Dry January – Trocken durch den Jänner
Ein Interview mit dem Autor Daniel Wagner
Der Sekt zum Anstoßen beim Geburtstag, das Bier zum Essen oder das Achterl Wein nach getaner Arbeit am Feierabend zur Entspannung – für viele Menschen gehört das im Alltag dazu. Doch Alkohol ist auch schon in moderaten Mengen mit einem gesundheitlichen Risiko verbunden und kann süchtig machen. In Österreich leiden rund 340.000 Menschen an Alkoholabhängigkeit (Quelle: Alkoholabhängigkeit | Gesundheitsportal)
Neues Jahr – neue Vorsätze, viele Menschen überlegen sich zu Jahresbeginn, was im neuen Jahr verändert werden soll. Eine englische Bewegung „Dry January“ (trockener Jänner) nimmt das zum Anlass und ruft auf, einen Monat lang komplett auf Alkohol zu verzichten. Bereits ein Monat Alkoholverzicht wirkt sich nämlich schon positiv auf die Gesundheit aus – sowohl körperlich als auch mental. Ein positiver Nebeneffekt – auch das Geldbörserl wird geschont.
Diese Vorteile können bei weniger Alkoholkonsum auftreten (Quelle: Dialogwoche Alkohol – Dry January):
- Entlastung für Leber, Herz und Magen
- Bessere Immunfunktion
- Gewichtsreduktion
- Stabilere Stimmung
- Bessere Schlafqualität
Trocken - ein Interview mit Daniel Wagner
Daniel Wagner – Buchautor - ist in Villach geboren und aufgewachsen. In Wien hat er Kommunikation studiert und anschließend als Werbetexter gearbeitet. Sein Buch „Trocken“ handelt von seiner Alkoholkrankheit – heute ist Daniel trocken und lebt wieder in Villach. Er erzählt über Alkoholkonsum, Dry January und sein Buch.
Wie kam es dazu, dass du das Buch „Trocken“ geschrieben hast?
Das war ein jahrelanger Prozess, am Anfang schrieb ich im Rahmen der Therapie, danach versetzte ich mich in die Zeit zurück und versuchte diese so detailgetreu wie möglich zu beschreiben. In Summe hat es fünf Jahre gedauert, bis das Buch fertig war. Als ich schließlich Frieden geschlossen habe und das Leben mich wieder hatte, ging die Fertigstellung sehr leicht.
Wie war die Zeit des Nüchternwerdens rückblickend für dich?
Es war keine leichte Zeit, doch ich hatte sehr viel Unterstützung. Aus meinem Umfeld und auch in der Therapie. Ich war zwei Monate in Langzeittherapie in Treffen, das war ein riesiger Schritt für mich. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich danach einen ziemlich heftigen Rückfall hatte, doch da merkte ich: Ich möchte ein freies Leben führen, ich will selbstbestimmt leben und ich will nicht sterben. Von da an ging es stetig bergauf. Nüchternwerden ist ein Prozess.
Dry January – ist das eine Chance oder nur ein Social Media Trend?
Ich sehe das sowohl positiv als auch kritisch. Diese „Challenge“ kann die Konsequenz haben, dass Personen sich im Februar dann umso mehr für das Durchhalten im Jänner belohnen. Dennoch ist es eine sehr gute Sache, die Awareness bildet und mehr Aufmerksamkeit für das Thema Alkoholsucht schafft.
Welchen Tipp hast du für Menschen, die im Dry January heimlich merken und sich fragen: „Bin ich vielleicht schon süchtig?“
Frag dich zuerst: Warum kann ich die Nüchternheit nicht aushalten? Woran liegt das? Man muss sich auf die Suche nach der Wurzel machen und zeitgleich die Symptome erkennen und behandeln, um den Suchtdruck loszuwerden. Im Idealfall macht man das in einer Therapie und mit Unterstützung.
Wie erlebst du die Trinkkultur in Österreich?
Ich sehe den Umgang mit Alkohol sehr problematisch. Alkohol ist eine Droge und diese ist tief in der Gesellschaft verwurzelt – es ist schwer ihm zu entkommen. Alkohol zu trinken ist Standard – keinen zu trinken fällt auf. Es braucht hier definitiv ein Umdenken, ich habe das Gefühl, es beginnt schön langsam, aber da ist definitiv noch Raum für viel mehr Veränderung.
Welche Botschaft hast du für Angehörige und Freund:innen von Menschen mit Alkoholproblemen?
Bringt viel Geduld mit, ich habe selbst sicher hundert Mal Sorgen geäußert bekommen und jedes einzelne Mal war wichtig. Jedes Mal hat etwas mit mir gemacht. Bietet Hilfe an, begleitet die betroffenen Personen zu Terminen, es sind kleine Schritte, die den Unterschied machen. Und bitte achtet auf Euch selbst – Co-Abhängigkeit ist ein ernstes Thema und bedarf ebenfalls Unterstützung.
Welchen Wunsch hast du an die Öffentlichkeit?
Ich wünsche mir vor allem eine klare Kommunikation: Alkohol ist eine Droge und ich finde es absurd, dass diese Droge auch noch öffentlich beworben wird. Den Schnapsflascherln an der Kassa habe ich in meinem Buch sogar ein eigenes Kapitel gewidmet. Es ist nicht normal, wie wir das handhaben. Alkohol sollte außerdem nicht mit 16 Jahren erlaubt sein, vielleicht ab 18 Jahre, besser wäre noch mit 21 Jahren. Ich finde man könnte sich auch ein Beispiel an den skandinavischen Ländern nehmen und Alkohol in eigenen Geschäften verkaufen. Hier ist wirklich noch sehr viel Aufklärungsarbeit notwendig.