Der neue Franziskusbote Februar 2026 ist da!
In die Fastenzeit eintreten
Christine Walder
Liebe Geschwister, liebe Freunde des hl. Franziskus!
Wir sind freudig in dieses „Besondere Jahr des Hl. Franziskus“ hineingegangen, in dem wir zum Jubiläum der 800 Jahre des Transitus unseres Ordensvaters mit vielen Gnaden beschenkt werden. Der segensreiche Ablass, den wir gewinnen können, wenn wir die vorgeschriebenen Gebete verrichten sowie in Franziskanerkirchen und an franziskanischen Wallfahrtsorten beichten und kommunizieren, erfüllt uns alle mit großer Herzensfreude.
Das Jahr hat eben erst begonnen und viele von uns sind daran gewöhnt, uns zu diesem Zeitpunkt Vorsätze zurecht zu legen und an uns zu arbeiten.
Franziskus-Nachfolge 2026
In einem Text des OFS Australien fand ich einige Anregungen für uns Geschwister zum Jahresbeginn. Hier eine kleine Kostprobe daraus!
„Wie willst du dem Hl. Franziskus im Jahr 2026 nachfolgen? Bete. Vereinfache. Wiederhole.“
Als Franziskaner machen wir uns keine großen Neujahrsvorsätze, sondern beginnen das Jahr in Einfachheit. Es geht es uns nicht um Selbstoptimierung, sondern um die Umkehr des Herzens, um die Hinwendung zum Evangelium, indem wir den Frieden vor den Stolz stellen und mit freudiger Selbstbeschränkung in einer ruhelosen Welt leben. Was wir uns vornehmen, wurzelt im Gebet, in der Demut und in der Liebe zur Schöpfung und zueinander. Wir lassen es zu, dass Gott unser Leben darauf ausrichtet, was wirklich wichtig ist.
Diese Vorsätze helfen uns, in diesem Jahr leichter, freier, freudiger voranzuschreiten und auch gläubiger, im Vertrauen darauf, dass unsere kleinen, täglichen Entscheidungen ein stilles Zeugnis für unser Leben nach dem Evangelium sind.
Geschwisterlichkeit leben heißt: Regelmäßig unsere Ordenskapitel und Veranstaltungen besuchen. Uns gegenseitig ermutigen und verbessern. Verlässlichkeit leben. Gemeinsam beten und unseren missionarischen Auftrag erfüllen. Zuhören, ohne zu unterbrechen. Uns ehrlich entschuldigen, wenn wir etwas falsch gemacht haben. Versöhnung fördern, wo immer es uns möglich und angemessen ist. (...)
Fortsetzung folgt!
Vorbereitung auf die Fastenzeit
Wir befinden uns noch in den Wochen vor der Fastenzeit, wo in unserem Land und unserer Gesellschaft der Fasching stattfindet. Für uns franziskanische Geschwister ist das eine Zeit der Überlegung. Wir können nicht an Dingen teilnehmen, die unserer Ordensregel zuwiderlaufen. Heiterkeit hat für uns einen besonderen Stellenwert, aber nicht Haltlosigkeit, Exzess und Übermaß, ein Zuviel an Ablenkung, gedankenlose Handlungen und Worte, unkontrolliertes Ausleben. Das ist uns nicht erlaubt und würde uns schaden. Hier selbst einzugreifen und Grenzen zu ziehen, das ist die Aufgabe eines bewusst gelebten Christseins und besonders angezeigt für uns Menschen in der Welt, die nach einer Ordensregel leben, die Einfachheit, Bescheidenheit und Demut zu ihren Grundwerten zählt.
Franziskanisch leben zu dürfen, das ist unsere Berufung und ein großes Geschenk. Diese Berufung bewusst zu leben, auch in der weltlichen Faschingszeit, das ist unsere Herausforderung und Aufgabe, die wir zu erfüllen haben. Das soll uns froh machen und wir dürfen dadurch auch anderen ein Beispiel geben, die sonst in die Haltlosigkeit abgleiten würden. Zeigen wir Stärke und grenzen wir uns ab, wo es nötig ist. Gerade jetzt!
In die Fastenzeit eintreten
Die heilige Fastenzeit beginnt am Aschermittwoch mit ernsten Zeremonien und zutiefst zum Herzen sprechenden Worten. Die Weihe und Auflegung der Asche ist alljährlich ein bewegendes Geschehen unseres Glaubens. Durch diesen ernsten Gebrauch will die heilige Kirche die kommende große Bußzeit auf zutreffende Weise einweihen, uns lebhaft an den Tod und die Vergänglichkeit alles Irdischen erinnern und in uns heilsame Bußgesinnungen erwecken (vgl. Hausbuch für die Mitglieder des Dritten Ordens des Hl. Vaters Franziskus. 1887, S. 705 ff.).
Ursprünglich wurden am Aschermittwoch nicht alle Gläubigen mit Asche bestreut, sondern nur jene, die nach der strengen Bußdisziplin der ersten christlichen Jahrhunderte für gewisse Sünden öffentliche Buße zu tun hatten.
Eigentlich sind aber nun alle Menschen Büßer vor Gott. Eben darum ließen sich schon in ältesten Zeiten auch andere Gläubige freiwillig am Anfang der Fastenzeit Asche aufs Haupt streuen, um sich so zu Büßern zu weihen. Als jedoch im 11. und 12. Jh. die Kirchenbuße immer mehr wegfiel, wurde es allgemeiner Gebrauch, sich mit Asche bestreuen zu lassen. Und so verordnete schon das Konzil zu Benevent im Jahr 1091: „Geistliche und Laien, Männer und Frauen, sollen sich am Aschermittwoch Asche aufs Haupt streuen lassen.“ Früher trat man noch barfuß zum Priester, um jenes feierliche Zeichen und Heilmittel der Buße zu empfangen. Wir werden auf jenen Moment hingewiesen, wo das Kreuz aus Asche nicht nur Sinnbild, sondern volle Wirklichkeit wird: „Gedenke, o Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst.“(Gen 3, 19).
Die Asche in Kreuzesform soll uns auf Denjenigen hinweisen, in dem allein wir dem ewigen Tod entgehen und wahre Buße wirken können.
Wie tief bedeutsam ist diese Zeremonie gerade für uns Geschwister im OFS, im Dritten Orden des Hl. Franziskus. Die erste Bezeichnung, die die Geschwister vor uns trugen, war doch „Orden von der Buße“. So werden wir gerade am Aschermittwoch eindrücklich darauf hingewiesen, was unsere Bestimmung ist, die schon unser Ordensvater für uns vorgesehen hat. Mit diesem historischen Bezug dürfen wir besonders gesegnet in die heilige Fastenzeit eintreten und sie in tiefer innerer Würde und Besonnenheit leben. Ja, wir dürfen dem Orden von der Buße angehören! Was für ein Geschenk!
Bedeutung der Fastenzeit
Die heilige Fastenzeit ist eine große Gnaden- und Bußzeit. Diese Zeit ist vorzugsweise jenen großen Geheimnissen geweiht, auf denen unsere Erlösung beruht. Die „Quadragesima“ (40tägige Fastenzeit) ist eine Zeit hohen Ernstes, Zeit der Stille und Bußfertigkeit. Zu dieser Zeit ist der gläubige Christ empfänglicher für die Gnadenwirkungen des Hl. Geistes und zur Einkehr in sein Herz als sonst. Das kostbare Blut, welches auf dem Kalvarienberg für uns vergossen wurde, wird uns in besonderer Weise durch den Himmel zum Segen in jener gnadenreichen Zeit.
So wünsche ich uns allen ein segensreiches, bußfertiges Eintreten in die heilige Fastenzeit und einen gesegneten Monat Februar,
eure Sr. Klara / Christine Walder
Pace e bene!