Fasteninstallation von Markus Orsini-Rosenberg
WORT : BILD : FASTEN
Formen und Malerei von Markus Orsini-Rosenberg
Die vom 22. Februar bis 3. April 2026 in der Stadthauptpfarre zu sehende Kunstinstallation ist von zwei Schwerpunkten getragen, die zu einer Symbiose verschmelzen.
Ein Schwerpunkt ist die Ausstellung eines großformatigen Original-Landschafts-Ölbildes von Markus Orsini-Rosenberg in der Leinninger Kapelle, das jede Fastenwoche wechselt. Dieses Bild wird parallel dazu auf das im Presbyterium hängende Fastentuch projiziert. Das Fastentuch bildet somit den zweiten Schwerpunkt und den Abschluss der Betrachtung.
„Die aus Pappelsperrholz ausgeschnittenen Formen, mit Schellack grundiert und mit Öl bemalt, die auf Steinfindlingen aus Bächen und Wiesen präsentiert und auf Armierungseisen montiert werden, fußen auf der Tradition von Skulpturen und Bildern von Jean Arp und Kurt Schwitters. Diese wollten in der Nachkriegszeit das Kriegstrauma verarbeiten und einen Neubeginn initiieren“, führt Markus Orsini-Rosenberg aus. Er weist außerdem auf den „Kunst-Aschermittwoch“ hin, den Paul Claudel 1950 ins Leben gerufen hat, um Künstler und Kirche wieder stärker zu verbinden und so eine Neubesinnung auf Frieden und Spiritualität einzuleiten.
Die malerisch mit „Himmels-Baum-Licht“ bemalten, blattartigen Formen sind laut Orsini-Rosenberg eine Allegorie zum Verhältnis von „Wort und Bild“. Das Wort stammt vom indogermanischen Stammwort „uert“ und bedeutet „Winden, Drehen, Herauswirbeln, Entpuppen, Herausspinnen“ aus einem dunklen, unsichtbaren Urgrund sowie das darauffolgende In-Erscheinung-Treten (Storl 1993: 17). Es ist mit „Wurzel“ verwandt und hat auch heilende Kräfte. „Bild“ – welches von „Wunder und Ohmen“ abstammt und durch „Einbildung – Vision“ entsteht: durch pflanzliche Naturerfahrung und Licht. Beide Begriffe bedingen einander: So wie es auf die dunkle Winterszeit dann nach Mariä Lichtmess heller wird und die Pflanzen erwachen, so folgt auch auf die Fastenzeit, die eine Zeit der Reinigung und Einsicht ist, die österliche Auferstehung im Licht.
Genau gleich ist der Mensch durch „Wort und Bild“ mit Gott verbunden; verbunden mit dem Kosmos, den Rhythmen der Natur und so mit Gott.
Der „Natur-Schutz-Engel Barachiel“ aus den Apokryphen, von Raja Schwahn-Reichmann, ist auch ein zentraler Teil der Installation: Es ist ein Flora-Engel aus Gold, der lauter gefährdete Arten – gefährdet durch unseren unmäßigen Lebenswandel – darstellt und der noch in Spaniens Kirchen zu finden ist.
Kunst löst sich von rein narrativen Darstellungen
Für Richard Pirker, Stadthauptpfarrer, ist die Beziehung zwischen Kunst und Kirche eine der ältesten kulturellen Konstanten Europas. Sie reicht von den ersten Höhlenmalereien und der frühchristlichen Wandmalerei über die Bilddominanz bis zu den experimentellen Ausdrucksformen der Moderne und hat sich dabei immer wieder neu definiert. Gerade die zeitgenössische Malerei eröffnet einen besonderen Zugang: Sie löst sich von rein narrativen Darstellungen und sucht nach Formen, in denen Transzendenz als ästhetische Erfahrung erfahrbar wird.
Die Werke von Markus Orsini-Rosenberg und der Engel von Raja Schwahn-Reichmann werden zu Trägern von Bedeutung und öffnen einen Raum, in dem Gotteserkenntnis entstehen kann
Die Werke von Markus Orsini-Rosenberg stehen in diesem Spannungsfeld zwischen Tradition und Gegenwart. Seine Bildsprache ist von einer abstrahierten Symbolik geprägt, von einer ehrlichen Suche nach dem Echten, die sich erst im langsamen Entdecken entbirgt. Sie geht von der Beobachtung der Natur aus und geht und ihrer Darstellung in fließende Formen über und kann dadurch an sakrale Themen anknüpfen, ohne sie zu illustrieren. Dies erst macht der Weg durch die Farbwelten hin zum Engel von Raja Schwahn-Reichmann ansichtig. Farbe und Struktur übernehmen die Funktion des Wortes: Sie werden zu Trägern von Bedeutung und öffnen einen Raum, in dem Gotteserkenntnis als Prozess des Betrachtens entstehen kann.
"Mit großer Freude lade ich Sie ein, diese Ausdrucksformen als Inspiration zu Ihrem eigenen Zugang zu Gott zu entdecken. Diese Kunstinstallation verstehe ich als Einladung, die Verbindung von visueller und spiritueller Erfahrung zu reflektieren, als Dialog über Sinn, Präsenz und die Möglichkeiten des Sichtbaren", so Pfarrer Pirker.