Der neue Franziskusbote Mai 2026 ist da!
Die mütterliche Macht Mariens
Christine Walder
Liebe Geschwister, liebe Freunde des hl. Franziskus!
Im lieben, unsere Herzen öffnenden Monat Mai angekommen, dürfen wir besonders tief aus dem geistlichen Brunnen unserer Mutter Kirche schöpfen, wenn es um die Beziehung zur Gottesmutter geht.
Unsere Kirchenlehrer durch die Jahrhunderte können nicht genug der Worte finden, um uns zu zeigen, wie viel wir Maria verdanken, wie sehr wir ihr verbunden sind, und die Vorteile zu schildern, die uns aus der Andacht zu Maria zufließen.
Worte der Kirchenlehrer
Die heiligen Lehrer nennen Maria „die goldene Brücke“, auf welcher Christus zu uns kam, die Schatzmeisterin, die Vermittlerin, die Spenderin der Gnaden.
Der hl. Bernhard von Clairvaux sagt: „Die ganze Fülle alles Guten hat Gott in Maria hinterlegt.“ Des weiteren: „Gott will, dass wir alles Gute durch Maria erlangen.“ Der hl. Alfons von Liguori meint sehr kühn, dass Maria allmächtig sei wie Gott selbst. Der Unterschied bestünde darin, dass Gott allmächtig sei durch sein Wesen und seinen Willen, Maria jedoch durch ihr Gebet.
Der hl. Augustinus prägt für Maria den Ausdruck die „Supplex Omnipotentia“, die bittende Allmacht, die Allmacht auf den Knien.
Das ist eine ganz wunderbare Formulierung, bringt sie doch den wesentlichen Unterschied zwischen Gott und der Gnadenmutter auf den Punkt.
Die Macht der Fürbitte
Wir können das leicht anschaulich machen: schon wenn wir Menschen um etwas bitten, gelingt das umso leichter, je angenehmer und geschätzter der Bittende, der Fürbitte einlegt, ist. Auf Maria angewendet: Wie angenehm, herrlich, schön und gottgefällig ist nun Maria in den Augen Gottes. Wer stand Gott näher, welches Geschöpf ist je eine innigere Verbindung mit ihm eingegangen? Mutter Gottes? Wer ergründet die Tiefe dieses Wortes? Die Würde Mariens ist so erhaben, dass sie in einem gewissen Sinne unendlich genannt werden kann. Sie hat mit dem Ewigen Vater ein und denselben Sohn, „er war ihnen untertan“. Maria hat seine menschliche Natur, sein Dasein vermittelt. Sie hat uns Jesus gebracht, ihm mütterliche Dienste geleistet, ihn genährt und gepflegt.
Maria ist auch das erhabenste Kunstwerk, das der hl. Geist unter den Geschöpfen hervorgebracht hat. Sie ist der Tempel, den der Hl. Geist dem Gottessohn und der Hl. Dreifaltigkeit erbaut hat. Sie ist das Werkzeug des Hl. Geistes, seine Braut, sein wunderbares Gefäß, das alle Engel und Heiligen an Tugend und Reinheit überragt. (vgl. Hausbuch für die Mitglieder des Dritten Ordens des Hl. Vaters Franziskus, 1887, S. 485f.)
Mariens Mitwirkung
Und gerade weil Maria zu Gott in so einem einzigartigen, nahen Verhältnis der Gnade, Auszeichnung, Ehre, Liebe und Heiligkeit steht, vermag ihre Fürbitte besonders viel.
Marias Fürbitte ist auch deshalb so wirkmächtig, weil sie zu unserer Erlösung soviel beigetragen hat. Sie hat dem Erzengel ihr „Ja“ zur Menschwerdung Jesu gesprochen, hat alles auf sich genommen bis zum Tod ihres Sohnes am Kreuze. Deshalb ist sie berufen, „mitzuwirken, das Werk der vollbrachten Erlösung an uns armen Sündern zu vollenden, uns die Verdienste des kostbaren Blutes ihres Sohnes zuzuwenden und die Schätze der göttlichen Barmherzigkeit auszuteilen.“ (vgl. S. 849).
Marienverehrung franziskanisch
Es gehört zu den Hauptkennzeichen des katholischen Lebens, mit den wunderbaren Vorzügen der Gottesmutter vertraut zu sein, sie innig zu lieben und andächtig zu verehren. Dies gilt besonders für uns im OFS (Dritter Orden), die wir die Gottesmutter zur Ordenspatronin haben.
Darin können uns besonders die zahlreichen Heiligen und Seligen des Dritten Ordens durch 800 Jahre Vorbilder sein.
So wissen wir von unserem Ordenspatron, dem hl. König Ludwig von Frankreich (13. Jh.), dass er der Gottesmutter in besonderer Liebe verbunden war. Er trug stets, um sich an Maria zu erinnern, eine geweihte Muttergottes-Medaille auf der Brust. Wenn er allein in der Kirche war, mit Regierungs- oder Familienangelegenheiten beschäftigt, so zog er hin und wieder diese Medaille hervor, küsste sie und sprach einen kurzen Gruß an Maria. Während des Kreuzzuges, an dem der hl. König teilnahm, geriet er in große Bedrängnis und auch in Gefangenschaft. Nie verließ der Name Mariens in diesen schwierigen Tagen sein Herz und seine Lippen. Und die Gottesmutter hat ihn nie verlassen, ihm immer geholfen, im Leben und im Tode.
Christoph Columbus, der berühmte Entdecker und ebenfalls Mitglied des Dritten Ordens, widmete auch seine große Reise 1492, die zur Entdeckung Amerikas führte, der Gottesmutter. Mit seiner Mannschaft warf er sich vor Fahrtbeginn vor einem Marienbildnis in der Kirche von Arabida / Spanien nieder und betete zu ihr. Auch sein Hauptschiff trug den Namen Maria. Der große Marienverehrer Columbus verstarb im Terziarenhabit.
Der hl. Pfarrer von Ars, Jean Marie Vianney, unser Bruder im Dritten Orden des Hl. Franziskus, war ebenfalls ein großer Marienverehrer. Zudem war er ein großer Beter, besonders des Rosenkranzes. Es wird von ihm mehrfach berichtet, dass er durch dieses Gebet wunderbare Gnaden erlangte. Ihm wurde immer wieder in Notsituationen, besonders auch wenn er finanziellen Mangel litt in seinem Waisenhaus, überraschende Hilfe zuteil. Er ging dann hinaus in die Natur, auf das freie Feld und betete den Rosenkranz. Mehrmals erhielt er augenblickliche Hilfe. Es traten Unbekannte, die er weder davor noch danach wieder sah, an ihn heran, gaben ihm das Benötigte und verschwanden.
So dürfen wir - wie unsere Geschwister aus der Geschichte des Dritten Ordens und alle Gläubigen - immer vertrauensvoll mit allen Sorgen und Nöten zur Gottesmutter Maria gehen.
Und so beten wir mit unserem Ordensvater Franziskus:
Heilige Jungfrau Maria,
unter den Frauen der Welt ist keine dir ähnlich geboren,
Tochter und Magd des erhabensten, höchsten Königs,
des himmlischen Vaters,
Mutter unseres heiligsten Herrn Jesus Christus,
Braut des Heiligen Geistes:
Bitte für uns
mit dem heiligen Erzengel Michael
und allen Mächten der Himmel und allen Heiligen
bei deinem heiligsten, geliebten Sohn, Herrn und Meister.
Ehre sei dem Vater … Wie es war im Anfang …
In diesem Sinne einen reich gesegneten Marienmonat Mai wünscht euch eure
Sr. Klara / Christine Walder
Pax et Bonum!