Der Herrgott hat seinen festen Platz bei den Menschen
Waltraud Jäger ist neue Religions-Verantwortliche im ORF-Landesstudio Kärnten

Menschen stehen bei ihr im Mittelpunkt: Waltraud Jäger ist bekannt für ihre tief gehenden Interviews, für Porträts, für Begegnungen mit „VIPs“ und ganz einfachen Menschen. Nun übernimmt sie von Werner Freudenberger das Ressort Religion.
von Ingeborg Jakl
Waltraud Jäger gehört seit 1989 dem Landesstudio Kärnten an. In dieser Zeit hat sie sich zu einer vielseitigen, bei Hörerinnen und Hörern beliebten Journalistin entwickelt. Ihre Marktberichte sind eine Institution und geben jenen Menschen eine Stimme, die sonst nicht unbedingt im Radio zu hören sind. „Basisarbeit“, nennt Waltraud Jäger ihr ungebremstes Engagement, stets vor Ort zu sein.
Die aus dem Lavanttal von einem Bauernhof stammende Journalistin hat einst im Familienfunk angefangen und im Radio- wie im Fernsehbereich eine breite Themenpalette – darunter zahlreiche Berichte, Reportagen und Interviews zu kirchlichen Ereignissen – behandelt.
Der „Sonntag“ führte mit ihr das folgende Gespräch:
Was reizt Sie an Ihrer neuen Aufgabe?
JÄGER: Kommunikationswege zu öffnen, die den Glauben in unseren Alltag führen. Denn der Glaube gehört einfach auch zu unserem Leben dazu. Tagtäglich!
Glaube ist immer vielgestaltig. Seine Wurzeln reichen in die Kindheit – wie bei unserem Christentum – zurück.
JÄGER: Es geht mir zunächst um die Zugänge zu den Religionen. Hier hat das Christentum, also die katholische wie auch die evangelische Kirche, selbstverständlich seinen festen Platz. Nur wenn wir die Zugänge zu den unterschiedlichen Religionen kennen, wächst der gegenseitige Respekt voreinander. Und darauf vor allem kommt es an.
Glaube braucht wohl auch Symbole.
JÄGER: Selbstverständlich. Bei mir zu Hause zum Beispiel hängt über dem Klavier das Kreuz vom Patriarchen der Armenischen Kirche. Das hat er mir spontan nach einem Interview geschenkt. Das hat mich damals sehr bewegt und auch beglückt, auch weil es so überraschend war. Daneben verwahre ich eine Seite aus dem Koran und ein Mandala, das mir die Tarviser Bergsteigerin Nives Meroi von einem Achttausender aus dem Himalaya mitgebracht hat.
Zeichen werden Sie wohl auch in Ihrer neuen Aufgabe setzen müssen.
JÄGER: Natürlich! Eines wird sein, dass ich auch durch das Kirchenjahr begleiten will. Aber es gilt auch der Ansatz, dass Religion bzw. das Bekenntnis dazu stets eine freie Entscheidung eines freien Menschen bleibt. Ich sehe meine Aufgabe vor allem darin, Religion bzw. dem Glauben eine verständliche Stimme zu geben. Insbesondere jenen an der Basis, weil hier der Glaube – das weiß ich aus meinen vielen Begegnungen mit den Menschen vor Ort – noch eine tiefe Innerlichkeit ausstrahlt. Sagen wir es so: Der Herrgott hat seinen festen Platz bei den Menschen. Gerade auch und im Besonderen hier bei uns in Kärnten.