Organisation

Jubiläum 950 Jahre Bistum Gurk

Festempfang anlässlich „950 Jahre Bistum Gurk“ auf der Straßburg – Bischof Marketz ruft zu Solidarität mit der Bevölkerung im Gegendtal auf

Em. Bischof Kapellari appelliert für „gutes katholisches Selbstbewusstsein“

Klagenfurt, 1. 7. 22 (pgk). „Wir werden alle unseren Beitrag leisten müssen, um der betroffenen Bevölkerung im Gegendtal beim Wiederaufbau zu helfen“, sagte Diözesanbischof Dr. Josef Marketz heute in seiner Begrüßungsansprache im Rahmen des offiziellen Festempfanges zum Jubiläumsjahr „950 Jahre Bistum Gurk“ auf der Straßburg. Er selbst werde morgen, so Bischof Marketz, gemeinsam mit Superintendent Mag. Manfred Sauer an der Einsatzbesprechung der Ersthelferorganisationen teilnehmen, „um sich gemeinsam über die Hilfsmöglichkeiten der kirchlichen Gemeinschaften zu informieren“. Die Bevölkerung Kärntens werde, so Bischof Marketz, „mit Gottes Hilfe und gemeinsamer Anstrengung auch in Zukunft Herausforderungen stemmen – wie sie es auch während der letzten 950 Jahre schon oft getan hat“.

Der Festempfang auf der Straßburg bildete den Höhepunkt und Abschluss der Jubiläumswoche anlässlich “950 Jahre Bistum Gurk“. Foto: Diözesan-Pressestelle/Eggenberger
Der Festempfang auf der Straßburg bildete den Höhepunkt und Abschluss der Jubiläumswoche anlässlich "950 Jahre Bistum Gurk". Foto: Diözesan-Pressestelle/Eggenberger

Mit Blick auf das Jubiläum „950 Jahre Bistum Gurk“ verwies Bischof Marketz auf den „vielfältigen Dienst der Katholischen Kirche für das Gemeinwohl in Kärnten und darüber hinaus“ hin und würdigte die langjährigen vertrauensvollen und kooperativen Beziehungen zwischen Politik, Verwaltung, Zivilgesellschaft, Kirchen und Religionen in Kärnten. „Gemeinsam ist uns das Engagement für Friede, soziale Gerechtigkeit, den Erhalt der Umwelt und bei der Vermittlung spiritueller Antworten auf die Sinnsuche der Menschen. Gemeinsam wollen wir auch in Zukunft Frieden und Gerechtigkeit, die Bewahrung der Schöpfung und die Solidarität mit den Ärmsten ermöglichen und jeder seinen Teil dazu beitragen“, sagte Bischof Marketz.
Der Festakt bildete nach dem Festgottesdienst mit dem Vorsitzenden der Österreichischen Bischofskonferenz und Salzburger Erzbischof, Dr. Franz Lackner, am vergangenen Sonntag und dem Hemmafest mit dem Erzbischof aus der Partnerdiözese Sarajewo, Dr. Tomo Vukšić, am vergangenen Montag den Höhepunkt und Abschluss der Jubiläumswoche anlässlich des 950-jährigen Bestehens des Bistums Gurk, des zweitältesten Bistums Österreichs. Rückblickend auf die Jubiläumswoche erinnerte der Kärntner Bischof ein weiteres Mal an die Landesmutter und Schutzfrau von Kärnten, die hl. Hemma. „Sie ging nicht in erster Linie als große Gräfin und Grundbesitzerin in die Geschichte Kärntens ein, sondern als gläubige Frau mit einer liebenden Beziehung zu der ihr anvertrauten Bevölkerung und einer offenen Hand für die Bedürftigen“. Ihre Bescheidenheit und Nächstenliebe würden, so der Kärntner Bischof, „Vorbild und Auftrag bleiben“. Bischof Marketz verwies darauf, dass die Katholische Kirche die älteste Institution in diesem Land sei und für dieses Land auf vielfältige Weise belebend gewirkt habe.

Der ehemalige Gurker und nunmehrige emeritierte Grazer Diözesanbischof Dr. Egon Kapellari rief in seinem Festvortrag zu einem „guten katholischen Selbstbewusstsein“ auf. Das Jubiläum falle in eine Zeit, „die zum Jubel weltweit nur wenig Anlass bietet, wohl aber zu dankbarer Erinnerung an das, was viele unserer Vorfahren an Gutem zuwege gebracht haben“, so Bischof Kapellari. Zugleich dürfe aber auch „das Dunkle, das Böse in der Geschichte der Menschheit und auch der Christenheit nicht ausgeblendet werden“.
Über Geschichte zu lernen, zu lehren und daraus Konsequenzen zu ziehen sei ein Dauerauftrag an die gesamte Zivilgesellschaft. Medien, Wissenschaften und Politik, aber auch Kirchen und andere Religionsgemeinschaften sollten „einander ergänzend oder auch widersprechend auf je ihre Weise beitragen“. Eine intensive Befassung mit der Geschichte dürfe aber gerade heute nicht bei der Vergangenheit stehen bleiben, sondern müsse sich, so der ehemalige Kärntner Bischof, „ebenso und noch mehr der Gegenwart und der Zukunft zuwenden“.
Die Kirchen und zumal die katholische Kirche würden heute in den deutschsprachigen Ländern auf verschiedensten Ebenen „ungemein viel dazu beitragen, ihre ganze eigene Gemeinschaft und die ganze sie umgebende Zivilgesellschaft zu stützen und zu beleben“. Es gebe daher gerade auch hier Grund zu einem guten katholischen Selbstbewusstsein und Grund, dies auch öffentlich zu sagen. Dieses katholische Selbstbewusstsein sei freilich beeinträchtigt durch die schrecklichen Verfehlungen kirchlicher Verantwortlicher unter dem Generalthema Missbrauch, räumte Kapellari ein. Es sei aber auch beeinträchtigt durch die bekannten Spannungen zwischen Positionen, die man - meist zu oberflächlich - als progressiv oder konservativ bezeichnet. „In Wahrheit müsste man tiefer denken und tiefer graben, um zu den Quellen eines wirklich lebendigen und faszinierenden Glaubens zu gelangen“, zeigte sich Bischof Kapellari überzeugt. Kapellari zitierte in diesem Zusammenhang den deutschen Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel: „Das Wahre ist das Ganze.“ Die Offenheit für das immer ersehnte, aber nie erreichte Ganze würde alle Suchenden und auch Streitenden in der Kirche positiv verändern, so Kapellari.
In einer Zeit, in der es weltweit und auch im deutschsprachigen Raum so viele Gleichgewichtsstörungen und Krisen, aber auch so viele neue Ideen und Kräfte gegen alle Resignation gebe, könne man gerade auch als Kirche trotz allen Abbrüchen und allem Versagen bekennen: „Die Kirche lebt, weil sie ein Werkzeug des lebendigen Gottes ist.“
Der emeritierte Bischof kam schließlich in seinem Festvortrag auch auf Papst Franziskus zu sprechen. Inmitten des heutigen labilen Weltpanoramas sei dieser einerseits eine eminent politische Gestalt und als solche ein „Big Player“; andererseits aber vor allem auch ein großer Beter, ein „Big Prayer“. Niemals habe Papst Franziskus dies eindrucksvoller und bewegender aller Welt gezeigt, als in der Zeit der Pandemie, „als er an der Tür des Petersdoms den völlig menschenleeren Petersplatz vor ihm und die leere Kirche hinter ihm mit einer Monstranz und der in ihr geborgenen konsekrierten Hostie, also dem eucharistischen Jesus Christus in Brotgestalt, gesegnet hat und damit die ganze Kirche, ja die ganze Welt segnen wollte“, so Kapellari.
Der ehemalige langjährige Diözesanarchivar Univ.-Doz. Dr. Peter Tropper, der anlässlich des Jubiläums das Buch „950 Jahre Bischöfe von Gurk. Die Bischöfe, Administratoren, Weihbischöfe und Generalvikare in Lebensbildern“ herausgegeben hat, gab in seinem Vortrag einen kurzen Rückblick auf die Geschichte des Bistums Gurk sowie dessen kirchliche Entscheidungsträger von der Gründung des Bistums bis in die unmittelbare Gegenwart.

Grußworte sprachen SPÖ-Klubobmann Herwig Seiser in Vertretung von Landeshauptmann Dr. Peter Kaiser, die St. Veiter Bezirkshauptfrau Dr. Claudia Egger-Grillitsch und der Straßburger Bürgermeister Franz Pirolt. An dem Festempfang auf der Straßburg nahmen zahlreiche Repräsentantinnen und Repräsentanten des kirchlichen – unter ihnen Superintendent Mag. Manfred Sauer, Vertreter des Gurker Domkapitels sowie Aufsichtsrat und Geschäftsführung des Bistums Gurk – und des öffentlichen Lebens teil. Musikalisch umrahmt wurde der Festempfang (Moderation: Stiftspfarrer Msgr. Mag. Gerhard Christoph Kalidz) mit anschließender Agape im Innenhof vom Kirchenchor Straßburg und dem MGV Straßburg unter der Gesamtleitung von Karl Pöcher, Salutempfang durch das Bürgerkorps Straßburg.