Der neue Franziskusbote Juni 2026 ist da!
Die Demut des hl. Franziskus
Christine Walder
Die Demut des hl. Franziskus
Liebe Geschwister, liebe Freunde des hl. Franziskus!
Angekommen sind wir mit freudigem Herzen im leuchtenden Monat Juni. Der Herz-Jesu-Monat ist uns besonders wichtig und wertvoll, lädt er uns doch ein,
uns mit den wundersamen Eigenschaften des Herzens Jesu zu beschäftigen und uns von diesen reich beschenken zu lassen. Das Herz Jesu ist überreich an Liebe, Barmherzigkeit und Demut. Wir Menschen mit unseren Schwächen und unserem Bedürfnis nach seinem Erbarmen können die Tiefe des Herzens Jesu nie ausschöpfen, es ist von unendlicher Tiefe, an Gnadenreichtum übervoll.
Das demütige Herz
Wie wir vom hl. Franziskus und aus unseren franziskanischen Quellenschriften wissen, war gerade die Demut eine franziskanische Eigenschaft, die unserem Ordensvater Franziskus besonders am Herzen lag. Immer wieder lesen wir davon, auch in allen Erzählungen, die sich um sein Leben ranken, dass es die Demut war, an der er intensiv innerlich arbeitete und auf die er auch seine Brüder immer wieder hinwies.
Dies ist kein Zufall, keine eigenwillige persönliche Ausrichtung unseres Ordensvaters. Die Demut ist wohl am schwersten zu erringen und es braucht unser ganzes Leben dafür. Die franziskanische Bescheidenheit ist ohne Demut nicht zu denken, auch die Liebe nicht.
Es geht keines ohne das andere. Und die Ausprägung der Demut verlangt alles von uns. Der hl. Franziskus ist uns hier ein unerreichbares Vorbild, so wie er dem Vorbild des demütigen Herzens Jesu nachstrebte. Und wir allen beiden.
Dazu nun einige Gedanken, die Demut des hl. Franziskus betreffend. Für die tiefgründigen und aktuellen Anregungen dazu danke ich dem OFS Australien Süd, der sich besonders mit dem Thema beschäftigt hat.
Der hl. Franziskus und die Demut
Bevor er ein Heiliger wurde, wünschte sich der heilige Franziskus, was sich die meisten Menschen wünschen: überall willkommen zu sein, bewundert zu werden und dazuzugehören. Einen Raum zu betreten und sich erwünscht und gesehen zu fühlen.
Doch je näher der heilige Franziskus Gott kam, desto mehr erkannte er, dass das verzweifelte Bedürfnis nach Anerkennung unbemerkt zu einer Form der Knechtschaft werden kann.
Denn sobald die eigene Identität, der eigene Wert von Anerkennung durch andere abhängt, verrät man wichtige Anteile seiner Seele, nur um Zurückweisung und Ablehnung zu vermeiden.
Man schweigt, wenn der Preis der Wahrheit zu hoch ist und man zurückgewiesen würde, wenn man sie ausspricht.
Man spielt eine Rolle vor anderen, anstatt offen und ehrlich zu leben.
Man verformt sich immer mehr und passt sich langsam dem an, was anderen gefällt.
Der heilige Franziskus hörte damit radikal auf.
Demut und Verzicht
Der hl. Franziskus lebte in Armut, nicht nur an irdischen Besitztümern, sondern auch was seine egoistischen Wünsche betraf. Er verzichtete darauf. Er hörte auf, die Anerkennung der Welt zu suchen. Er hörte auf, seine Seele zu verkaufen, nur um dazuzugehören.
Und genau deshalb strahlte er hell wie die Sonne und sein Strahlen wirkte in und auf die Welt.
Nicht weil ihn alle akzeptierten. Im Gegenteil. Viele verspotteten ihn. Einige verließen ihn. Andere wiederum hielten ihn für töricht und weltfremd.
Doch es liegt eine eigene Schönheit in einem Menschen, der nicht mehr ständige Bestätigung braucht, um seinen inneren Frieden zu bewahren.
Eine solche Seele wird unangreifbar.
Die heiligsten Menschen werden von der Welt oft missverstanden, weil sie nicht länger auf Anerkennung aus sind.
Sie gehören einer anderen, tieferen Welt an, wie wir wissen.
Ablehnung aushalten
Das Unerträgliche ist nicht die Ablehnung an sich. Das Unerträgliche und Tragische ist, sich selbst zu verlieren, indem man versucht, der Ablehnung zu entgehen.
Eine reife Seele kann es ertragen, nicht gemocht zu werden.
Eine gefestigte Seele kann es aushalten, auch allein zu bestehen.
Doch eine nach Anerkennung hungrige, bedürftige Seele tauscht die Wahrheit immer wieder gegen Beifall der Welt ein.
Bin ich wahrhaftig? Bin ich demütig?
Der heilige Franziskus lehrt uns: Wenn dein Wesen (das, was dich ausmacht) in Gott ruht, hat Ablehnung der Mitmenschen keine Macht mehr über dich.
Dann hörst du auf zu fragen: „Akzeptieren mich die anderen?“
Sondern du beginnst endlich zu fragen: „Bin ich wahrhaftig?“
Bleibe auf dem Weg der Demut:
Ø Hör auf, dich und dein Handeln ständig zu erklären.
Ø Verstell dich nicht, um dazu zu gehören.
Ø Verbringe weniger Zeit damit, auf andere einen guten Eindruck machen zu wollen.
Was du vor Gott bist
Genauso sagt es auch unser Ordensvater Franziskus:
„Du bist, was du vor Gott bist, und nicht mehr!“
Das Bedürfnis nach Anerkennung treibt Menschen in der Welt zu Höchstleistungen an.
Aber Gottes Liebe lässt Menschen erst zu dem werden, was sie wirklich sind.
Und so beten wir immer wieder den Satz aus der Litanei der Demut:
„Jesus, sanft und demütig von Herzen, erhöre mich. Von dem Wunsch anerkannt/geschätzt zu werden, befreie mich, oh Jesus.“
Litanei der Demut (Auszug)
Nach jedem Satz betet man: Befreie mich, o Jesus.
– Von meinem eigenen Willen
– Vom Wunsch, geachtet zu werden
– Vom Wunsch, geschätzt zu werden
– Vom Wunsch, geliebt zu werden
– Vom Wunsch, erhoben zu werden
– Vom Wunsch, geehrt zu werden
– Vom Wunsch, gelobt zu werden
– Vom Wunsch, bevorzugt zu werden
– Vom Wunsch, um Rat gefragt zu werden
– Vom Wunsch, Zustimmung zu finden
– Vom Wunsch, verstanden zu werden
– Vom Wunsch, aufgesucht zu werden
– Von der Furcht, erniedrigt zu werden
– Von der Furcht, verachtet zu werden
– Von der Furcht, getadelt zu werden
– Von der Furcht, verleumdet zu werden
– Von der Furcht, vergessen zu werden
– Von der Furcht, ausgelacht zu werden
– Von der Furcht, verdächtigt zu werden
– Von der Furcht, Unrecht zu erfahren
– Von der Furcht, allein gelassen zu werden
– Von der Furcht, abgewiesen zu werden
Euch allen einen schönen, gesegneten, nachdenklichen Herz-Jesu-Monat Juni
wünscht euch eure
Sr. Klara /Christine Walder
Pace e bene!