Teamarbeit bei Gurker Fastentuch

Unter der Regie von Franz Kickmaier, Obmann des Pfarrgemeinderates in Gurk, wird alljährlich das Fastentuch aufgezogen.
Über 3.000 Besucher kamen im vergangenen Jahr in der Fastenzeit nach Gurk. Sie alle wollten das gotische Fastentuch, das den Hochaltar verhüllt, sehen und sich von der Bildgewalt des heilsgeschichtlichen Handelns Gottes am Menschen einnehmen lassen. Das älteste und größte historische Fastentuch Kärntens stammt von Meister Conrad von Friesach und wurde im Jahre 1458 fertiggestellt. Es zeigt 99 Szenen aus dem Alten und dem Neuen Testament.
„Es fasziniert mich jedes Jahr auf´s Neue“, sagt Franz Kickmaier, wenn er über das Aufziehen des Fastentuches spricht. Mit einem eingespielten Team, Michael Tscherne, Willi Alexejew, Erwin Boff, Josef Bader und Manfred Themel, beginnt die Vorarbeit am Aschermittwoch bereits in der Propsthofkapelle. Hier werden auf zwei langen Leitern, die mit Leinentüchern umwickelt sind, die beiden großen Stoffbahnen, aus denen das Fastentuch besteht, vorsichtig gelagert. Kickmaier und sein Team haben Erfahrung, seit rund 15 Jahren obliegt das Aufziehen des Fastentuches ihren Händen. „Da sitzt jeder Handgriff“, kann sich der Obmann des Pfarrgemeinderates auf seine Helfer verlassen. Wie eine Ziehharmonika sind die Stoffbahnen auf den Leitern platziert. „Und in einer Prozession tragen wir sie hinüber in den Dom“, sagt Kickmaier. Die beiden kostbaren Stoffbahnen sind dann bereits miteinander verknüpft, wenn sie vor dem Hauptaltar ankommen. Mit drei langen Seilen wird das Fastentuch von hier aus hinaufgezogen. Drei Männer stehen im Dachstuhl, in 16 Meter Höhe, und drehen dabei gleichmäßig die alten Holzkurbeln. Sie sorgen dafür, dass das Fastentuch auch an seinen vorbestimmten Platz kommt. Unten vor dem Altar stehen wiederum drei Männer, die das exakte Aufziehen begleiten. Im Choraum selbst kontrolliert Kickmaier akribisch den Vorgang und kann korrigierend mittels Funkgerät die Männer kurz einweisen. „Es ist für uns eine verantwortungsvolle Aufgabe, dieses über 500 Jahre alte Fastentuch aufzuziehen“, spricht Kickmaier auch für sein Team. Immerhin ist das Aufziehen in die liturgische Feier des Aschermittwochs mit einbezogen. Langsam werde die Welt der Bibel mit jedem Meter mehr sichtbar, während der goldene Hochaltar zur gleichen Zeit hinter dem Fastentuch verschwindet.
Am Ostersamstag wird in umgekehrter Reihenfolge das Fastentuch wieder heruntergelassen und zurück in die Propsthofkapelle gebracht. I. Jakl