Speisensegnung (“Fleischweihe”) am Karsamstag

Eine gute Kärntner Tradition - Besinnung auf die Speisensegnung und auf das österliche Mahl in der Familie

Wohl keine andere Tradition im Laufe des Kirchenjahres wird in Kärnten so intensiv gepflegt wie am Karsamstag die „Fleischweihe“. In den Pfarr- und Filialkirchen, bei kleinen Kapellen und Bildstöcken gibt es die Zeiten, zu denen der Pfarrer – und seit kurzem auch Laien, die für Segensfeiern beauftragt sind - zu einer Segensfeier kommt und die Gaben segnet.

Im Korb liegen die Gaben für die Speisensegnung (“Fleischweihe“), bedeckt mit einem eigens bestickten Tuch “IHS“ (© Foto: Pichler / Regenbogen)
Im Korb liegen die Gaben für die Speisensegnung (“Fleischweihe“), bedeckt mit einem eigens bestickten Tuch “IHS“ (© Foto: Pichler / Regenbogen)

Fasten und Fasten brechen - Ostern vorbereiten

Wenn wir ChristInnen Ostern feiern, ist es der Höhepunkt der Feste im Kirchenjahr. In der Fastenzeit, vom Aschermittwoch an, bereiten sich die Christinnen und Christen in besonderer Weise auf dieses große Fest vor. In der strengen Fastenordnung früherer Jahrhunderte war es in dieser Zeit verboten, Fleisch, Eier und Käse zu essen. Deshalb freute man sich am Ende der Fastenzeit, beim Ostermahl, wieder Fleisch und Eier essen zu dürfen. Sie sollten zuvor gesegnet werden.

Speisen segnen

In Körben werden die Osterspeisen zur Segnung gebracht. Sie enthalten meistens Schinken, Würste, Eier, Salz, Kren, Obst, Reindling, ein Osterbrot u.a. Die Körbe sind mit kunstvoll bestickten Tüchern zugedeckt. „An Gottes Segen ist alles gelegen!“ sagt der Volksmund. Segnen bedeutet „Gutes zusagen“, ein gutes Wort sagen. Wenn wir um den Segen Gottes beten bzw. wenn der Segen gespendet wird, drückt er das gläubige Vertrauen aus: Gott ist dem Menschen gut und wohlgesinnt.

Segen ist Zuwendung, die Leben gibt.

Als Mose seinen Bruder Aaron und dessen Kinder segnete, sprach er es mit den Worten: „Der Herr segne und behüte dich! Der Herr lasse sein Angesicht über dir leuchten und sei dir gnädig! Der Herr schaue auf dich und gebe dir Frieden!“ Gott schaut auf dich, auf uns. In Gottes Zuwendung ist der Segen - im Gegensatz zur Abwendung und Zurückweisung, die Segensverweigerung und Unheil bedeuten.

Wir leben durch Gottes Güte

Wenn der Priester unsere Speisen segnet, wird damit bewusst, dass wir aus Gottes Güte leben. Von Gottes Schöpferwirken empfangen wir alles. Die Speisen mögen uns zum Segen sein. Die Speisensegnung zum Osterfest ist auch ein Ausdruck der Dankbarkeit für unsere Erlösung durch den Tod und die Auferstehung Jesu.

Feier der Osternacht

Die vorösterlichen Buß- und Fastenzeit endet mit der Feier der Osternacht.Am Beginn der österlichen Liturgie - am Abend des Karsamstags oder vor dem Morgen des Ostertages - wird vor der Kirche das Osterfeuer entzündet und die Osterkerze als Sinnbild für den Auferstandenen geweiht; dann ziehen der Priester und die Gemeinde mit der brennenden Osterkerze in die dunkle Kirche. Indem die Gläubigen in der Kirche das Osterlicht weiterreichen, wird die Dunkelheit durch das Licht überwunden.

Nach dem Wortgottesdienst erklingt das österliche Alleluja. Das Sakrament der Taufe wird gespendet und die bereits Getauften erneuern ihr Taufversprechen. In der Feier der Eucharistie werden der Tod und die Auferstehung Jesu vergegenwärtigt.

Gelegenheit für die Segnung der Osterspeisen

Nach der Feier der Osternacht ist der eigentliche Zeitpunkt, zu dem die Osterspeisen gesegnet werden. Die Gläubigen gehen dann nach Hause und setzten sich zum Ostermahl zusammen.

Wenn in vielen Orten zur Tradition geworden ist, dass die Ostergaben am Karsamstag im Laufe des Vormittags gesegnet werden, in der Regel im Rahmen einer Wortgottesfeier, so sollte der Zusammenhang mit dem Ende der vorösterlichen Bußzeit und die Verbindung mit der feierlichen Osterliturgie nicht übersehen werden.

Das Ostermahl zuhause - österliche Tischgemeinschaft

Mit den gesegneten Speisen gehen die Gläubigen nach Hause und setzen sich zum Ostermahl zusammen. Jesus hat sich oft mit seinen Freunden zu einem Mahl versammelt – etwa zum letzten Abendmahl oder mit den zwei Jüngern in Emmaus, wo sie den auferstandenen Jesus beim Brotbrechen erkannten.

Ein festlich gedeckter Tisch – mit einem Tischtuch; Kinder können die Servietten vorbereiten und einige österliche Symbole aufdrucken oder zeichnen. Das Ostermahl ist ein besonderes Mahl, zu dem sich die Familie einfindet.

In der Mitte des Tisches brennt eine Osterkerze, ebenfalls verziert oder bemalt. Die Osterkerze war schon bei der Liturgie in der Kirche das aussagestarke Symbol für den auferstandenen Jesus. Blumen oder ein „Ostergesteck“ schmücken den Tisch. Gefärbte Eier, das Ostergebäck und die gesegneten Gaben werden ausgepackt und auf den Tisch gelegt. Wir lassen uns Zeit und sehr bewusst setzen sich alle in der Familie und die Gäste zum Tisch.

Dann spricht der Vater oder die Mutter ein Tisch- und Segensgebet. Oder gemeinsam wird ein österliches Lied gesungen (mit Instrumenten begleitet). Aus den Evangelien einen Bericht von den Begegnungen mit dem Auferstandenen lesen (z.B. Mk 16, 1-8; Joh 20,1-10 und 11-18 und 19-23; Luk 24,13-35) oder lebendig erzählen und anschaulich vergegenwärtigen.

Das Tischgebet – Ausdruck der Dankbarkeit

Wenn die Speisen, auf die in der Fastenzeit verzichtet wurde, gesegnet wurden und jetzt gegessen werden, so sollten diese Speisen gut verkostet werden. In Dankbarkeit bedenken wir, dass uns vom Schöpfergott und durch die Hand vieler Menschen diese Gaben zukommen.

Bevor die Mutter, der Vater das Osterbrot anschneidet, zieht sie/er mit dem Messer ein Kreuz über das Brot: „Segne, Vater, was wir essen; lass uns Deiner nicht vergessen!“. In gläubigen Familien war dieses Segenszeichen über jedes neu angeschnittene Brot ein selbstverständliches Ritual.

Von den Gaben und von der Freude teilen

Um die Freude des Osterfestes miteinander zu teilen („Geteilte Freude ist doppelte Freude“), kann von einem Stück Osterbrot etwas abgebrochen und mit einem anderen am Tisch geteilt werden. Dabei einander ein freudiges Wort sagen, wie z.B.: „Ich freue mich über dich (über diese und jene Stärke, gute Eigenschaft an dir) und mit dir; ich möchte mit dir teilen und das Brot brechen.“ Die frühen Christengemeinden sprachen vom „Brotbrechen“, wenn sie zum Mahl zusammen kamen und im Besonderen wenn sie die Eucharistie feierten.

Für Verwandte, Freunde, Kranke…

Vom Osterkorb bringen die Familien häufig ihre Gaben auch anderen in der Verwandtschaft oder zu Freunden. Indem Sie von den Gaben teilen, wird die Osterfreude verbreitet. Schon beim Zubereiten des Korbes für die Speisensegnung wird überlegt, wer von den Gaben etwas bekommen wird. Mit wem möchten Sie teilen? Wo können Sie einem kranken oder älteren Menschen den österlichen Frieden mitbringen?

Segensgebete:

Gott, segne uns / aus deiner reichen Fülle!
Wir klopfen bei dir an, / wie es dein Wille.
Gib, dass wir täglich / deine Huld ermessen
Dich, Geber alles Guten, / nie vergessen! Amen.


Gott, du bist aller Dinge Grund / und hast noch nie gebrochen,
was du in deinem Schöpfungsbund / uns Menschen hast versprochen.
Du gibst auch heute uns die Speise, / die uns zum Leben not,
bewahrst uns auf des Lebens Reise. / Wir danken dir, o Gott. Amen.


Herr, wir danken dir, dass wir zusammen Ostern feiern können.
     Alle: Segne uns, Herr!
Herr, du hast uns neues, ewiges Leben geschenkt.
     Alle: Segne uns, Herr!
Herr, du bist bei uns, jeden Tag, jede Minute und Sekunde.
     Alle: Segne uns, Herr!
So segne uns unser guter Gott, + der Vater und der Sohn
und der Heilige Geist. Amen.

 

Es möge für Sie und die Familie ein freudiges Miteinander beim gemeinsamen Ostermahl sein. Christus ist auferstanden! Er lebt! Und wir leben mit Ihm!