu dieser Zeit die Dekante St. Andrä, Wolfsberg, Bad St. Leonhard, den Kreis Völkermarkt und den Kreis Cilli (91 Pfarren). 1804 kam durch die Aufhebung des Bistums Leoben auch der Marburger Kreis an das Bistum Lavant. Dadurch erfuhr das Bistum eine Schwerpunktverlagerung dahingehende, dass der Großteil der Bevölkerung slowenisch sprechend war. Eine Verlegung des Bischofssitzes wurde schon zu diesem Zeitpunkt erwogen. Als zukünftige Bischofssitze kamen die Städte Marburg, Pettau und Cilli in Frage. Marburg machte schließlich das Rennen, vor allem weil man in der Lage war, die erforderlichen baulichen Maßnahmen (Residenz, Domherrenwohnungen, Priesterseminar, ...) durchzuführen.
1857 fixierte ein Dekret von Papst Pius IX. die Verlegung des Bischofssitzes von St. Andrä nach Marburg und am 4. September 1859 hielt Bischof Anton Martin Slomsek feierlichen Einzug in der neuen Bischofsstadt Marburg. Die Stadt. St. Andrä verlor ihre einstige Bedeutung und es erfolgte damit auch der wirtschaftliche Niedergang.

Die Residenz der Bischöfe und ihre Güter kaufte der Hoch- und Deutschmeister Erzherzog Maximilian und schenkte sie mit dem Schlossgut Thürn dem Jesuitenorden. Nach hundertjährigem Wirken verließen 1960 auch die Jesuiten ihre Ordensniederlassung in St. Andrä. Die ehemalige bischöfliche Residenz ist heute ein Heim für betagte Menschen (Haus Elisabeth).
Im 1. Weltkrieg erfolgten im Jesuitenkloster Einquartierungen von Flüchtlingen aus Galizien. Auch im Kärntner Abwehrkampf waren Männer aus St. Andrä im Einsatz. Im Juni 1919 fanden im Konferenzzimmer der Volksschule Waffenstillstandsverhandlungen zwischen österreichischen und jugoslawischen Offizieren statt.
1940 wurden durch die Nationalsozialisten die Jesuiten aus St. Andrä vertrieben und ihr Besitz enteignet. Während des Zweiten Weltkrieges bewohnten deutsche Rücksiedler aus dem Kanaltal das Jesuitenkloster und 1945 quartierten sich die Engländer ein. Wahrlich eine wechselvolle Stadtgeschichte.
1973 wurde St. Andrä eine Großgemeinde und reicht nun vom Gipfel der Koralpe im Osten bis zu den Höhen der Saualpe im Westen. Die alte Bischofsstadt ist für das mittlere Lavanttal wieder ein Zentrum der örtlichen Verwaltung, des handwerklichen Geschäftslebens und der kulturellen Begegnung geworden.

Text: Mag. Josef Pötsch und Mag. Günther Peter

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