Die Stadthauptpfarre feiert Pfarrer i. R. Dr. Lucijan Ferenčić
90. Geburtstag von Don Luciano
feierlicher Gottesdienst für Kons. Rat Dr. Lucijan Ferenčić
Die Predigt von Propst Dr. Pirker zur Nachlese:
Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, und mitten in unserer Gemeinschaft unser Jubilar zu seinem 90. Geburtstag!
„Eucharistomen – wir sagen Dank!“ So begann Papst Benedikt XVI. auf einem seiner Priesterjubiläen seine Ansprache. Und du, lieber Don Luciano, wirst heute im Singular, aber auch in der Mehrzahl sagen können: Ich danke – wir danken.
90 Jahre des Lebens, die du nunmehr im Herbst deines Lebens hier im Herzen der Stadt vielfach zubringen und feiern kannst – und so wie heute in einer gar nicht so schlecht gefüllten Kirche. Bei uns ist die Mitfeier im Gottesdienst soweit ganz gut.
„Eucharistomen – danke“, das sagen auch wir, die wir heute als Glaubensgemeinschaft versammelt sind. Als Erstes sagen wir Gott Dank, dass Er an dich gedacht und dir in einem guten istrischen Elternhaus jene Geborgenheit bereitet hat, die dich zeitlebens zu einem fröhlichen und dankbaren Menschen erzogen hat.
Wir sagen auch Dank für dein durch und durch katholisches Wesen, wie man so sagen darf, das immer in kirchlichen Kontexten denkt und lebt. Immer wieder erinnerst du mich daran, wenn etwa der Papst gerade in Frankreich ist oder davor in einem anderen Land.
Du gehörst doch zu jenen Katholiken und Priestern, die Cyprian zustimmen werden, der sagt: „Habere non potest Deum patrem, qui ecclesiam non habet matrem.“ Also für alle, die Latein schon längst vergessen haben: Gott nicht zum Vater haben kann, wer die Kirche nicht zur Mutter hat. Bei dir auf jeden Fall.
Ja, und du bist einer, der zuhören kann und der zum Glück auf das gehört hat, was Gott ihm ins kindliche und später erwachsen werdende Ohr geflüstert hat: Komm in meinen Dienst, werde Priester. Das wurde man im Tito-Regime nicht ohne Militärdienst, den du im Süden des damaligen Jugoslawien zwei Jahre lang zubringen musstest – mit all den Verlockungen, vielleicht auch dem weltlichen Ruf, dass man eine gute politische Karriere machen könnte, wenn man nicht Priester wird.
Ja, du warst ein Hörer des Wortes. Du hast auf den Ruf des Herrn gehört und bist ihm gefolgt. Und wir, wir durften Urlaub machen im damaligen Jugoslawien, und jugoslawische Gastarbeiter waren bei uns sehr gefragt – und das nicht nur bei den Priestern.
Du gehörtest und gehörst zu jenen istrischen begabten Priestern, die viele Sprachen in sich aufnahmen und so bis heute in vielen Welten zu Hause sein können. Wir alle haben noch das Wort von Ludwig Wittgenstein im Ohr: „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“
Auch Russisch musstest du in der Schule lernen, mit großem Widerwillen. In Maria Wörth, deiner langjährigsten Pfarre, da brauchtest du für eine russische Opernsängerin deine russische Sprache. Nicht zu glauben, wie Gott einen da führt – Gottes Wege und unser eigener Horizont.
Deine zweite Liebe gilt wohl der italienischen Sprache, neben deiner Muttersprache, hast du doch fünf Jahre in Triest zugebracht. Das Wort von Dante Alighieri, das kennst du wahrscheinlich, dort am Eingang des Infernos: „Lasciate ogni speranza, voi ch’entrate.“ Die berühmte Inschrift: Lasst, die ihr hier eintretet, alle eure Hoffnung fahren. Du hast immer auf die andere Seite verwiesen: Wir sind für den Himmel bestimmt und sollten auch so leben.
Du predigst gerne mitunter bei uns in der Wochentagsmesse, um uns immer neu an die Liebe zu erinnern, mit der Gott uns liebt. Und die ist nicht auf die Weise, die man sonst so irgendwie gerne annimmt. Bei Niccolò Machiavelli kann man ja lesen: „Il fine giustifica i mezzi“ – also: Der Zweck heiligt die Mittel. Manchmal hat man das den Jesuiten zugesprochen, aber das ist ja eigentlich nicht Sinn und Zweck der ganzen Angelegenheit.
Manche Weggabelungen hast du wohl schweren Herzens gehen müssen, auch deine istrische Heimat aufzugeben. Und das war bestimmt keine leichte Entscheidung, die dir erst mit Hilfe von Frau Johanna, deiner Haushälterin, möglich wurde – die dir immer zur Seite stand, als jene Stütze, die ein Priester, der am 1. Jänner 1960 geweiht wurde, auch braucht.
Für dich war das sicher kein leichter Schritt, aus deiner Heimat in das benachbarte Österreich und nach Kärnten auszuwandern. Andere Bräuche, andere Sitten. Keine Weinberge, zumindest damals, dafür Ställe mit 90 und mehr Rindern und viele Bäume, und damals, 1986, eine Menge Schnee in Gnesau. Das hast du auch nicht gekannt. Und erstmals evangelische Christen in ständiger Nachbarschaft.
Ja, mit dem Barockmeister Caravaggio gesprochen: „Non c’è luce senza ombra“ – es gibt kein Licht ohne Schatten. Auf jeden Fall war es dir gegeben, dass du viele Orte auch in Kärnten mit deinem Geist und deiner Gegenwart erfüllen konntest.
Manchmal wird es dir wie dem Landpfarrer von Georges Bernanos gegangen sein, der da fragt: Und das soll meine neue Gemeinde sein – die könnte, wenn überhaupt, nur ein Heiliger zum Leben erwecken? – und am Ende des Romans heißt es: Alles ist Gnade.
Das wünschen wir auch dir, lieber Don Luciano: Bewahre deine Freundlichkeit und Liebenswürdigkeit, deine Kirchlichkeit, mit der du dich selbst anschaust und die Welt bestaunst – und mittendrin Segen empfangen und Segen weitergeben, wie es einer meiner Lehrmeister auch mir mitgab.
Eucharistomen – wir feiern Eucharistie, wir danken mit dir und für dich und wünschen dir für die kommenden Tage den Segen, den du von Gott empfängst. Du mögest ihn weitergeben, weiter empfangen und mittendrin dem Herrn entgegengehen.
Ad multos annos – viel Freude und Segen zu deinem 90. Geburtstag! Amen.
Im Anschluss an die Liturgie lud die Pfarrgemeinde auf dem Kirchplatz zu einer feierlichen Agape ein. Don Luciano eröffnete das Buffet mit dem Anschnitt der Torte, woraufhin die Festgesellschaft mit Prosecco auf sein Wohl anstieß und ihm zu Ehren ein Geburtstagslied anstimmte.