Ordensfrauen in Kärnten

Gedanken von Sr. Pallotti Findenig CPS

Es ist kein Geheimnis, dass wir Ordensfrauen in unserer Diözese Gurk zu einem großen Teil im staatlichen Pensionsalter sind. Wenige von uns sind jünger, außer die Schwestern aus osteuropäischen Ländern oder Übersee.
Welche Botschaft wollen wir vermitteln, was sehen wir als unsere Berufung? Können wir Vorbilder sein in und für unsere älter werdende Gesellschaft, Beispiel eines geglückten Alterns?

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Ordenstag 2014 (© Foto: Pressestelle / Eggenberger)

Vor Gott blühen

Im Morgengebet am Samstag beten wir aus dem Psalm 92: „Sie sind gepflanzt im Hause des Herrn, sie blühn in den Vorhöfen unseres Gottes. Noch im Alter sind sie voll Saft und voll Leben.“ Hier wird nicht gesagt: „Sie leiten Kinderheime, Krankenhäuser oder Schulen, sie mühen sich im Dienst der Caritas, deshalb sind sie wertvoll für unsere Gesellschaft.“ Es heißt: „Sie blühn vor Gott.“ Dürfen wir dies auf uns anwenden? Es gibt ja nicht nur Erdbeeren, die im Frühjahr schon genießbar sind, sondern auch Weintrauben, die im Herbst reif werden...
Generationen von Ordensfrauen vor uns haben die Zeichen der Zeit, die Not der Armen, Kranken, der Kinder, erkannt und gehandelt. Sie haben dies Jahrhunderte hindurch mit solcher Eindringlichkeit und Hingabe getan, bis der Staat seine Aufgabe erkannt hat und nun soziale Einrichtungen betreibt. Die vor Jahrzehnten dafür aufgebauten Institutionen sind für uns jetzt zu groß, brauchen oft mehr Kräfte, als vorhanden sind.

bescheiden, aufopfernd und fromm

Ich denke mit großer Achtung an viele meiner älteren Mitschwestern. Ihre Kennzeichen sind Frömmigkeit, Aufopferung, Bescheidenheit ... Es gibt für sie nur „ora et labora“ – nie dazwischen das Wort „Freizeit“ oder relaxen. Sie kommen mit wenigen Ausnahmen aus religiösen, bäuerlichen Mehrkind-Familien, sind vor dem 2. Weltkrieg geboren. Ihre Brüder besuchten oft Knabenseminare, die ebenso begabten Töchter konnten nicht studieren. Vor dem Klostereintritt war der tägliche Messbesuch vielfach möglich, auch Bedürfnis. Bescheiden – ohne eigenes Einkommen wurde gelebt, den Eltern gehorsam. Der Wechsel in die klösterliche Familie und das Leben mit den drei Gelübden brachte keine große Änderung. Für die Eltern war es zumeist eine große Freude, eine Tochter Gott zu schenken.

Communio mitgestalten

Und unsere wenigen jüngeren Schwestern – vor allem die aus Österreich oder den EU- Staaten? Sie kommen aus einer anderen Generation, aus anderen Milieus. Die Geschwisterzahl ist gesunken, das Verständnis für eine Berufung zum Ordensleben stößt oft auf Unverständnis oder Ablehnung. Sie haben meist einen selbständigen Beruf aufgegeben, ihr Einkommen, auch Partnerschaften. Das Gelübde der Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen gilt für sie ab der Profess. Sie haben ihre eigenen Vorstellungen von Verwirklichung als Ordensfrau. Von daher werden vorhandene Werke nicht selbstverständlich übernommen. Ihr Ziel ist meist Leben inmitten von Menschen, Zeichen für Gott zu sein. Sie stellen sich ein Leben in geschwisterlichem Zusammensein vor, in Kleingemeinschaften mit demokratischer Struktur. Der gemeinschaftliche Aspekt des Christentums, die communio, wird verstärkt als zentrales Moment des Ordenslebens gepflegt. Im Gehorsamsverständnis zeigt sich ein Wandel zu einem Mitgestalten und Mitverantworten.
Gott beruft auch heute Kärntnerinnen zum Ordensleben in in- oder ausländische Gemeinschaften. Hier werden wir auch aus dem Ausland bereichert.
Es war immer die Stärke der Orden, prophetisch die Zeichen der Zeit zu erkennen und ihnen gehorsam zu sein. Zeichen unserer Zeit sind wesentlich die Sinnkrise und Glaubensarmut. So ist unsere Berufung, Sinn und Glauben nicht vor-, sondern noch mehr mitzuleben – aus unserer Liebe, unserer Heimat in Jesus Christus. Dafür brauchen wir nicht unbedingt eine große Anzahl von Schwestern. Es stellt sich nicht die Frage nach alt oder jung, nur nach dem Ergriffensein von Jesus Christus.

Die Freude an Gott ist unser wahrer Schatz

Beim Propheten Habakuk steht „Zwar treibt der Feigenbaum keine Sprossen, am Weinstock ist keine Frucht, ... aber dennoch will ich frohlocken in Jahwe, will jubeln über den Gott meines Heiles.“ Dieses unbeschwerte Leben, die Freude an Gott, das ist unser wahrer Schatz. Als Ordensfrau gehe ich nicht in Pension – weil ich diese nicht durch mein Tun, sondern durch mein Sein bin – und das ist keine Frage des Alters.

Sr. Pallotti Findenig CPS

 

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