Entfernt die Grenzen in den Köpfen!
Karl Schwarzenberg beim Pfingstdialog "Geist & Gegenwart"
Alle zwei Jahre findet im steirischen Seggauberg der Pfingstdialog „Geist und Gegenwart“ statt. In diesem Jahr ging es um die großen Erzählungen Europas, die Werte und Ideale aus der Vergangenheit für die Gegenwart und Zukunft.
Die großen Think-tanks der Steiermark – allen voran die katholische Kirche – haben mit „Geist und Gegenwart“ ein Symposion geschaffen, das an inhaltlicher Bedeutung mit seinem großen Bruder Alpbach durchaus mithalten kann. Mit Kärntner Unterstützung in Person des Verlegers Lojze Wieser entstand ein hochkarätiges Programm, dessen Höhepunkt die Grundsatzrede des tschechischen Außenministers Karl Schwarzenberg war.
In seiner Einleitung bedauerte Schwarzenberg, dass nach 20 Jahren die Entfernung des Eisernen Vorhangs in den Köpfen noch immer nicht stattgefunden hat. Die „alten Vorurteile von Ost und West sind noch immer lebendig“, attestierte er und meinte: „In den 70er und 80er Jahren waren wir in der Mitteleuropa-Diskussion schon weiter.“ Heute ziehe sich ein ökonomischer Vorhang durch Europa, der den Kontinent in das reiche Zentrum und die arme Peripherie trenne.
Enttäuschung habe sich breit gemacht, weil sowohl die hohen Erwartungen des Westens in eine Erneuerung aus dem Osten – sozusagen „ex oriente lux“ – als auch des Ostens in den Westen zerschlagen hätten.
Der „alte Osten“ sei 1989/90 untergegangen, und die Angleichung geschehe in einem rasenden Tempo. „Für Jugendliche ist es heute fast gleich, ob sie aus Odessa, aus Bukarest, Brüssel oder Wien kommen – alle haben die gleichen Kommunikationsstandards.“ Daraus entstehe eine Begegnung ganz neuer Art.
Dazu trage auch die Reisefreiheit in der EU bei, die Schwarzenberg als eine der wichtigsten Errungenschaften bezeichnete. „Ich bin noch in einer Welt der Teilung aufgewachsen“, erinnerte er sich und betonte: „Hier entsteht eine völlig neue Welt mit gigantischen Möglichkeiten wie etwa Wien vor 100 Jahren oder New York vor 70 Jahren, die durch globale Wanderungen zu Zentren der Wissenschaft, bildenden Kunst und Literatur wurden.“
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