Pfarre

Tiffen

Kirche Tiffen

 (© Foto: Pfarrarchiv)
(© Foto: Pfarrarchiv)

Ursprünglich dürfte im Bereich des Kirchhügels von Tiffen ein römerzeitliches Jupiterheiligtum gestanden haben, wovon 2 Votivaltäre an diese Gottheit, jetzt eingemauert in Schloss Lang bei Feldkirchen, zeugen.

Die Kirche ist dem hl. Jakobus dem Älteren geweiht. Zwischen 1060 und 1076 wurde sie erstmals urkundlich als Kirche der Eppensteiner erwähnt. Vor 1206 war sie bereits Pfarre. Es war eine ehemalige Wehrkirche, von einer größeren Anlage umgeben. Auf dem krönenden Kegel südwestlich der Kirche befindet sich ein teilweise schon abgetragener Rundturm mit einigen Scharten. Im Mauerwerk der Kirche und der Befestigung sind außerdem zahlreiche Spolien römerzeitlicher Grabbauten und an der südlichen Außenwand ein Relief mit Pflanzenmotiven sowie ein Relief mit tanzender Mänade zu finden.

Die Pfarrkirche zum Heiligen Jakobus dem Älteren steht, weithin sichtbar, auf dem sogenannten Jakobsfelsen, einem Ausläufer des Gerlitzenzuges.

Sie ist ein im Kern romanischer Bau mit gotisierter, zweischiffiger Halle, Chorturm und einem gotischen Chor. Zwischen 1050 und 1065 wurde sie erstmals erwähnt. Gemäß einer Urkunde des Jahres 1207, mit der der Salzburger Erzbischof den Zehent der Tiffener Pfarre dem Benediktinerkloster Admont übergab, erstreckte sich diese Urpfarre vom Nordufer des Ossiacher See bis zur Engen Gurk. Mauerreste der mittelalterlichen Burg „Tevinia“ und einer spätantiken Befestigung wurden 2002 auf der nahen „Purpelwiese“ entdeckt. An die Chorwand hat Swietbert Lobisser ein Kriegergedächtnisbild gemalt. Alle Dächer sind mit Steinpfannen gedeckt. Diese und eine Reihe weiterer Erneuerungen sind dem ehemaligen Pfarrprovisor Dir. i.R. Prof. Mag. Ignaz Kienzl und der Schar seiner treuen Helfer zu danken. Es gilt als sicher, dass auf dem Tiffener Felsen zur Römerzeit ein Jupiterheiligtum stand. Dem Jupiter ist ein in Tiffen gefundener römerzeitlicher Votivaltar geweiht. Das Relief einer tanzenden Mänade und die Pantherfiguren beim Westportal weisen auf den Dionysoskult hin. Vom Totenkult inspiriert ist auch das Steinbild zweier Hunde, die einen Hasen reißen. In die Mitte der ursprünglich romanischen Langhaushalle wurden kurz nach der Wende zum 16. Jht. n. Chr. drei achteckige Mittelpfeiler samt ihrem prächtigen gotischen Netzrippengewölbe eingebaut. Die Dreipassfelder der Deckenkappen wurden mit 26 farbenprächtigen Figurenbüsten von Kirchenvätern und Heiligen bemalt. Etliche von ihnen sind anhand ihrer Attribute zu identifizieren. Die Bilder der lateinischen Kirchenlehrer Augustinus, Ambrosius, Gregorius und Hieronymus sind mit ihrem Namenszug bezeichnet. Die Apostelkreuze der Langhauswand verdeutlichen das von den Aposteln gelegte geistige Fundament. Über dem Nordportal hängt ein Ölgemälde, das unter dem Namen „Tiffener Auferstehung“ bekannt ist. Hochaufgerichtet steht in der Bildmitte die lichte, schlanke Gestalt des auferstandenen Christus, die Wundmale weisend, aber in ungeminderter Schönheit des Leibes. In der Predella erscheint als Stifter (1530) Leonhard Meichsner, Pfleger zu Tiffen. Meichsner ist auch der Stifter des Wandgemäldes des Chores, auf dem die Anbetung des Kindes dargestellt ist.

Der linke Seitenaltar (1720) ist der Passion Christi gewidmet. In der Altarnische stehen die Gestalten Marias und des hl. Johannes in leidbewegter Gebärde. Drei schwebend gebildete Engel versuchen, Christi Blut in ihren Kelchen aufzufangen. Darunter erstreckt sich eine breite Zone gemalter und plastischer Figuren, die im Fegefeuer als dem Ort der seelischen Qualen mit bittenden Gesten Erlösung erhoffen. Die Kanzel (18. Jht.) ist mit reichem Rokokoschmuck bedeckt. Zwei rundplastische Figürchen weisen auf die vergoldete Mittelkartusche hin, in der ein Kirchlein im Feld an das Feldkirchener Marktwappen erinnert. An der Kanzelrückwand versinnbildlichen die Formen des Kreuzes, Ankers und Herzens die christlichen Grundwerte Glaube, Hoffnung und Liebe. Beim Kanzelaufgang verdient ein gotisches Freskenbild des hl. Georg trotz seines halbzerstörten Zustands Beachtung. Im rechten Seitenaltar vermitteln die seitlichen Zierbögen mit ihren Akanthusrankenformen den Eindruck besonderer Tiefe.

Die Gestalt des hl. Joachim hält den Wurfschaufelstab des Hirten in der Hand. Vom Hirtendasein hat Joachim, der Mann der Mutter Anna und Vater Marias, gelebt. Die linke Seitenfigur ist mit der Mütze des Hohepriesters und einem Weihrauchfass ausgestattet und mit dem Namen hl. Zacharias unterschrieben. Zacharias war der Mann Elisabeths und durch sie ein Verwandter Marias. Die von geschnitzten Silberwolken umsäumte Altarnische wird von einer prächtigen Madonnenfigur eingenommen. Durch Krone, Zepter und die Sichel des Mondes ist Maria nach dem Text der Geheimen Offenbarung als Königin des Himmels charakterisiert. Die Rankenmotive des Triumphbogens gehören zur frühesten frühromanischen Bemalung des Chores. Links erscheint in unnachahmlicher Grazie die hl. Barbara mit dem Turm, rechts die hl. Helena. Diese Fresken werden dem Thomas (Artula) von Villach (um 1440), dem führenden Künstler der Gotik in Kärnten, zugeschrieben. Im gotisierenden Chor betrachtet man der Reihe nach den Dreikönigszug, den Kindermord von Bethlehem, den Abschied von Herodes, den Zug der Drei Könige und ihre Anbetung des Jesuskindes. Das Wandgemälde der Schutzmantelmadonna ist die Arbeit eines friulanischen Malers der Zeit um 1400.

Der Hochaltar wurde als reich dekoriertes Kunstwerk der späten Barockzeit im Typus eines Opfergangaltares errichtet. Das Altarbild ist dem Kirchenpatron Jakobus gewidmet. Zu beiden Seiten glänzen in vergoldeter Fassung die vorzüglichen Schnitzplastiken des Soldatenpatrons Sebastian und des hl. Christophorus, der als Patron der Kraftfahrer verehrt wird. Das Patronat des hl. Jakobus des Älteren ist verständlich, denn die Tiffener Pfarrkirche lag an einem der zahlreichen Pilgerwege, die ins Wallfahrerheiligtum nach Santiago de Compostella führten. Auch der gotische Jakobsaltar, der im Klagenfurter Diözesanmuseum aufbewahrt wird, zeigt geschnitzte Pilgerszenen mit der Sage der Tauben von Tiffen.

HR Dr. Hans Neuhold

Ein Kirchenführer ist auf http://www.rolanddreger.net/static/Tiffen/kirchenfuehrer.html verfügbar.