Die Frohe Botschaft ist mein Maßstab
Thomas Gottschalk über sein Leben, seine Familie und den Umgang mit Mitarbeitern
Thomas Gottschalk spricht über seinen Glauben, sein Verhältnis zu Gott und zu den Mitmenschen. Auszüge aus einem bemerkenswerten Interview, das Markus Verbeet vom Magazin „Der Spiegel“ führte.

Sie vertrauen auf Gott und Ihren Schalk – so hat es Michelle Hunziker einmal ausgedrückt. Inwieweit hilft Gott?
Gottschalk: Ich gehe nicht davon aus, dass der liebe Gott Zeit hat, sich um meine Quoten zu sorgen. Dieter Bohlen muss ich schon alleine schlagen. Aber ich empfinde eine große Dankbarkeit für die Tatsache, dass ich eine Frau gefunden habe, die mir in mehr als 35 Jahren nicht abhandengekommen ist, und dass ich zwei gesunde Kinder habe, die halbwegs normal geraten sind, obwohl ich ihr Vater bin.
Das klingt nicht unbescheiden.
Gottschalk: Warten Sie, das war noch nicht alles. Der liebe Gott hat mir auch eine Fähigkeit geschenkt, mit der er offensichtlich relativ sparsam umgegangen ist. Es gibt vergleichsweise viele Menschen in Deutschland, die Beethovens „Mondscheinsonate“ auswendig spielen können; das kann ich nicht. Aber es gibt nur wenige Menschen, die sich entspannt – und ohne sich verstellen zu müssen – vor einer Fernsehkamera bewegen können. Ich muss mir keine Pseudofröhlichkeit zurechtlegen oder zurechtlegen lassen, sondern bin vor der Kamera weitgehend so, wie Gott mich geschaffen hat. Und ich lebe gut davon. Das empfinde ich als ein großes Geschenk.
Und diese Begabung halten Sie für eine Gottesgabe?
Gottschalk: Ja, so sehe ich das. Ich habe mich nie richtig anstrengen müssen, habe weder wie die Mediziner den Pschyrembel noch wie die Juristen den Schönfelder auswendig lernen müssen, und ich habe auch keine fünf Sprachen gelernt. Ich habe etwas geschenkt bekommen, was man sich nicht erarbeiten kann.
Andere führen das auf ihre Erziehung zurück oder schlicht eine Verkettung von Zufällen.
Gottschalk: Ich will hier nicht von einer göttlichen Fügung faseln, die mich nun letztendlich zur ARD geführt hat. Aber ich glaube sehr wohl, dass dort oben einer mein Leben lenkt. Ich bin immer in jede Ecke gegangen, in die ich wollte, manchmal auch in eine dunklere, in die er mich sicherlich nicht geschickt hätte. Aber auch da habe ich Gott nicht verloren, und ich habe auch nie den Eindruck gehabt, dass er mich dort vergessen hätte.
Wie leben Sie Ihren Glauben an einem gottlosen Ort wie Malibu?
Gottschalk: Egal wo – in meiner persönlichen Umgebung versuche ich, eine wesentliche Anforderung des Christentums zu erfüllen: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Darüber will ich nicht theoretisieren, das will ich praktisch umsetzen. Es gibt Kollegen von mir, die sich für Afrika einsetzen und gegen alles Elend der Welt ankämpfen, aber nicht mitbekommen, dass ihre eigenen Kinder kiffen und koksen. Da ist mir meine Mission lieber: Ich will für meine Frau und meine Kinder, wenn sie mich brauchen, genauso da sein wie für alle anderen, für die ich verantwortlich bin, Putzfrau oder Gärtner. Schon aus Dankbarkeit dafür, dass ich mir dieses Personal überhaupt leisten kann. Diese Menschen sollen mich erleben als jemanden, der die Frohe Botschaft für sich als Maßstab nimmt. Auch wenn ich sehr genau weiß, dass die Wirkung meiner Bergpredigten begrenzt ist, gerade bei meinen Kindern.
Liebe deinen Gärtner und deine Putzfrau wie dich selbst. Was heißt denn das?
Gottschalk: Es ist nicht so, dass ich mit dem Weihrauchfass ums Haus ziehe und meine Mitarbeiter missioniere. Ich versuche einfach, kein Arschloch zu sein. Ich vermeide es, andere zu piesacken, ich verachte dieses herzlose und gedankenlose Verlangen von Leistungen anderer, die man ohne Dankbarkeit zur Kenntnis nimmt.