Hungrig in die Schule
Kinder- und Jugendfastenaktion von Missio – Gemeinsam gegen den Hunger mit zehn Cent täglich
Zehn Cent kostet ein kleines Brot in Äthiopien. Für dortige Kinder unbezahlbar. Missio möchte mithelfen, Brot zu teilen. von Ingeborg Jakl

„In den Flüchtlingslagern habe ich ausgezehrte und kranke Mütter gesehen, Kinder, die zu schwach zum Schlucken sind, und Eltern, die ihre verhungerten Babys am Straßenrand begraben.“ P. Joˇze Andolˇsek SDB, Rektor vom Pastoralzentrum für Slowenen in Klagenfurt, ist gerade von einer mehrwöchigen Reise aus Äthiopien zurückgekommen. Die Eindrücke, die er von dort mitgenommen hat, beschäftigen ihn immer noch. „Kinder, die vor Hunger sterben, sind ein Bild, an das man sich nicht gewöhnen kann“, sagt er und schildert Alltagssituationen aus Gambela.
Kindern hungern
Da müssen Buben und Mädchen nachts aufstehen, stundenlang zu einer Wasserquelle gehen, dort Wasser in Kanister und Eimer füllen und diese wieder nach Hause tragen. Wenn die Kleinen dann endlich im Morgengrauen zurück sind, geht es, wenn sie Glück haben, in die Schule. „Und das alles ohne ein Frühstück“, berichtet P. Andolˇsek. Manche Kinder kommen erst am Nachmittag heim und bekommen dann ihre Mahlzeit: Reis- oder Maisbrei, zuweilen mit Gemüse gekocht.
In Gambela betreuen die Salesianer ein Kinder- und Jugendprojekt. Obwohl die Not hier groß ist und die Versorgungslage schwierig, sehen sie sich zusätzlich tagtäglich neuen Flüchtlingsströmen gegenüber. Aus dem angrenzenden Sudan fliehen Familien, Kinder, Jugendliche, allein oder in Gruppen. „Die Situation verschlimmert sich pausenlos. Ostafrika hungert, und die Welt schaut zu“, resümiert P. Andolˇsek. Die Hilfe, die er in diesem Jahr aus Kärnten mitgebracht hat, reicht längst nicht aus. Zu viele Dinge fehlen, allen voran Nahrungsmittel und Wasser. Dennoch ist die Hilfe aus Kärnten ein wichtiger und wertvoller Beitrag, um vor Ort Hilfestellungen zu geben. „Wenn ich nur ein Kind vor dem Verhungern retten kann, hat sich mein Einsatz schon gelohnt“, sagt er ohne Pathos.
Viele Analphabeten
Äthiopien mit seinen rund 80 Millionen Menschen zählt heute zu den ärmsten Ländern der Welt. „Aids und Tuberkulose lassen ganze Landstriche veröden und immer mehr Kinder als Waisen zurück“, ergänzt P. Andolˇsek. Dazu kommt noch eine hohe Zahl von Analphabeten. „Die Hälfte der Kinder zählt dazu, und das ist für die Zukunft eine Landes eine Katastrophe.“ Die zwölf Gemeinschaften der Salesianer Don Boscos in Äthiopien und dem benachbarten Erithrea widmen sich denn auch verstärkt der Erziehung und Ausbildung, können aber trotz ihres Einsatzes nicht verhindern, dass viele Kinder auf der Straße leben. In Addis Abeba, der Hauptstadt Äthiopiens, sind das über 70.000, und es werden jeden Tag mehr. „Die jungen Menschen haben keine Perspektive, leben von der Hand in den Mund“, sagt der Salesianerpater.
Mit zehn Cent helfen
Hunderttausende von Kindern in Äthiopien können nur mangelhaft ernährt werden, Zehntausenden droht der Hungertod. „Die Situation in dem von Dürre und Flüchtlingsnot gequälten Land ist“, laut Peter Mödritscher, Bildungsreferent von Missio Kärnten, „dramatisch, ebenso wie in den Nachbarländern.“
Vor allem den Kindern in Gambela, Äthiopien, soll heuer mit der Kinder- und Jugendfastenaktion geholfen werden. „Hilfe durch Verzicht“ lautet das Motto. „Das heißt nicht“, so Mödritscher, „dass hier in Kärnten ein Kind hungern soll. Es reicht schon, auf die täglichen Süßigkeiten zu verzichten.“
Zehn Cent kostet in Gambela ein kleines Brot! Ein Brot, das für die Kinder dort ein großes Geschenk bedeutet, da viele oft nur eine Mahlzeit am Tag haben. Zehn Cent täglich können dazu beitragen, das Kinder nicht hungern müssen.
Auf die gesamte Fastenzeit bezogen sind das exakt vier Euro. Und damit die Fastenaktion auch für die Schülerinnen und Schüler nachvollziehbar wird, gibt es einen kleinen Aufklebebogen, der symbolisch für jeden Tag der Fastenzeit ein Brot darstellt. Mit Stickern lässt sich das weinende Gesicht auf dem Aktionsbogen in ein lachendes verwandeln. Wer den Bogen komplett ausfüllt, bekommt als kleines Dankeschön ein Freundschaftsband, das Jugendliche in Gambela geknüpft haben, oder Buntstifte.
Schulklassen, die mehr Informationen über diese Fastenaktion haben möchten, können sich an Peter Mödritscher wenden. Er stellt gern in einer Unterrichtsstunde das Land, die Situation vor Ort und die geplanten Hilfsmaßnahmen vor. Er diskutiert auch mit den Schülern darüber, wie zehn Cent einen Tag im Leben eines Kindes verändern können.