Organisation

Weltlicher Dritter Franziskanerorden

Der neue Franziskusbote Oktober 2026 ist da!

Hindurchgehen zum Ewigen

Bildunterschrift (Bildrechte sind zwingend anzugeben!)
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Liebe Geschwister, liebe Freunde des hl. Franziskus!

Wir dürfen in diesem Monat in großer Feierlichkeit und Freude den Transitus und das Hochfest des hl. Franziskus begehen, im Zeichen des 800-Jahr-Jubiläums. So sind wir alle in einer besonderen Hochstimmung als Geschwister der Franziskanischen Familie und getragen von unserer dadurch gestärkten Verbundenheit.

Einige von uns haben am vorletzten Wochenende in Salzburg mit anderen Geschwistern und unseren geistlichen Assistenten ein Gemeinschaftswochenende des OFS Österreich verbringen dürfen und dabei auch die wunderbare Ausstellung „Lebenskunst. 800 Jahre Franz von Assisi“ im Domquartier besucht. Diese Ausstellung zu sehen – wenn es euch irgend möglich ist - möchte ich euch allen nur ans Herz legen. Sie ist eine große Kostbarkeit mit einmaligen Exponaten aus der franziskanischen Ordensgeschichte, die man sonst kaum zu Gesicht bekommt. Sie ist noch bis 2. November 2026 geöffnet. Wir hatten auch die Freude einer wunderbaren Führung mit P. Florian Mair OFM, der uns das Leben unseres Ordensvaters und die Geschichte des Ordens lebendig werden ließ.

Hinübergehen

Der Transitus des hl. Franziskus am Abend des 3. Oktober wird von uns allen in den Franziskanerkirchen in Feierlichkeit und Stille begangen. Der Tod des hl. Franziskus ist kein Ende, er ist ein Durchgang und Hinübergang. Er geht hinüber vom Zeitlichen zum Ewigen, zur direkten Schau Gottes, wie Erzbischof Dr. Franz Lackner OFM in seinem Geleitwort zum Ausstellungskatalog ausführt. Unser franziskanischer Erzbischof stellt hier auch den Begriff des „Transitus“ in seiner musikalischen Bedeutung dar. In der Musik heißt Transitus soviel wie „Durchgangsdissonanz“ (Missklang, aufgelöste Harmonie), ein Übergang zwischen zwei Konsonanzen. Das heißt, es wird nach dem Transitus wieder ein Wohlklang hergestellt.

„Mit diesem musikalischen Bild sehen wir den Tod als etwas Vorübergehendes, keinen bleibenden Zustand. Die Harmonie verlangt nach Auflösung, das Leben strebt wiederum zum Leben. So ist auch das Sterben des Franziskus ein Umbruch, der zwar im Fehlklang die Trauer und den Schmerz über den Verlust vernehmen lässt, aber in eine neue, erfülltere Symphonie hinüberweist.“ (Lackner, Katalog, S.7)

Und so erspüren wir im Transitus auch in zutiefst menschlicher Weise die Trauergefühle, die in heftiger Weise die Brüder erfassten, die den Hinübergang des hl. Franziskus begleiteten und in intensivster Weise miterlebten.

Keiner von ihnen blieb dadurch unbeeinflusst oder gar unberührt. Sie alle schritten mit ihm durch etwas Wesentliches, Lebensveränderndes hindurch und wurden so in sich selbst und in ihrer Gemeinschaft erneuert und auch neu in Brüderlichkeit zusammengefügt.

Franziskanische Lebenskunst

Wer über den Titel der Ausstellung erstaunt ist, möge nun aufhorchen. Lebenskunst? 800 Jahre Franz von Assisi?

Der arme Minderbruder, der auf allen elterlichen Reichtum verzichtet hat, auf die vorteilhaften sozialen Beziehungen, die Freundschaften, Festlichkeiten, auf die Ehe in der oberen Gesellschaftsschicht in Assisi…, der soll ein Lebenskünstler sein und der Begründer von Ordensfamilien, deren Basis die „Lebenskunst“ ist?

Allein das Wort spießt sich schon mit allen heutigen, weltlichen Vorstellungen, die wir von Lebenskunst haben.

Wenn man allerdings genauer hinschaut, mitfühlt und mitdenkt und vor allem, wenn man – wie wir alle – dem franziskanischen Ordensgeiste verbunden ist und täglich versucht, ihn zu leben, dann bekommt das Wort einen anderen Klang und ein ganz bestimmtes faszinierendes Leuchten, dem wir uns nicht mehr entziehen können.

Der hl. Franziskus war in einem besonderen Sinne auch Lebenskünstler, weil er „Freude und Leid des Lebens anzunehmen und zu meistern verstand. Angetrieben von einer radikalen Armut wird er zum unermüdlichen Pilger.“ So erklärt es der Provinzial der Franziskaner, P. Fritz Wenigwieser OFM, in seinem Grußwort. Seine Liebe zu Christus schenkt Franziskus unerschütterliches Gottvertrauen und in „seiner Liebe zu allen Geschöpfen erkennt er die unergründlichen Geheimnisse göttlicher Schaffenskraft.“ (Wenigwieser, Katalog, S.9).

Leben nach dem Evangelium

Und der „Lebenskünstler“ Franziskus, der seine Kunst der Liebe zu Gott verdankt, gibt an seine Geschwister, die ihm in den kommenden Jahrhunderten nachfolgen und zu denen auch wir gehören dürfen, weiter, was zu tun ist. In seiner Ordensregel, aus der alle weiteren schöpfen, erfahren wir, wie diese franziskanische Lebenskunst genauer beschaffen ist. Alles wird darin sichtbar und geht weit über die Ordensgeschichte hinaus.

Zahllose franziskanische Menschen hat Franziskus gelehrt, nach dem Evangelium zu leben und so dieses in eine „Kunst des Lebens“ zu übersetzen, die P. Fritz Wenigwieser in den vier Worten „schlicht, geschwisterlich, barmherzig und zugleich missionarisch“ zusammenfasst.

Ab dem 13. Jahrhundert entsteht daraus eine weltweite franziskanische Kultur, das Charisma erweitert sich und bliebt doch immer gezeichnet vom Mindersein als Frohsinn, von Armut als Freiheit und Geschwisterlichkeit, die alle unsere Beziehungen prägen soll. (S.9)

Nachfolge

Ob nun Franziskaner, Minoriten, Kapuziner im Ersten Orden, Klarissen als Zweiter Orden, Regulierte Gemeinschaften im Dritten Orden, der Ordo Franciscanus Saecularis (Dritter Orden), dem wir angehören dürfen, oder neue Gemeinschaften im franziskanischen Geiste, die gerade entstehen: Wir alle dürfen diese Lebenskunst im Lichte des Eva

ngeliums pflegen, die uns unser Ordensvater Franziskus vorgelebt hat. Egal, an welchen Orten der Welt, in Kirchen, Klöstern, Schulen, Krankenhäusern, sozialen Einrichtungen, auf den Straßen der Welt, in den Familien, in den franziskanischen Gruppen, und in allen Beziehungen, in denen wir den franziskanischen Geist leben dürfen: überall darf diese Kunst des Lebens aus dem Evangelium Platz finden und ausstrahlen und Menschen zum hl. Franziskus und zu Christus hinziehen.

Und so dürfen wir alle ganz persönlich auf die letzten Worte unseres Ordensvaters Franziskus antworten, die er in der Nacht auf den 4. Oktober 1226 zu seinen Mitbrüdern gesagt hat: „Was an mir lag, habe ich getan; was an euch ist, möge Christus euch lehren.“ (LM XIV)

Und unsere Antwort auf diese letzten Worte des hl. Franziskus möge unser ganzes Leben sein!

Ein segensreiches Hochfest unseres Ordensvaters in diesem Jubiläumsjahr 2026

wünscht euch

eure Sr.Klara / Christine Walder

Pace e bene!