Organisation

Weltlicher Dritter Franziskanerorden

Der neue Franziskusbote September 2026 ist da!

"Der Herr hat mir Brüder gegeben"

Bildunterschrift (Bildrechte sind zwingend anzugeben!)
Cover Franziskusbote September 2026
Christine Walder

Liebe Geschwister, liebe Freunde des hl. Franziskus!

Wir gehen gemeinsam dem Herbst entgegen, der für uns Mitglieder im OFS von großer Freude geprägt ist. Wir begehen schon das ganze Jahr im Geiste des großen Jubiläums „800 Jahre Transitus des hl. Franziskus“, das im kommenden Oktober im Franziskusfest gipfeln wird.

Diese feierliche Stimmung, die uns alle in der Weltkirche trägt, öffnet auch unser Herz, immer wieder die schlichten, tiefgründigen Sätze unseres hl. Ordensvaters Franziskus zu meditieren, die allen franziskanischen Orden zugrunde liegen.

Brüderlichkeit

Einer dieser ebenso großen wie schlichten Sätze lautet: „Der Herr hat mir Brüder gegeben!“ Die tiefe Wahrheit dieses Satzes möchte uns durch diesen „Franziskusboten“ hindurchgeleiten und uns wieder einmal in der Geschwisterlichkeit, die für die franziskanischen Orden prägend ist, vertiefen.

Die Brüder, die sich dem hl. Franziskus in der ersten Gemeinschaft der Minderbrüder zugesellt hatten, waren keine Zufallsbekanntschaften, niemand, der einfach so „hereingeschneit“ kam. Für Franziskus war es augenscheinlich, dass der Herr ihm diese Brüder „gegeben“, gesandt hatte.

Da ging es nicht darum, sich geeignete Kandidaten „auszusuchen“, auch wenn es später hin und wieder nötig war, dass der hl. Franziskus sich von nicht berufenen Brüdern trennte, als die Zahl unüberschaubar geworden war.

Aber die Brüder waren ihm immer kostbare „Gabe“ und somit segensreiches Geschenk. Sich dieser Tatsache zu erinnern, ist auch für uns immer heilsam und förderlich.

Die lokale Gemeinschaft

Die nächsten und intensivsten Kontakte als Geschwister im OFS pflegen wir in der örtlichen Gemeinschaft, der wir angehören. Dies bedingt allein schon die Aufnahme, der Verlauf des Noviziats und schließlich der Eintritt in den Dritten Orden/OFS mit Ablegung der Ewigen Profess, die uns zu vollen Mitgliedern des OFS macht. In dieser Zeit wachsen wir mit unseren Brüder und Schwestern der örtlichen Gemeinschaft zusammen und das vertieft sich in den folgenden Jahren noch. Auch unsere Freunde des hl. Franziskus, die uns regelmäßig besuchen, erleben dieses Zusammenwachsen. Das monatliche Ordenskapitel, die Bildungsveranstaltungen, Feste und Exerzitien verstärken dieses innere Band der geistlichen Geschwisterlichkeit immer mehr.

Wir selbst sollen uns bemühen, dazu von Herzen beizutragen.

Die Konstitutionen des OFS verweisen immer wieder darauf, dass die Geschwister die gegenseitige Verständigung fördern, einander zum Guten ermutigen und das Ja zur Freude am Leben ausstrahlen sollen (Art.26). Auch geht es darum in Geschwisterlichkeit ein Klima des Glaubens und der Hoffnung zu schaffen. (Art.27).

Der OFS als Weg

Die örtliche OFS-Gemeinschaft ist nicht einfach eine Gruppe von Menschen, die den hl. Franziskus verehren. Sie ist ein besonderer Weg, Brüder und Schwestern zu werden.

Sie ist nicht einfach eine Gebetsgruppe. Oder eine Bibelrunde. Sie ist nicht eine Gruppe, die sich einmal im Monat zur hl. Messe trifft, danach Kaffee trinkt und dann wieder nach Hause geht. All diese Dinge können in der örtlichen OFS-Gemeinschaft passieren, aber sie machen ihr Wesen nicht aus. Die örtliche Gemeinschaft ist die Basiseinheit des OFS / des Dritten Ordens und ein sichtbares Zeichen der Kirche als einem besonderen Ort, an dem die franziskanische Berufung wächst, wo die Mitglieder lernen, das Evangelium gemeinsam zu leben, und wo ihr apostolisches Leben und ihr Ordensleben gestärkt wird.
Gemeinschaft bedeutet, dass ich nicht einfach nur zu einer Gruppe gehöre. Ich gehöre zu Menschen. Menschen, die mich herausfordern. Menschen, die für mich beten. Menschen, die ich manchmal nicht verstehe. Menschen, die mich manchmal enttäuschen. Menschen, die nicht immer so denken wie ich.

Geschwisterlichkeit leben

Es ist einfach, die franziskanische Spiritualität zu lieben. Viel schwieriger ist es, unsere franziskanischen Brüder und Schwestern zu lieben.

Der hl. Franziskus hat keine Spiritualität des bequemen Rückzugs geschaffen. Seine Berufung war es, das Evangelium in geschwisterlicher Gemeinschaft zu leben. Wie sieht also echte Geschwisterlichkeit im OFS aus?

1. Zeig dich — nicht nur körperlich, sondern persönlich. Nimm nicht einfach nur an Treffen teil. Bring dein wahres Ich mit. Hör zu. Mach mit. Übernimm Verantwortung. Geschwisterlichkeit erfordert Präsenz, Gebet und aktive Mitarbeit ihrer Mitglieder.

2. Hör auf zu fragen 'Was bekomme ich? Fang an zu fragen: 'Was kann ich geben? Eine Gemeinschaft wird lebendig, wenn Verantwortung geteilt wird, nicht, wenn alles dem Vorstand, dem Vorsteher oder ein paar begeisterten Leuten überlassen wird.

3. Lerne, Menschen zu lieben, die anders sind als du. Wenn jeder dir zustimmen muss, bevor du ihn Bruder oder Schwester nennen kannst, ist das keine Geschwisterlichkeit. Franziskanische Geschwisterlichkeit ist eine Schule der Geduld, des Vergebens, des Dialogs und der Demut.

4. Verschwinde nicht zwischen den Treffen. Ruf jemanden an. Besuche jemanden. Bete für jemanden. Kümmere dich um eine Person, die sich zurückgezogen hat.

Baue Beziehungen auf, die über das monatliche Treffen hinausgehen. Gemeinschaft erfordert gezielte Anstrengung. Geschwisterlichkeit ist ein gnadenreiches Geschenk UND ein regelmäßiges Tun.

Geschwisterlichkeit erbitten

Geschwisterlichkeit ist kein Ort, an dem ich beweise, dass ich Recht habe.

Es ist ein Ort, an dem Christus mich lehrt, wie ich fähiger werde, andere zu lieben.

Und vielleicht ist dies die tiefste franziskanische Herausforderung: Du wählst deine Brüder und Schwestern nicht selbst aus, weil sie perfekt sind. Du lernst, sie zu lieben, weil Christus sie an deine Seite gestellt hat.

„Der Herr hat mir Brüder gegeben.“ So hat es uns der hl. Franziskus gesagt. Unsere Geschwister sind eine Gabe Gottes. In ihrer Besonderheit und Unverwechselbarkeit, manchmal auch in ihrer Sperrigkeit und in ihrem Anderssein. So wie jeder von uns sein besonderes Anderssein hat und ausstrahlt.

Und vielleicht ist das echte franziskanische Gebet auch manchmal ganz einfach:

Herr, lehre mich nicht nur, Franziskaner zu sein, lehre mich, wie ich ein Bruder sein kann. Lehre mich, wie ich eine Schwester sein kann. Lehre mich, wie ich dazugehören kann. Amen.“ (OFS Australia)

Das wünsche ich euch allen!

In Dankbarkeit für meine Geschwister, die der Herr mir gegeben hat,

eure Sr. Klara / Christine Walder