Donnerstag 18:30 - 20:30
Veranstalter: Katholisches Bildungswerk Kärnten
Fachbereich: Kunst und Kultur

„Der Musikant Gottes“, wie Anton Bruckner genannt wurde, hatte Zeit seines Lebens künstlerisch keinen leichten Stand. Sein sinfonisches Schaffen begeisterte und provozierte gleichermaßen, Kritiker warfen ihm „symphonische Riesenschlangen“ vor. Anton Bruckner steht für das 19. Jahrhundert- eine Zeit, in der Tradition auf unglaubliche Modernisierung, der Tanzboden auf neue, gewagte Akkorde und Rhythmen trifft. Bruckner ist ein Kind seiner Zeit- wie ein Zaunreiter sitzt er auf einen Zaun, ein Bein in die Vergangenheit des Barock und der barocken Frömmigkeit baumeln lassend, das andere in Richtung Moderne hängend. Seine Zeit ist die Zeit des Vormärz, eine Zeit, in der der Kolonialismus und das Spiel der großen alten Mächte um die Hegemonie Europas (und der Welt) beginnen, in der die traditionellen Monarchien ihr Abendrot erleben. Bruckners Zeit ist eine Zeit, in der Europa das Maß aller Dinge und Entwicklungen ist, in der eine „k.u.k- Romantik“ auf die Entstehung von neuen sozialen Gruppen (Arbeiterschaft, Bürgertum), von neuen technischen Innovationen (Eisenbahnen, Telefon) und Ideologien (Nationalismus, Sozialismus) trifft, in der die Kunst neue Wege beschreitet und ein intellektuelles Bürgertum in den Metropolen Europas sich dem Reiz, Glamour und „savoir vivre“ des „fin de siecle“ hingibt, während die Gruppe der Rechtlosen, der Unterprivilegierten und der Enttäuschten immer größer (und unruhiger) wird. Und so spiegeln Bruckners (symphonische) Werke wohl auch ihre Zeit wieder: das Landlermotiv trifft auf den himmlischen Choral, klare, strahlende Themen erheben sich aus brodelnden, grummelnden „Urnebel“.