Leichter leben mit Gott (1)

Teil 1: Nadine Abson

Gespräche mit drei Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen, die eines gemeinsam haben: Die Gelassenheit, dem Herrgott vollends zu vertrauen und aus dem Glauben heraus mit Freude das Leben zu gestalten. Autorin: Mag. Johanna Bainschab

Nadine Abson aus Villach sagt schon mit 19: „Dank Gott bin ich nie allein. Selbst wenn ich einmal alleine bin.“ (© Foto:  Foto: Helge Bauer / Pressestelle Diözese Gurk)
Nadine Abson aus Villach sagt schon mit 19: „Dank Gott bin ich nie allein. Selbst wenn ich einmal alleine bin.“ (© Foto: Foto: Helge Bauer / Pressestelle Diözese Gurk)

19 Jahre jung, schulterlanges blondes Haar, ein herzliches Lächeln. So tritt uns Nadine Abson aus Villach gegenüber. Keine Spur von jugendlicher Widerborstigkeit, aber auch kein übertriebener Eifer zum verfrühten Erwachsensein. Nadine weiß: Das Beste liegt noch vor ihr. Das strahlt sie auch aus. Sie sagt, schon jetzt: „Mein Gottvertrauen stärkt mich. Damit bin ich nie allein, auch wenn ich einmal alleine bin.“
Eine Überzeugung, die sich in ihrem jungen Leben bereits bewährt hat. Unmittelbar nach der Matura brach Nadine auf. Neun Monate in Spanien, Arbeit beim europäischen Freiwilligendienst. Es sollte eine
Auslandserfahrung werden, wie sie viele junge Menschen suchen. Für Nadine wurde der Anfang besonders herausfordernd. Sie ging, ohne ein Wort spanisch zu sprechen – und kam in eine kleine Stadt in Südwestspanien, wo niemand weit und breit deutsch oder englisch konnte. „Man lernt zuhören. Und man wird geduldig“, nickt Nadine augenzwinkernd. Später im Gespräch wird sie – wohl auch auf diese spezielle Situation Bezug nehmend – sagen: „Sicher, manchmal hadere ich mit gewissen Umständen. Aber im Grunde vertraue ich darauf, dass alles in meinem Leben seinen richtigen Lauf nehmen wird.“So wie in ihrem Auslandsjahr. Heute spricht sie nämlich fließend spanisch.

Festes Fundament.

Ihr Sicher-Sein steht auf festem Fundament, gebaut von Frauen, mit denen Nadine groß wurde. Eine Oma und Mutter, die sie von klein auf in die Kirche mitnahmen. Eine Religionslehrerin, die ihre Schüler zu begeistern wusste. In der Katholischen Jugend fand Nadine eine Gemeinschaft unter Gleichaltrigen, sie knüpfte Freundschaften, die auch außerhalb der Institution immer noch Bestand haben. Freilich, nicht alle zwischen 13 und 20 können damit etwas anfangen. Zwar gibt es gerade in diesem Alter Sinnfragen und Sehnsüchte, dennoch sehen viele Jugendliche die Institution Kirche kritisch. „Wenn man in einer Runde dann sagt, dass man einen Glauben hat, wird man schon oft schief angeschaut.“

Nadine hält das aus, dazu ist sie selbstbewusst genug. Doch sie macht ihren Glauben nicht an der Kirche allein fest. „In den letzten beiden Schulstufen bin ich sehr wenig in die Kirche gegangen. Da war viel Schulstress. Und wenn man Samstag - abends fortgeht, steht man am Sonntag auch nicht gern früh auf.“ Ihr Glaube ist noch kindlich geprägt, ihr Gott – als symbolisches Bild im Kopf noch aus Kindheitstagen herübergerettet – ein „riesiger alter Mann mit weißem Bart, der uns zuhört, mit uns redet, uns Tipps gibt.“ Keine Spur von der strengen, mitunter auch strafenden Gottesvorstellung früherer Zeiten. Vielmehr ist Gott derjenige, der ihr hilft, wenn’s zwischenmenschlich einmal hakt.

Gott eröffnet neue Sichtweisen.

Dann bespricht sie das Problem mit ihm in einer ruhigen Minute. Und: „Danach gelingt es mir, die Dinge von einem anderen Standpunkt zu sehen. Ich kann so auch meine eigenen Fehler erkennen. Und dadurch bekomme ich zu der ganzen Situation einen anderen Zugang.“
Als wir mit Nadine sprechen, wartet sie gerade auf eine Zusage für einen Studienplatz an der FH Krems. Das O.K. dafür sollte binnen weniger Wochen eintrudeln. Was, wenn nicht? „Dann muss ich mir einen anderen Weg suchen. Es wird alles kommen, wie’s kommen soll“, antwortet sie lapidar. Ein bösartiger Charakter könnte nun sagen: Gut einstudiert. Aber der hat den Ausdruck in Nadines Augen dazu nicht gesehen. Ihr Leitsatz ist kein biblischer, aber ein klarer, der auch die Option auf so genannte „Wunder“ nicht ausschließt: „Nichts ist unmöglich – nach dem Motto lebe ich derzeit. Ich bin absolut zuversichtlich, dass ich meinen Weg finden werde.“ Nadine blickt voller Freude in die Zukunft. So viel Gelassenheit in so jungen Jahren mag unüblich sein. Tut aber gut – auch ihren Mitmenschen.

(Originalbeitrag für das Diözesanjahrbuch 2011)

 

  • Mag. Johanna Bainschab arbeitet als freie Journalistin in Klagenfurt