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Institut für kirchliche Ämter und Dienste

Alles wird neu. 9/9 - geliebt

9x9 Gedanken zum Heiligen Geist

Der Geist befähigt zur Liebe (Foto Pixabay)
Der Geist befähigt zur Liebe (Foto Pixabay)
Alles wird neu. 9x9 Gedanken zum Heiligen Geist - Teil 9 - geliebt

Die Liebe wird nicht zu den sieben Gaben des Heiligen Geistes gezählt. Dennoch ist es im Johannesevangelium der Heilige Geist, den Jesus seinen Jüngerinnen und Jüngern verheißt und der ihnen nach seinem Tod die Liebe Gottes erschließen und sie zu einer Gemeinschaft in Liebe befähigen wird. Damit mündet dieser Weg im abschließenden neunten Teil ins Pfingstfest.

  1. Unbeirrt hält Erich Fried in seinem Gedicht „Was es ist“ den negativen Wertungen der Vernunft, der Berechnung, der Angst oder auch der Erfahrung eine Haltung entgegen, die aushält, was ist – „Es ist was es ist, sagt die Liebe“.
  2. Geht man davon aus, dass die Anzahl von Begriffen, die in einer Sprache zur Bezeichnung eines Sachverhalts zur Verfügung stehen, Aufschluss darüber gibt, welchen Stellenwert dieser in einem Sprachraum einnimmt, so fällt auf, dass sich Liebe im Deutschen weniger nuancenreich ausdrücken lässt als in anderen Sprachen.
  3. Im Altgriechischen, der Sprache des Neuen Testaments, wird zwischen der leidenschaftlichen Liebe des „Eros“, der sinnlich-freundschaftlichen Liebe der „Philia“ und der respektvollen Liebe der „Agape“ unterschieden.
  4. „Geliebte, wir wollen einander lieben; denn die Liebe ist aus Gott und jeder, der liebt, stammt von Gott und erkennt Gott.“ (1 Joh 4,7)
  5. Wenn im Neuen Testament von der Liebe Gottes zum Menschen und der Liebe der Menschen untereinander die Rede ist, handelt es sich fast immer um die Agape, die respektvolle Zuwendung, die die anderen in der Tiefe ihres Wesens annimmt, ihnen Raum gibt und ihnen Gutes will.
  6. Die Liebe als Agape bleibt in der Bibel nicht theoretisch, sondern weist einen starken sozialen Charakter auf und hat sich in der Fürsorge für die Armen und Benachteiligten und im Dienst am Nächsten und der Gemeinschaft zu bewähren.
  7. Ordnet man den Weltreligionen Besonderheiten zu, wie dem Judentum Frieden, dem Islam Hingabe, dem Hinduismus Selbstlosigkeit und dem Buddhismus Achtsamkeit, so kennzeichnet das Christentum eine Liebe, die dem Menschen unmittelbar von Gott geschenkt wird und die ihn bzw. sie zur Selbstliebe, Nächstenliebe, ja Feindesliebe befähigen soll.
  8. Christliche Liebe ist, so Johann Baptist Metz, kein romantisches Gefühl, sondern eine politische Haltung, die Unrecht benennt, das Leiden der Opfer nicht vergisst, aus dem Glauben an Gott Gerechtigkeit einmahnt und darauf vertraut, dass Gott selbst diese herbeiführen wird.
  9. Mag sein, dass es uns mit der deutschen Sprache etwas schwerer fällt der Liebe in unseren persönlichen, familiären und intimen Beziehungen Ausdruck zu verleihen, dennoch ist sie die Kraft, die uns Menschen zusammenführt, Gerechtigkeit fördert und in uns den Geist der Zuversicht weckt – „Es ist was es ist, sagt die Liebe“.