Organisation

Fest der Barmherzigkeit

Predigt von Erzbischof Pedro López Quintana, Ap. Nuntius in Österreich, anlässlich des 10. Festes der Göttlichen Barmherzigkeit in Wolfsberg

12. April 2026 - Predigt im Wortlaut

Liebe Brüder und Schwestern,

als Erstes möchte ich meine große Freude darüber zum Ausdruck bringen, hier bei euch in dieser schönen Markuskirche in Wolfsberg zu sein. Einen herzlichen Ostergruß an alle, die an dieser Eucharistiefeier zum zehnten Jahrestag des Festes der Göttlichen Barmherzigkeit teilnehmen. Ich danke eurem lieben Herrn Pfarrer Dr. Christoph Kranicki, der mich eingeladen hat, diese Eucharistiefeier zu zelebrieren. Der Heilige Vater Leo ist heute durch mich, seinen Vertreter in eurem Land, unter euch gegenwärtig. Ich übermittle euch die Liebe und Nähe unseres Heiligen Vaters und erteile euch zugleich seinen apostolischen Segen. Möge unser Herr Jesus Christus, der Sieger über Sünden und Tod, euch Liebe und seinen Frieden schenken, möge sein Licht in eurem Leben leuchten.

Heute feiern wir eines der hoffnungsvollsten Feste der Kirche: Den Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit, der vom Papst Johannes Paul II. eingeführt wurde, der uns daran erinnerte, dass Gottes Liebe stärker ist, als jede Sünde, jede Wunde und jedes menschliche Versagen.

Im Evangelium sehen wir die Jünger, die sich voller Angst im Abendmahlsaal eingeschlossen haben. Die Türen sind verschlossen. Doch Jesus tritt ein. Es gibt keine Barriere, die Gottes Barmherzigkeit aufhalten kann. Und das Erste, was er sagt, ist kein Vorwurf, sondern: „Friede sei mit euch!“. Das ist grundlegend: Jesus kommt nicht um zu verurteilen, sondern um zu heilen. Die zentrale Botschaft dieses Tages, übermittelt durch die hl. Faustyna, ist klar: „Gott wird nie müde zu vergeben. Wir sind es, die müde werden, um Vergebung zu bitten.“ Manchmal denken wir: „Gott kann mir das nicht mehr vergeben“, oder: „Ich habe zu oft versagt“. Doch Gottes Barmherzigkeit kennt keine Grenzen. Sie ist wie ein unendlicher Ozean, in dem unsere Fehler nur ein Tropfen sind.

Im Evangelium, das wir eben gehört haben, tritt Thomas auf, voller Zweifel. Er will sehen, um zu glauben. Jesus weist ihn nicht zurück, im Gegenteil, er spricht ihn direkt an. Das lehrt uns was Tiefgründiges, dass Jesus Geduld mit unserem Zweifel hat. Und als Thomas ihn schließlich anerkennt „Mein Herr und mein Gott“, sehen wir die Frucht der Begegnung mit der Barmherzigkeit.

Jesus hauchte die Jünger an und gibt ihnen einen Auftrag: Sünden zu vergeben. Das bedeutet, dass Barmherzigkeit nicht nur ein Geschenk für uns ist, sondern eine Aufgabe: Denen zu vergeben, die uns verletzt haben, keinen Groll zu hegen, um Werkzeuge des Friedens zu sein – diesen Frieden, den unsere Welt so dringend braucht. Ein Frieden, der auf Barmherzigkeit und Vergebung gründet, niemals aufbricht. Denn wir können keine Barmherzigkeit empfangen, wenn wir sie gleichzeitig anderen verweigern.

Wir alle wissen, dass der zentrale Satz der Barmherzigkeit Gottes lautet: „Jesus, ich vertraue auf dich!“. Vertrauen bedeutet nicht, dass alles leicht sein wird, sondern dass Gott wirkt, auch wenn wir es nicht verstehen. Auch heute tritt Jesus durch die verschlossene Türe unseres Lebens. Er tritt ein in unsere Ängste, unsere Schuld, unsere Wunden und er sagt uns: „Fürchtet euch nicht! Vertraut auf mich!“

Brüder und Schwestern!

An diesem ganz besonderen Tag lass uns ohne Furcht, auf Gottes Vergebung zugehen. Lass uns zulassen, dass er unsere Herzen heilt und lass uns, uns Geliebten, andern gegenüber barmherzig zu sein. Möge die Botschaft – das Licht der Hoffnung, die uns die Göttliche Barmherzigkeit vermittelt, sich in der ganzen Welt verbreiten, die Sünder zur Umkehr bewegen, Rivalitäten und Hass beseitigen und die Menschen und Völker für die wahre Brüderlichkeit öffnen.

Richten wir gemeinsam mit Maria, der Mutter der Barmherzigkeit, unseren Blick auf das Antlitz des auferstandenen Christus. Machen wir uns das Gebet der vertrauensvollen Hingabe zu eigen, das wir sagen mit fester Hoffnung: Jesus Christus, ich vertraue auf dich! Frohe Ostern! Amen.