Pfarre

Molzbichl

Nonnosus- und Pfarrfest in Molzbichl

Sonntag, 04.09.2016

Pfarrer Ernst Windbichler und Dr. Kurt Karpf (© Foto: Andrea Ebner)
Pfarrer Ernst Windbichler und Dr. Kurt Karpf (© Foto: Andrea Ebner)

Die spektakulären Funde und Erkenntnisse der Ausgrabungen in Molbichl führten 1986 zur Gründung des Vereins „Historisches Molzbichl“, dessen Ziel die wissenschaftliche Erforschung des Spittaler Siedlungsraumes ist.

Der Ort Molzbichl gehört zu den historisch bedeutsamsten des Drautals. Er wird 1063 als Mulzpuhil erstmals in einer Quelle genannt. Diese Bezeichnung ist eine in Kärnten häufig vorkommende slawisch-deutsche Doppelbenennung. Das slawische Wort muliti bedeutet hervorgehoben und weist wie das deutsche -bichl auf die erhöhte Lage des Ortes hin. Im frühen Mittelalter führte Molzbichl auch den Namen Münster (Munstiure). Diese Nennung bezieht sich auf das älteste Kloster Kärntens, das im 8. Jahrhundert in Molzbichl zur Missionierung der Alpenslawen errichtet wurde. Dieses auch archäologisch nachzuweisen, war Ziel der seit 1985 in Molzbichl durchgeführten Grabungen.

Nonnosus oder Nonosius (* um 500; † um 532) ist ein christlicher Heiliger, in dessen Vita seit dem 12. Jahrhundert zwei Personen verschmelzen. Jene des Abts des Benediktinerklosters San Silvestre auf dem Monte Soratte im Norden Roms und jene des Scanctus Nonnosus, Diaconus Ecclesiae Tiburniensis, Diakon in Molzbichl in Oberkärnten.

Die lateinische Inschrift auf der Grabplatte lautet: Hic re[quies]/ci(t) servus Χϱ[ι](στου) / Nonnosus diac(onus) /qui vixit annos / p(lus) m(inus) CIII obiit / IIII Non(as) Septemb(res) / et deposit(us) est in / hunc loco XIII Kal(endas) Aug(ustas) indict(ione) XI / tertio (anno) post cons(ulatum) / Lampadi et Ores/tis v(irorum) c(larissimorum) Hier ruht der Diener Christi, der Diakon Nannosus, der ca. 103 Jahre lebte. Er starb am 2. September und wurde am 20. Juli an diesem Ort im elften Jahr der Indikation bestattet, drei Jahre nach dem Konsulat der hochberühmten Männer Lampadius und Orestes.

Die Gebeine des Nonnosus aus Kärnten werden heute in der Krypta des Freisinger Doms aufbewahrt. Nach dem Volksglauben soll es gegen Rückenschmerzen helfen, unter dem Sarg mit den Gebeinen hindurchzukriechen. Nonnosus wird als Patron gegen Gebrechen und Nöte in der Schule verehrt. Der katholische Gedenktag von Nonnosus ist der 2. September.

In Oberkärnten finden sich in der Gegend um Spittal an der Drau mehrere Kirchen mit belegtem Nonnosuskult. Die Kirchen stehen in Molzbichl, in St. Peter in Holz bei Lendorf, bei Berg im Drautal, in Hermagor im Gailtal und der deutschen Sprachinsel Bladen/Sappada.

Aus St. Peter im Holz etwa ist ein Ablassbrief von 1470 erhalten, in welchem all jenen der Nachlass der Sünden versprochen wird, die zu Weihnachten, am dritten Bitttag, zu Peter und Paul, am Tage des heiligen Nonnosus und am Kirchweihtag die Kirche besuchen und für deren Restaurierung spenden.

 Unter den oben genannten Orten der Nonnosusverehrung hat Molzbichl, noch im 11. Jh. als Münster (Munstiûre) bezeichnet und Klostersitz seit dem 8. Jahrhundert, eine besondere Bedeutung. In die Mensa der Kirche, dem Tischteil des Altares, ist eine Grabplatte aus dem 6. Jahrhundert eingemauert, die zu einer Reliquiengrube östlich des frühmittelalterlichen Hochaltars passt. Dieses frühchristliche Zeugnis, die bisher einzige aus dieser Zeit stammende Inschrift in Österreich, erwähnt einen Diakon mit dem Namen Nonnosus, der im Jahre 532 verstarb. Die Grabplatte ist im Altar der Kirche zu sehen.

Seit 1991 betreibt der Verein auch das Museum Carantana, in dem die Funde der Grabungen präsentiert werden. Die Spezialsammlung kann auf hervorragende Kritiken verweisen.

Aus diesem Grund wurde am Sonntag, 4.9.2016, in Molzbichl ein Nonnosusfest und gleichzeitig das Pfarrfest gefeiert.

Am Vorabend fand um 19:30 in der Pfarrkirche ein Vortrag  von  Dr. Franz Glaser und Dr. Kurt Karpf  statt.  Gemeinsam machten sie einen sehr humorvollen  Rückblick auf die vergangenen 30 Jahre.  Sie berichteten von Höhepunkten aber auch von so manchen Tiefschlägen. Gott sei Dank haben sie nie die Begeisterung für ihr Vorhaben verloren.

Pfarrer KR Mag. Ernst Windbichler feierte mit der Pfarrgemeinde am Sonntag  einen Festgottesdienst der vom MGV Liederquell Molzbichl, den Blechdirndln und und dem Kirchenchor Molzbichl musikalisch umrahmt wurde.

Bei herrlichem Wetter wurde anschließend im Pfarrgarten gefeiert. Gulaschsuppe, Kürbissuppe, Ritschert, ein tolles Kuchenbüfett und natürlich die Getränke ließen die Herzen der Besucher höher schlagen.

Ein besonderer Programmpunkt war die historische Fechtvorführung der Condottieri Mauriziani, einer  Mittelaltergruppe. Dem Publikum wurden Schwert- und Dolchkämpfe gezeigt. Die Kinder durften  anschließend selbst  mit den Waffen, unter Anleitung, kämpfen.

 

Andrea Ebner