“Hier liegt vor deiner Majestät”
Freitag 18. September 2026: Kirchenkonzert
Am Freitag, dem 18. September fand in der Klosterkirche ein Konzert mit geistlicher Musik statt, das von vielen gerne wahrgenommen wurde.
Orgel: Domorganist Klaus Kuchling, Sopran: Marina Colder und Mezzo: Irina Otto
Das deutsche Hochamt von Michael Haydn entstand in einer Zeit des Umbruchs. Die Zeit der Aufklärung brachte auch in der Kirche und in der Art der Messfeier einige Veränderungen. Die Gläubigen sollten aktiv am Gottesdienst teilnehmen können. Dazu wurde zu allererst die Lateinische durch die jeweilige Volkssprache ersetzt. Das hatte großen Einfluss auf die musikalische Gestaltung der Liturgie: komplexere Lateinische Gesänge wurden durch einfache deutsche Lieder ersetzt, die vom Volk mitgesungen werden konnten. 1782 ordnete Fürsterzbischof Hieronymus Graf Colloredo mit Hirtenbrief an, dass fortan nur deutsche Lieder gesungen werden dürfen, und zwar aus der Kirchenliedsammlung "Der heilige Gesang zum Gottesdienste in der römisch-katholischen Kirche" von Franz Seraph Kohlbrenner. Daher stammt nun auch der Text dieses Deutschen Hochamts. "Hier liegt vor deiner Majestät" - Die Maiestas Domini, also die Herrlichkeit oder Majestät Gottes, spielt auch in der Kunstgeschichte eine Rolle. Gott wird auf den Thron und übergroß aus den Wolken herabblickend dargestellt. Diese Darstellungsweise wurde sowohl auf Christus, als auch auf Maria als Himmelskönigin erweitert. In moderner kirchlicher Kunst wurde das Bild zunächst allerdings eher vernachlässigt. Es stand lange für eine furchterregende, strafende Gottesvorstellung, die im Kontrast stand zu der weicheren, weniger verurteilenden Theologie, in der Jesus als Freund, als Bruder begriffen wird. Der österreichische Fundamentaltheologe Wolfgang Treitler hat sich intensiv mit der Herrlichkeit Gottes auseinandergestzt. Er beschreibt sie als untrennbaren Bezug zum Namen Gottes, der über menschliche Kategorien hinausgeht. Irdische Majestät ist an Territorium, Dynastie und Epoche gebunden, sie endet mit dem Tod des Herrschers oder dem Fall des Reiches.Wenn man sich so manche irdische Majestät ansieht, kann man nur sagen, zum Glück. Gottes Macht, Gottes Majestät ist kosmisch und universal. Jesus stellt den Unterschied explizit her: "Mein Königtum ist nicht von dieser Welt" (Joh 18,36). Dieser Gedanke kann etwa im Hinblick auf ein jenseitiges Leben tröstlich sein. An etwas Höheres zu glauben kann aber auch im Alltag entlastend sein. Papst Johannes XXIII etwa litt angesichts seines großen Amtes unter Schlaflosigkeit. Doch eines Nachts erschien ihm im Traum ein Engel und rief ihm zu: "Giovanni, nimm dich nicht so wichtig!" Und seither konnte er wieder besser schlafen.
Im Alten Testament ist das hebräische Wort kabod der zentrale Begriff für die Herrlichkeit Gottes. Es lässt sich überstzen mit: "Gewicht, Schwere, Ehre oder auch Prunk und überwältigende Gegenwart. Wenn Gott etwa in einer Feuersäule oder einem brennenden Dornbusch erscheint, so ist es diese eternal source of light devine, in der sich seine Majestät offenbart. Und so möchte ich, bevor wir mit dem Musizieren beginnen noch Psalm 104, 1-2 zitieren:
"HERR, mein Gott, du bist sehr groß,
mit Majetät und Pracht bist du bekleidet,
du, der in Licht sich hüllt wie in ein Gewand."
....so Marina Colda