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Kärntner Kirchenzeitung - „Sonntag”

Der Dom darf nicht zerbröckeln

Der Maria Saaler Dom ist bis August wieder eingerüstet – Der Südturm und die Südfassade werden renoviert

Natürlich ist er vor allem Gotteshaus, aber nicht nur. Der Maria Saaler Dom ist ein weit über Kärnten hinaus bekanntes Wahrzeichen. von Ingeborg Jakl

In schwindliger Höhe, knapp unter der Kirchturmspitze auf der Südseite, arbeitet derzeit ein junges, dynamisches Damenteam.  (© Foto: Eggenberger)
In schwindliger Höhe, knapp unter der Kirchturmspitze auf der Südseite, arbeitet derzeit ein junges, dynamisches Damenteam. (© Foto: Eggenberger)

Rund um die Dombaustelle an der Südseite sind Schutzzäune in rot-weiß-rot gespannt, aber die sieht Bettina Unterberger schon gar nicht mehr. Zu oft taucht sie unter ihnen hindurch, um angespannt nach oben zu schauen. Dort in luftiger Höhe dirigiert sie vom Boden aus ihr Team an der Außenfassade, das mit den Reinigungsarbeiten des Südturms begonnen hat. Ein riesiger Industriekärcher verbreitet einen ohrenbetäubenden Lärm, daher ist die Kommunikation mit ihren Mitarbeiterinnen nur via Mobilfunk möglich.


Der Dom bröckelt
Unterberger, 26 Jahre jung, ist als Projektleiterin für die Restaurierung zuständig. Die junge Frau hat nicht nur ihre Diplomarbeit über den Bestand und den Zustand des Maria Saaler Doms geschrieben, sondern bereits den ersten Bauabschnitt im vergangenen Jahr mit Umsicht geleitet. Dabei konnte sie schon auf ihre umfangreichen Voruntersuchungen im Rahmen des Studiums zurückgreifen. Denn der Dom, der grandiose Bau, bröckelt, Stein für Stein, Stück für Stück. Dass dies gewaltige Gebirge aus Menschenhand dem Zahn der Zeit nicht trotzen kann, ist konstruktionsbedingt. Das seinerzeit verwendete Sattnitzkonglomerat ist angegriffen.
„Der Dom bröselt, manchmal schneller als man schauen kann“, sagt Unterberger dazu schonungslos. Natürliche Einflüsse wie Sonne, Wind, Regen und Frost setzten der Kirche naturgemäß schon immer zu. Diesen unvermeidlichen Elementen, die ständig auf die drei am Dom verwendeten Steinsorten, neben dem Konglomerat noch Grünschiefer und Marmorspolien (aus der Römerzeit), einwirken, kann die moderne Denkmalpflege durchaus trotzen, betont sie. Viel gefährlicher aber, erklärt Unterberger, ist der eindringende Regen, der die Bildung von Algen und Flechten fördert, dazu die Unterhöhlungen vom im Turmgemäuer nistenden Vögeln. „Wir sind jetzt dabei, den verwendeten Kalkspatzen zu ersetzen“, gibt sie den Arbeitsplan vor.


Grundstein vor 600 Jahren
Planen braucht sie ihre Arbeit nicht, die ist vorgegeben. Die Expertin weiß, dieses Bauwerk ist und hat eine unendliche Geschichte, die mit der einsetzenden Restaurierung fortgeschrieben wird.
Vor bald 600 Jahren wurde der Grundstein für den Dom gesetzt. Dann schleppten sich die Arbeiten dahin. Vorübergehend gab es sogar einen Baustillstand. Davon kann heute freilich keine Rede sein. Der erste erfolgreich absolvierte Bauabschnitt im vergangenen Jahr galt dem Nordturm und der Westfassade. Die jetzt begonnene zweite Phase wird neben dem Südturm auch die Südfassade mit dem Haupteingang und den berühmten Steinreliefs aus der Antike, darunter das Postkutschenrelief, umfassen.
Aber zunächst ist Unterbergers Damenteam, bestehend aus acht jungen Frauen, mit den umfangreichen Vorarbeiten beschäftigt. Die Frage, warum gerade hier so viele Frauen arbeiten, kann sie nur mit einem Schulterzucken erwidern. „Sie haben Geduld.“ Schwindelfrei und wetterfest sollte man auch sein, denn sonst hat man auf der Baustelle „nichts zu suchen“. Die 17 Etagen Baugerüst bis zum Turmgiebel hinauf, die jeweils eine kleine Leiter mit sieben Sprossen verbindet, verlangen nicht nur Kondition, sondern auch Übersicht. Bis zu 20 Mal steigen Unterberger und ihr Team täglich auf und ab. Jetzt sind die Gerüste durch die Intensivreinigung nass und die schmalen Stege rutschig, für die Restauratorinnen aber kein Problem. „Reine Routine.“

Die Kosten
Langsam Routine bekommt auch Stiftspfarrer Josef-Klaus Donko, wenn es darum geht, die Kosten für die Renovierung aufzubringen. „Die Gesamtrestaurierung des Doms ist ein Jahrhundertprojekt“, sinniert er, „und wird noch vier Jahre in Anspruch nehmen.“ Die Gesamtkosten sind derzeit mit einer Million Euro veranschlagt. Davon muss die Stiftspfarre mehr als die Hälfte aufbringen. Kein leichtes Unterfangen. Aber der Spendenaufruf der Pfarre hat kärntenweit ein großes Echo gefunden, berichtet er. Eine Welle der Solidarität mit dem „Marienheiligtum“ habe dafür gesorgt, dass die erste Bauetappe ausfinanziert ist. Die jetzt begonnene ist mit 200.000 Euro veranschlagt, und verschiedenste Aktionen sollen bei der Finanzierung mithelfen. 
„Der Dom als Herzstück Maria Saals bildet Gemeinschaft, stärkt den Zusammenhalt, stiftet Identität, trägt und verbindet in unserer schnelllebigen Zeit“, unterstreicht der Stiftspfarrer. Diese Bedeutung und Ausstrahlungskraft gelte es nun, neu ins Bewusstsein zu rufen und auch zu bewahren. 

 

Hilfe für den Dom

Benefizkonzert zugunsten des Maria Saaler Doms am Sonntag, dem 24. Juni, 17 Uhr. „Magnificat“ von Johannes Sebastian Bach
Dirigent: Ernest Hoetzel
Es spielt das Orchester „Euro Symphony SFK“ mit dem „Coro del Friuli Venezia Giulia“

Spendenkonto: RAIKA Maria Saal, BLZ 39404, Kontonummer 22707, Kennwort „Restaurierung Maria Saaler Dom“