Der neue Franziskusbote April 2026 ist da!
Österliche Freude
Liebe Geschwister, liebe Freunde des hl. Franziskus!
In diesem „Besonderen Jahr des Hl. Franziskus“ werden wir mit außerordentlichen Gnaden beschenkt. Genauso fühlbar sind uns auch die großen Gnaden der Osterzeit, in der wir uns gerade befinden. Oft wird die Woche nach dem Osterfest von den Christen zu wenig wahrgenommen, die so genannte Osteroktav.
Die Osteroktav
Mit diesem Begriff bezeichnen wir die Woche vom Ostersonntag bis einschließlich den darauffolgenden Sonntag (Weißer Sonntag, nun auch Barmherzigkeitssonntag). Besonders bedeutsam wurde die Osterwoche durch die in der Osternacht vollzogenen Taufen. Daran anschließend fanden jeden Tag Eucharistiefeiern statt, bei denen die Neugetauften durch verschiedene Unterweisungen (Mystagogische Katechesen) noch weiter mit dem Verständnis der Sakramente vertraut gemacht wurden. Die Neugetauften durften in der Woche nach ihrer Taufe nicht baden und trugen ihre Taufkleider bis Sonntag nach Ostern. Dies ist auch der Grund, warum dieser Sonntag den Namen „Weißer Sonntag“ erhielt. Daraus entwickelte sich später schlüssig die Tradition, ihn als „Erstkommuniontag“ zu begehen.
In der Osteroktav wird jeder der acht Tage festlich mit eigenen liturgischen Texten begangen. Als Oktav wird in der katholischen Liturgie der 8. Tag (Oktavtag) nach einem Hochfest bezeichnet. Dieser ist der Nachklang des Festes und markiert dessen Abschluss. Bis zur Liturgiereform im Zuge des II. Vatikanums hatten alle größeren Feste eine Oktav.
Zur Entwicklung der Osterwoche
Der Ursprung der Osterwoche liegt vermutlich im 3./4. Jahrhundert. Nach dem Bericht der Egeria (geweihte Jungfrau, Pilgerin, 4. Jh.) wurde in Jerusalem acht Tage lang die Erhöhung Christi durch tägliche Gottesdienste in der Himmelfahrtskirche mit feierlichen Prozessionen zur Auferstehungskirche begangen. Dabei wurden die biblischen Texte über die Erscheinungen des Auferstandenen gelesen.
Diese Tradition prägt heute noch die Osteroktav. Die Evangelien der Woche berichten über den Weg nach Emmaus, die Begegnung mit Maria Magdalena im Garten, den fischenden Jüngern am See Tiberias und den erschreckten Jüngern, denen Jesus seine Hände und Füße zeigt.
So wird uns in der Osteroktav noch einmal vor Augen geführt, wie Ostern für uns Menschen erfahrbar wird. Nämlich in der Begegnung mit unserem lebendigen Herrn Jesus Christus!
Das ist die große, niemals endende Osterfreude, die unser Leben prägt und unsere Erwartungen hinaushebt über alles Weltliche.
Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaft auferstanden! Und das gilt für uns jeden Tag neu!
Der Weiße Sonntag
Wie bereits oben erwähnt, empfingen früher die Katechumenen am Karsamstag das hl. Sakrament der Taufe. Zum Sinnbild der erlangten Reinheit und Unschuld wurden die Neugetauften mit den weißen Kleidern angetan. Es wurde ihnen dazu vom Priester gesagt: „Empfange das weiße Kleid und bringe es unbefleckt vor den Richterstuhl unseres Herrn Jesu Christi, damit du das ewige Leben habest.“ Während der ganzen Osterwoche wohnten dann die Neugetauften in ihren weißen Gewändern und mit brennenden Kerzen der hl. Messe bei, empfingen täglich die hl. Kommunion und „wurden mit vielen heilsamen Ermahnungen und Belehrungen entlassen“. So lesen wir über diese Zeit in unserem alten „Hausbuch für die Mitglieder des Dritten Ordens des hl. Vaters Franziskus“ aus dem Jahre 1887.
Alle Tage der Osterwoche wurden als Feiertage begangen und „es waren alle knechtlichen Arbeiten, lärmenden Unterhaltungen, Gerichtsverhandlungen usw. untersagt“. So sollte die „Einübung der neuen Streiter Christi“ durch nichts gestört werden.
Zur Glaubensstärkung
Wie wichtig und segensreich ist es auch für uns OFS-Geschwister heute, zu hören, wie bedeutsam für die ganze Glaubensgemeinde die Taufe und die Einführung der Katechumenen zum Osterfeste war und wie stärkend auch für den eigenen Glauben. So wie die Taufe auch für unsere Berufung in den OFS den Anfangspunkt markiert und nicht hoch genug in ihrer Bedeutung eingeschätzt werden kann. Desgleichen auch die Erneuerung unseres Taufgelöbnisses in der Osternacht, die nicht umsonst große seelische Bewegung in den Gläubigen auslöst.
Am Samstag nach Ostern legten die Neugetauften die weißen Kleider ab und erschienen ohne diese wieder beim Gottesdienst. So erhielt der Sonntag den Namen „Sonntag der abgelegten weißen Kleider“ oder später einfach „Weißer Sonntag“.
Dazu schreibt der hl. Augustinus: „Heute wird die österliche Feier geschlossen und daher heute die Kleidung der Neugetauften gewechselt, jedoch so, dass die weiße Farbe mit dem Kleide abgelegt, die Unschuld im Herzen aber allzeit bewahrt werde.“
Diese Handlung wurde in feierlichster Weise vor allen Kirchenbesuchern vorgenommen und den Neugetauften eindringlich ans Herz gelegt, den Taufbund heilig zu halten. Wie schön und bedeutsam für uns alle!
Eine weitere Zeremonie
Die Neugetauften wurden am Weißen Sonntag auch noch durch eine andere Zeremonie an den Taufbund erinnert. Es wurden ihnen, nach Ablegung der weißen Kleider, Bilder des Gotteslammes aus weißem Wachs umgehängt. Sie waren am Mittwoch nach Ostern geweiht worden, unter dem Gebet der Gläubigen, die Neugetauften mögen unter dem Schutz des Gotteslammes allen Gefahren entgehen. Diese Wachsbilder, kurz Agnus Dei genannt, dienten der dauernden heilsamen Mahnung, nie zu vergessen, dass das reine Gotteslamm uns durch sein kostbares Blut erlöst hat. Zudem stellte das Lamm Gottes die Neugetauften selber dar, die durch das Blut des Lammes reingewaschen, schneeweiße Lämmer der Herde Christi (agni novelli) geworden sind.
Die Agnus Dei wurden zumeist aus dem Wachs der Osterkerze des Vorjahres gegossen. Auch von den Päpsten wurden immer wieder solche Agnus Dei geweiht und an Würdenträger, verdiente Katholiken oder Kirchen verteilt.
Der Osterfriede
„Der Friede sei mit euch!“ Auffallend ist, dass der auferstandene Heiland seinen Jüngern den Frieden so nachdrücklich und oft entbietet! Diesen Frieden verkündet er, wünscht er und bringt er den Seinigen. Auch das ist die ganz große Freude des Osterfestes. Diesen Frieden braucht unsere friedlose Welt so dringend. Stimmen wir als franziskanische Familie mit ein und tragen wir unser „Pax et bonum“ in österlicher Freude überzeugt in die Welt hinaus!
Das wünscht euch eure Sr. Klara / Christine Walder