40 Jahre Deutsch-Slowenischer Koordinationsausschuss der Diözese Gurk
Pastoraltheologe Zulehner betont bei Auftaktveranstaltung zu den Feierlichkeiten „Verbuntung“ der Gesellschaft

Klagenfurt, 29. 1. 14 (pgk). Der „Katholizismus des 20. Jahrhunderts und die pastoralen Aktivitäten in Österreich und Slowenien“ waren gestern Abend Thema eines Vortrags- und Diskussionsabends im Kärntner Landesarchiv. Die Veranstaltung bildete den Auftakt der fünfteiligen Vortragsreihe „Die Position der Kirche und das Verhalten des Klerus in Kärnten von der Jahrhundertwende bis zum 2. Weltkrieg“ im Rahmen der Feierlichkeiten zum 40-Jahr-Jubiläum des Deutsch-slowenischen Koordinationsausschusses/Nemško slovenski koordinacijski odbor der Diözese Gurk.
Der Wiener Pastoraltheologe Univ.-Prof. DDr. Paul M. Zulehner verwies in seinem Vortrag auf den „tief greifenden geistigen, technischen, sozialen und politischen Wandel“ der Kirche im letzten Jahrhundert, „vom Kaiserreich zum Internet“, und stellte die drei „großen Werteströme“ im Rahmen der Modernisierung, nämlich Freiheit, Gerechtigkeit und Wahrheit, in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Als eine der „vielfältigen Folgen der massiven Zunahme des Freiheitsdranges“ nannte der Pastoraltheologe den deutlichen Rückgang von Autoritarismus und verwies auf die „innerkirchliche Polarisierung“ aufgrund der Dynamik der Freiheitskultur. Kirche befinde sich, so Zulehner, „sozusagen im Modernisierungsstress“. Mit Blick auf die steigende Zahl der Kirchenaustritte und die Zunahme von so genannten Skeptikern hob der Pastoraltheologe hervor, dass die Gesellschaft und die Kirche es „nicht mit Säkularisierung, sondern mit ´Verbuntung´ zu tun hat“. Die Kirche sei heute herausgefordert, Vielfalt zu akzeptieren und auf die Wünsche und Sehnsüchte der Menschen einzugehen. Gleichzeitig betonte Zulehner, dass „Religion nur im Raum der Freiheit erblühen kann“.
Der Laibacher Kirchenhistoriker Dr. P. Metod Benedik OFMCap gab in seinen Ausführungen einen Überblick über die Lage der Kirche und die pastorale Tätigkeit in Slowenien vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis zur Zeit nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil.
Moderiert wurde der Abend von Bischofsvikar Msgr. Dr. Josef Marketz, Direktor des Bischöflichen Seelsorgeamtes. Er bezeichnete die Kärntner Diözesansynode als „pastoralen Wendepunkt“. In besonderer Weise hob Marketz die Beschlüsse zum Zusammenleben der deutsch- und slowenischsprachigen Kärntner/-innen hervor.
Weitere Referenten im Rahmen der Diskussionsreihe werden u. a. der Klagenfurter Sozialpsychologe O. Univ.-Prof. Dr. Klaus Ottomeyer und der Leiter des Archivs der Diözese Gurk, Univ.-Doz. Dr. Peter G. Tropper, sein. Nähere Informationen finden Sie >> HIER.
Fortgesetzt wird das Festprogramm zum 40-Jahr-Jubiläujm im Jahr 2015 mit drei weiteren Veranstaltungen im Kärntner Landesarchiv. „Kärntens Kirche zwischen Anspruch und Wirklichkeit in der Zeit von 1945 und 1975“ steht im Mittelpunkt eines internationalen Symposiums am 23. und 24. April 2015. Im Mai 2015 stellt eine Kooperations-Veranstaltung mit dem Pfarrgemeinderatsreferat und dem Katholischen Akademikerverband die Frage nach „Kärntens Kirche im Nationalsozialismus“. Schließlich beschäftigt sich im Herbst 2015 ein Workshop in Erinnerung daran, dass Kärnten 1915 Kriegsgebiet wurde, mit dem Thema „Der I. Weltkrieg in Kärnten, die Kirche und der Frieden“.
Eine Veröffentlichung der Vorträge aller Veranstaltungen in Buchform ist geplant. Alle Veranstaltungen sind öffentlich und bei freiem Eintritt zugänglich.