Segnung der Osterspeisen in St. Ulrich und Poitschach
„Ich bin das Licht der Welt“
Ein Vers aus dem Johannesevangelium stand im Zentrum der Speisensegnung: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis gehen, sondern das Licht des Lebens haben.“ (Joh 8,12)
Wir haben den Weg durch die Fastenzeit zurückgelegt, eine Zeit des Verzichts, hoffentlich auch eine der Besinnung. Heute stehen wir am Ziel dieses Weges: Ostern. Ein Fest des Lichtes nach der Dunkelheit. Ein Fest der Hoffnung nach Zeiten der Unsicherheit.
Auch unsere Speisen sind Zeichen dafür: Brot, Eier, Fleisch. Sie erzählen vom Leben, das wächst, sich entfaltet und neu beginnt. Wenn wir später gemeinsam essen, dann sollte das mehr als ein Brauch sein. Es ist ein Zeichen dafür, dass wir nicht allein sind. Gott geht mit uns durch alles Dunkel hindurch hinein ins Licht.
Wir kennen Dunkelheit; nicht nur die Nacht. Dunkelheit kann Angst sein, Unsicherheit, Streit, Sorgen oder Einsamkeit. Manchmal fühlt sich das Leben schwer an, und wir sehen keinen Ausweg. Doch Ostern sagt uns: Das Dunkel hat nicht das letzte Wort. Die Auferstehung Jesu ist wie ein neuer Morgen. Nach der Nacht kommt der Tag. Nach der Trauer kommt Freude. Nach dem Ende kommt ein neuer Anfang.
Was wir heute segnen, ist deshalb so viel mehr als Tradition. Die Osterspeisen sind ein Zeichen des Lebens.
Das Ei: Von außen hart und verschlossen und doch trägt es neues Leben in sich. Es ist ein starkes Bild für unser eigenes Leben: Manchmal wirkt alles festgefahren. Und doch kann darin Neues erwachsen.
Das Brot: Es entsteht aus vielen Körnern. Kein Korn allein würde genügen. Wir sind aufeinander angewiesen.
Das Fleisch: Wie Wein ein Zeichen der Festfreude, ein Ausdruck dafür, dass das Leben nicht nur Mühe ist, sondern auch Genuss und Dankbarkeit (das soll selbstverständlich kein Seitenhieb auf eine fleischlose Ernährungsweise sein).
Wenn wir glauben, dass Christus auferstanden ist, dann verändert Ostern den Blick auf das Leben: Dann ist kein Scheitern endgültig. Dann ist keine Schuld größer als Gottes Barmherzigkeit. Dann ist kein Weg so dunkel, dass Gott ihn nicht erhellen kann.