Pfarre

Pörtschach am Ulrichsberg

Wort des Pfarrers

Liebe Pfarrgemeinde!

Franjo Vidovic (© Foto: Maringer)
Franjo Vidovic (© Foto: Maringer)

Ein Weihnachten wie dieses haben wohl die wenigsten von uns erlebt:

Keine Weihnachtsmärkte. Keine Adventfeiern. Keine Weihnachtsfeiern. Keine Krippenspiele. Keine vollgedrängten Gassen unter der Weihnachtsbeleuchtung. Keine Punschstände.
Es wäre einfach, jetzt darauf hinzuweisen, dass das alles aus christlicher Sicht gar nicht Weihnachten ist. Was von all dem hat wirklich damit zu tun, dass der Sohn
Gottes in einem Stall in Bethlehem geboren wurde?
Was ist es, was uns fehlt, wenn all diese Bräuche und Gewohnheiten fehlen?

Was uns wirklich fehlt, ist nicht der billige Punsch, nicht das Gedränge in Geschäften, nicht die Kekse, die sich schon vor Weihnachten um die Taille anlegen. Nicht die Kerzen und Kränze fehlen uns als solche.

Was uns fehlt, ist das Gefühl der Hoffnung, der Erwartung, dass etwas Schönes kommt. Und was und am allermeisten fehlt, ist das Licht in unserer Einsamkeit, die Erfahrung der Gemeinschaft, der Verbindung in etwas,das mehr ist als die Summe aller Lichterketten und Geschenke.

Wir ahnen jetzt, wie sich Weihnachten für all jene anfühlt, die von dem Glanz, dem Lärm, den Feiern, schon bisher ausgeschlossen waren:
Die Einsamen, allein in ihre Wohnungen. Die Kranken in den weißen Krankenzimmern. Die Kinder ohne Familien oder zwischen den Resten ihrer ehemaligen Familie. Die Armen, die sich unser gewohntes Weihnachten nicht leisten können. Die Fremden, die sich noch fremder fühlen, weil sie unsere Weihnachtslieder nicht verstehen. Unser außerordentliches Weihnachten heuer ist das jährliche Weihnachten vieler Menschen. Weihnachten findet auch heuer statt:

Der Sohn Gottes wurde schon unter so vielen widrigen Umständen geboren: In der Fremde, im Krieg, im Hunger. Eine Pandemie, deren Bekämpfung absehbar ist, hält ihn sicher nicht auf. Weihnachten ist die freiwillige Ankunft Gottes in dieser Welt, die ohnehin nie eine heile Welt war, auch wenn uns sonst die vielen Lichter geblendet haben. Gott kommt verlässlich in Zeiten, die unverlässlich geworden sind. Das Kind in der Krippe ist ein sicheres Versprechen, sicherer als alle Corona-Tests. Der in die Welt geborene Gott verspricht uns, bei uns zu bleiben: in der Einsamkeit der Ausgangssperren, in der Ungewissheit der Quarantäne, im Hoffen auf eine Impfung.

Weihnachten geschieht. Das ist seit 2000 Jahren die gute Nachricht. Heuer vielleicht sogar die beste Nachricht des Jahres.

Ihr Pfarrer

Dr. Franjo Vidovic