Ferienwoche auf der Flattnitz
Ministranten - Jungschar - Kinder des Pfarrverbandes Völkermarkt Trixnertal

… Da berühren sich Himmel und Erde
Als ich mich in diesem Jahr entschlossen hatte, als Begleitperson auf die Flattnitz mit zu fahren, war ich zunächst alles andere als überzeugt von meinem recht spontanen Vorhaben. Schließlich möchte man glauben, dass es entspannendere Urlaubsoptionen gibt, als sich mit 32 Kindern (die eigenen mit eingeschlossen) auf ein Feriencamp zu begeben. Auch meine Buben Alex und Felix hatten vor der Abfahrt Richtung Hochgebirge schwere Bedenken: „Eine Woche ohne Handy, Internet und Fernsehen? Geht das überhaupt?“, fragte Alex skeptisch. Und Felix jammerte: „Ich möchte im Zimmer aber mein eigenes Bad und meine eigene Dusche haben!“. Schließlich galt noch zu bedenken, ob ein Leben außerhalb der Zivilisation und der Möglichkeit, sich medial die Zeit zu vertreiben, nicht sehr langweilig werden würde. Doch all diese Überlegungen verflüchtigten sich bereits nach der ersten, noch etwas unruhigen Nacht. Die ersten Sonnenstrahlen brachten nämlich die ganze Schönheit der Alm zur Geltung: Klare Alpenluft, ein plätschernder Brunnen mit köstlichem Quellwasser, ein Märchenwald voller Moosteppiche, Nadelgehölz und einem friedlichen Gebirgsbach, ließen jegliche Rest-Unsicherheit im „Almlüfterl“ verwehen.
Was unseren Kindern und Betreuern auf der Flattnitz erwartete, war eine Woche im völligen harmonischen Zusammenklang von Natur und Gemeinschaft. (Kleinere Reibereien, Melancholie-Ausbrüche und unspektakuläre Blutverluste wollen wir an dieser Stelle nicht näher erörtern, da sie die Harmonie immer nur kurz trüben konnten und außerdem notwendig waren, um nicht völlig den Bezug zur Wirklichkeit zu verlieren.)
Die meisten Kinder spielten bereits vor Aufgang der ersten Sonnenstrahlen im Wäldchen der Fürstenhütte und nutzten tagsüber verschiedenste kreative Angebote wie Bändchen- knüpfen, Specksteinschleifen und Lederbasteleien. Am Nachmittag übten sich viele Im Bogen- und Blasrohrschießen oder trainierten ihre Fähigkeiten beim Kartenpoker. Freies Spiel, täglich organisierte Wettspiele und natürlich die Mitarbeit bei verschiedenen „Hüttenarbeiten“ ließen jegliche technische Geräte überflüssig werden. Rituale wie das Morgenlob, die Tischgebete und das abendliche Singen gaben dem Tag einen Rhythmus, der zum Innehalten einlud und deutlich machte: Der Himmel ist näher als man vermutet, nämlich dort, wo sich Menschen, egal ob Jung oder weniger Jung sich in der völligen Einfachheit des Lebens begegnen und miteinander Zeit verbringen. Dabei verblassten bedrohliche Weltereignisse und die Hektik des Alltags und gaben uns am späten Abend freie Sicht auf einen unbeschreiblichen Nachthimmel.
Beim „Sterndalschauen“ war in der klaren dunklen Bergnacht der Himmel tatsächlich zum Greifen nahe und so manch einer spürte: Hier berühren sich Himmel und Erde…
Eva Hermann