Der Priester als geistlicher Trainer und Multiplikator
Pastoralkonferenz 2026
Am Donnerstag, dem 29. Jänner 2026, fand im Bildungshaus Sodalitas in Tainach/Tinje die von Diözesanbischof Josef Marketz geleitete Pastoralkonferenz der Dechanten und Mitglieder des Priesterrates statt. Im Zentrum stand die Prägung der priesterlichen Identität durch die Eucharistie. Hierzu referierte der Leiter des Pastoralamtes der Erzdiözese Wien, Dr. Markus Beranek.
Priester sein aus der Taufe
Im Zentrum christlicher Identität steht, so Markus Beranek, das gemeinsame Priestertum der Getauften. Durch die Taufe haben alle einen unmittelbaren Zugang zu Gott und sind untereinander verbunden. Den Priester benötige es hier also nicht, um den Menschen einen Zugang zu Gott zu eröffnen. Dem Priester komme jedoch die Aufgabe zu, mit seiner Existenz die Einheit mit Gott und der Welt zu leben und zu fördern. Um diesen Dienst wahrzunehmen, benötigt ein Priester, so Markus Beranek, die Fähigkeiten eines (geistlichen) Trainers Menschen zu ermutigen, neu anzusprechen und zu fördern. Dies ist dann möglich, wenn sich die Pfarre nicht um seine Person herum bildet, sondern, wenn der Priester darauf bedacht ist, andere in der Pfarre groß sein zu lassen. Dazu muss er jedoch um seine eigenen Grenzen wissen und braucht die Bereitschaft, offen mit Kritik umzugehen.
In der Spur Abrahams
Ausgehend vom Dekret über Dienst und Leben der Priester (PO 22) erschließt Markus Beranek die priesterliche Identität anhand des biblischen Abraham. Ihn kennzeichnet die Bereitschaft, der Verheißung Gottes zu trauen und ins Ungewisse aufzubrechen. Dazu brauche es die Bereitschaft, die eigene Unsicherheit auszuhalten und sie als geistliche Aufgabe zu nutzen. Priesterliche Identität sei heute nicht mehr so klar wie in der Vergangenheit. Es macht einen Unterschied, ob ein Priester eine mittelgroße Pfarre leitet oder für mehrere Pfarren zuständig ist. Diesen neuen Herausforderungen kann er begegnen, wenn er sich als Multiplikator versteht, der Aufgaben delegiert und Menschen befähigt und darin begleitet und selbst als Multiplikatorin bzw. als Multiplikator zu wirken.
Die Eucharistie als Quelle und Nahrung
Wenn der Priester in der Messe Christus als Haupt des einen Leibes Christi repräsentiert, dann tut er dies, so Markus Beranek, in seiner besonderen Verantwortung aus dem Priesteramt des Dienstes und zugleich als Teil der versammelten Gläubigen. Die Eucharistie sei demnach liturgischer Ausdruck eines umfassenden Miteinanders. Diese Gemeinschaft entfaltet ihre Kraft, wenn sie sich im Alltag der Menschen fortsetzt und wenn der Alltag der Menschen in der Eucharistie lebendig wird. Wenn die Eucharistie als Quelle das Leben stärkt und zur Nahrung wird, kann der Priester Räume eröffnen, in denen sich Menschen unterschiedlicher Herkunft, Weltanschauung und politischer Einstellung treffen. So werden in einer polarisierten Grundatmosphäre ein neues Miteinander und Einheit spürbar.
Der Weg kleiner geistlicher Experimente
Zum Abschluss der Pastoralkonferenz schlug Diözesanbischof Josef Marketz eine Brücke von den Ausführungen Markus Beraneks zum synodalen Kirchenentwicklungsprozess. Dabei hob er hervor, dass es in einer Zeit großer gesellschaftlicher Veränderungen auch Anpassungen und Veränderungen in der Kirche notwendig seien. Dabei gehe es weniger um große Veränderungen, sondern um kleine Experimente im Sinne des Evangeliums. So wie der Dienst von Lektor/innen und Akolyth/innen nun neu ist und es durch diese Männer und Frauen zu einer neuen Aufmerksamkeit für das Wort Gottes und die würdige Feier der Liturgie kommt, so werden künftig auch weitere diesbezügliche Schritte von Beteiligung und Erneuerung die Kirche schrittweise an die Anforderungen unserer Zeit heranführen.