Unsere Weihnachtsgrippe
Unsere Pfarre besitzt eine rund 150 Jahre alte Weihnachtskrippe, deren Figuren aus Hartwachs bestehen. Ursprünglich wurde deren Kaufpreis mit 180 Gulden beziffert, was heute grob 5.000 Euro entspricht. Der ideelle Wert der Figuren liegt jedoch vermutlich deutlich darüber. Die Namen der Künstler, die die Figuren schufen, sind bis heute unbekannt.
Eine weitere Besonderheit ist, dass die Obermillstätter Krippendarstellung eine durchgehende Geschichte von der Verkündigung und Geburt bis Jesu im Tempel im Altern von 12 Jahren zeigt.
Im Verlauf der letzten 150 Jahre erlebte die Krippe verschiedene Erscheinungsbilder und Standorte in der Kirche; einfache Darstellungen wandelten sich zu alpenländischen Motiven. Vor etwa fünf Jahrzehnten erfuhren die Krippenfiguren eine umfassende Neugestaltung: Die Szene wurde auf einer rund sechs Meter langen Holztafel aufgebaut und um kleine Häuser, eine Berglandschaft, einen Tempel sowie Moos- und Tannenzweige ergänzt.
Die vielen Jahre haben jedoch ihre Spuren hinterlassen. Zahlreiche Figuren waren nicht mehr verwendbar. Vor vier Jahren begann Waltraud Zauchner damit, beschädigte Figuren neu einzukleiden und reparierbare Figuren neu zu gestalten. Unterstützt wurde sie dabei von Sepp Oberzaucher, Holzschnitzer und ehemaliger Direktor der Volksschule Obermillstatt, der Füße und Körperteile reparierte. Gemeinsam schafften sie es, dass 92 Figuren jetzt wieder in vielfältigen, kunstvollen Gewändern erstrahlen.
Mit der neu eingekleideten Figuren entstand die Idee, einzelne Krippenbilder mit biblischen Sprechtexten - gesprochen auch von Sepp Oberzaucher - zu versehen, um den Besuchern diese Erzählungen näherzubringen. Mithilfe moderner Technik können nun Kinder und Erwachsene sieben Bibelstellen hören, während sie die Szenerien betrachteten. Ein weiterer Schritt.
Seit Februar 2025 haben sich drei Obermillstätter daran gemacht, Bauteile und Häuser neu zu gestalten. Franz Nussbaumer, sein Bruder Gottlieb und Helmut Auer, alle drei haben ihre Krippenbaukenntnisse in Villach erworben, arbeiteten zunächst an Alpenhäusern. Bald schlossen sich die Krippenbaumeister Charly Hofer und Hermann Bidner an. Alfred Auer, Waltraud Auer und Andrea Nussbaumer wurden in weiterer Folge Teil des Teams. In neun Monaten und rund 2.000 Arbeitsstunden entstand eine komplett neu gestaltete Krippe.
Die Beteiligten arbeiteten ohne Abgeltung oder Rückfragen nach Vergütung, denn sie hatten ein klares Ziel: eine der größten und schönsten Krippen Kärntens zu schaffen. Die Botschaft der Gemeinschaft verbreitete sich im Dorf und eine unscheinbare Garage wurde so zum Ziel eines Pilgerpfads.
Ein realistisch anmutendes Panoramabild des Plateaus von Werner Sabernig aus Wernberg sowie der Rahmen des sieben Meter langen Hintergrundbildes von Karl Tuppinger vervollständigten schließlich das Werk.
Barbara Hofer, vulgo Ranner, trug im Rahmen der Einweihungsmesse ein heiteres Gedicht vor, in dem sie persönliche Eindrücke von der Entstehung der Krippe teilte – eine Momentaufnahme der kollektiven Anstrengung und der gemeinsamen Freude. Nachhören können sie das das Gedicht im nachfolgenden Video.
Besonders hervorzuheben ist die außergewöhnliche Zusammenarbeit von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Berufe und Fähigkeiten. Ohne Aufforderung und ohne Anspruch haben sie gemeinsam Großes geschaffen – mehr als das Kunstwerk selbst: eine tiefe Freundschaft und ein Vorbild für Gemeinschaft, Verantwortung und kulturelle Identität. In diesem Sinne gilt der Dank allen Mitwirkenden. Vergelts Gott.