Pfarre

Spittal an der Drau

Klausur des Pfarrgemeinderates in Wernberg

PGR Spittal/Drau - Rückblick auf Geschafftes und Ausblick auf Zukünftiges

Schwester Silke Mallmann (© Foto: iLi)
Schwester Silke Mallmann (© Foto: iLi)

 

Die Sehnsucht, zu gehen, Gedanken zum Ehrenamt

Schwester Silke Mallmann vom Kloster Wernberg findet in unserer Mitte die richtigen Worte für unsere Motivation. Sie beginnt mit der Geschichte einer alten Frau, die über viele Jahre täglich auf einen Berg geht und dort Samen vergräbt.  Die Kinder aus dem Dorf, die Menschen finden sie sonderbar, aber sie ist ja harmlos. Die Kinder werden erwachsen, ziehen weg, gehen ihre eigenen Wege, aber wenn sie wieder kommen mit ihren Kindern hat sich das Bild des Berges verändert, er blüht durch das tägliche Bemühen der alten Frau.
Der Berg, das Ziel ist also unser inneres Bild, das uns beseelt, das aber auch Gott von uns, von mir hat. Wer das innere Bild nicht hat, der hört auf sich einzusetzen, mitzugehen.
Wir haben eine Sehnsucht zu gehen, uns einzusetzen, auch wenn die Situatíon mühsam ist.
• Was ist mein inneres Bild?
• Was ist das innere Bild der Pfarre?
• Nach welchen Wegweisern orientieren wir uns auf unserem geistlichen Weg? Nach Menschen, die vor uns da waren, nach dem Pfarrer, Autoren, einem Buch, nach der Bibel?
• Was sind die Karten unseres Lebens?
• Was ist das Kartenmaterial der Pfarre?

Was brauchen wir, um den Berg unseres Glaubens zu besteigen?

Schuhe, die uns Schutz und Trittsicherheit verleihen, die groß genug sind.
Stöcke, wer stützt uns,passt unsere Balance oder müssen wir Dinge loslassen, weil sie uns eigentlich hindern.
• Ein Seil.Wer hält uns? Was ist unser letzter Haken? Was hält mich? Wen halte ich? Unsere Kirche ist so stark, wie der Schwächste im Seil. Haben wir das Vertrauen, uns ins Seil fallen zu lassen?
• Einen Helm. Die Pfarre, auch hier gibt es Steinschlagmomente, dafür gibt es einen Helm, der unseren Kopf und das Hirn schützt und beides zulässt, Gefühl und Verstand und den Willen, es auszuhalten.
• Einen Erste Hilfe Kasten, denn Verletzungen bleiben nicht aus, man eckt an, tut sich weh. Lasse ich meine Verletzungen an die heilende Luft oder gipse ich sie zu? Was muss heilen in mir, in meiner Pfarre. Und  ab und zu brauchts Desinfektion: getraue ich mich, auf meinen geistlichen Weg „Jod“ darauf zu gießen?
• Schließlich stecke ich in meinen Rucksack  noch eine kleine Flasche Schnaps.  Mit Zucker und Schnaps stütze ich am Berg meine Kreislauf, meine Lebensgeister kommen damit wieder in Gang. Was ist unser geistlicher Schnaps? Die Feste, die wir feiern, wenn wir den Gipfel erklommen haben. Wenn man unseren Glauben nicht mehr feiern darf, ist man verloren. Wir brauchen aber auch eine Prise Humor, er hilft, das Angesicht der Erde zu verändern.


Und so begeben wir uns zu den sieben Bergen Israels

1. Der Sinai mit dem brennenden Dornbusch, wo Jahwe zu Mose sagt: „Zieh deine Schuhe aus, hier ist heiliger Boden.“ Gott ist auch hier im Jetzt und Heute, und es gilt, ihn zu finden.
2. Der Berg Gilboa, auf dem König Saul und sein Sohn Jonathan fielen und damit Platz machten für David. Die Menschen suchen Gott und finden ihn nicht in ihrer Pfarre. Der Berg Gilboa ruft uns auf, offen zu sein, loszulassen,damit Neues passieren kann. Jedes neue Mitglied bringt neue Kreativität , der man Platz geben muss.
3. Golgatha-eine Kirche, die nicht in Solidarität mit Ausgestoßenen, Geknechteten, Wiederverheirateten, Armen und Rechtlosen steht, wird zur Heuchlerin.
4. Der  Berg Moriah, auf dem Abraham seinen Sohn Isaak opfern sollte und wollte, steht für die Bereitschaft, alles zu geben, den lang ersehnten Sohn, sein Ein und Alles, seine Verheißung und seine Zukunft. Abraham ist willens, das alles für Gott aufzugeben.
Nicht festhalten am Alten, sondern auch hier Neues zulassen. Wie tief ist mein Vertrauen auch in meinem Leben und das der Kirche?
5. Der Karmel, auf dem man den Göttern Brandopfer brachte. Eliah ging hin und sagte, Jahwe ist der einzige Gott. Da stellt sich uns die Frage, was ist Frömmigkeit, was Ritual, was ist wirklich heilig? Um authentisch Christen zu sein, müssen wir zurück zum Evangelium. Nur dann können wir in den Dialog zu anderen Religionen treten.
6. Tabor oder Hermon, der Ort der Verklärung. Wer erscheint? Die Propheten Mose und Eliah, beide große Sünder, aber sie standen im Dialog mit Jahwe und waren den Herrschenden unangenehm, weil sie davon den Menschen berichteten.
Wir sind aufgerufen, prophetisch zu sein und Missstände in Gesellschaft, Politik, Kirche, Korruption, medizinischer  Forschung und auch die fehlenden Entwicklungshilfezahlungen anzusprechen.
7. Und schließlich der Berg der Seligpreisung, eigentlich nur ein Hügel. Auf ihm ist niemand ausgeschlossen, dem Berg der Solidarität, der Ausgeschlossenen. Wir müssen auf diesen Hügel, um nicht zurückzukehren an den Anfang!

Wir haben die Vision dieser sieben Berge in uns. Sie ist uns geschenkt worden. Wir können diesen Weg gehen, weil uns jemand lockt. Es zieht uns, wir hängen am Seil und Gott weiß, wann er uns ziehen muss, und was wir brauchen.
Wenn wir diesen Weg gehen, erneuern wir das Antlitz der Erde, und das ist das wahre Paradies! iLi