Wo Hilfe ankam und Dankbarkeit blieb
Als die Erde vor 50 Jahren in Friaul bebte, war die Caritas Kärnten mit Hilfe für die verzweifelten Menschen schnell zur Stelle. Gleichzeitig schlug die Geburtsstunde ihrer Auslandshilfe.
„Für uns Friulaner*innen war es ein traumatisches Erlebnis.“ So beginnt die Erinnerung von Sara Berra aus dem kleinen Dorf Vallemontana, einem Ortsteil der Gemeinde Nimis/Udine, an das verheerende Erdbeben vom 6. Mai 1976, das ihr Leben und das einer ganzen Region für immer veränderte. Sie war damals erst drei Jahre alt. Und dennoch ist der Hauch einer Erinnerung geblieben: an die ersten Nächte im Auto, Monate in Zelten, viele Kinder, die eng beieinander lebten. Vieles kennt sie aus den Erzählungen ihrer Eltern. Die Auswirkungen des Bebens prägten Sara Berras Kindheit nachhaltig.
„Das Friaul dankt und vergisst nicht“
Ihre Familie war wenige Jahre zuvor aus Australien zurückgekehrt und hatte das Haus gerade renoviert. „Innerhalb eines Augenblicks war alles unbewohnbar, wir mussten von Grund auf neu anfangen“, erinnert sich Sara Berra. In ihrem kleinen Dorf hatten fast alle Häuser Schäden erlitten, manche wurden abgerissen und neu gebaut, andere mühsam renoviert. Nach Monaten in Zelten und später in Fertighäusern konnte ihre Familie Anfang 1978 zurückkehren. Was blieb – neben der Angst – war vor allem eines: Dankbarkeit. Sara Berra: „Insbesondere die Caritas Kärnten half unserer Familie, indem sie uns das Dach für unser Haus spendete. Diese Hilfe werden wir nie vergessen. Meine Mutter erinnert sich noch gut an den damaligen Direktor Viktor Omelko.“ Noch heute bewahre die Familie die Plakette, die die Caritas ihr damals als Zeichen der Solidarität geschenkt habe, wie einen Schatz auf. „Il Friul al ringrazie e nol dismentee – Das Friaul dankt und vergisst nicht“, sagt sie. Und dieses Erinnern gibt sie heute an ihre Töchter weiter.
256 Häuser, ein Kindergarten und zwei Altersheime wurden errichtet
Am Abend des 6. Mai 1976 bebte die Erde in Friaul genau eine Minute lang – mit verheerenden Folgen: 989 Tote, rund 1.000 Schwerverletzte und etwa 80.000 obdachlose Menschen. Ganze Orte wie Gemona, Venzone und Osoppo wurden zerstört. Der damalige Direktor der Caritas Kärnten, Viktor Omelko, erlebte das Ereignis aus Südtirol: „Ich saß bei einer Caritas-Direktorenkonferenz in Neustift bei Brixen. Selbst dort hat die Erde spürbar gebebt.“
Bereits am nächsten Tag reagierte die Caritas: Eine Soforthilfe von einer Million Schilling wurde beschlossen. Fünf Tage später reiste Omelko nach Friaul. Die Eindrücke bezeichnet er rückblickend als „zutiefst bedrückend“: zerstörte Häuser, verzweifelte Menschen. Rasch wurde klar, was es brauchte – dauerhaften Wohnraum. Zelte waren keine Lösung für immer. Mit Unterstützung engagierter Fachkräfte und vieler Ehrenamtlicher wurden ausrangierte ÖBB-Waggons zu Wohnraum umgebaut; parallel entstand ein nachhaltiges Wohnbauprogramm. Insgesamt investierte die österreichische Caritas – mit Unterstützung der Bundesregierung – rund 81 Millionen Schilling und errichtete 256 Häuser, einen Kindergarten und zwei Altersheime. Das Prinzip: Hilfe zur Selbsthilfe. Mit nur fünf fixen Mitarbeitenden legte die Caritas Kärnten damals den Grundstein für eine professionelle Auslandshilfe – maßgeblich mitgetragen von Freiwilligen wie Franz Jesche, Anton Smolak und Peter Quendler, der später über viele Jahre die Auslandshilfe der Caritas Kärnten prägen sollte.
Hilfe zur Selbsthilfe
Gegenwärtig knüpft die Auslandshilfe der Caritas Kärnten an diese Wurzeln an. Deren Bereichsleiterin Alexandra Blattnig‑Rull sagt: „Die Kärntner Auslandshilfe steht heute für gezielte, nachhaltige Unterstützung von Menschen in besonders herausfordernden Lebenssituationen. Mit langfristigen Partnerschaften und konkreten Projekten in Uganda, Kenia und im Kosovo leisten wir Hilfe zur Selbsthilfe – dort, wo Solidarität über Grenzen hinweg gebraucht wird. Was unter dem engagierten Wirken von Peter Quendler begonnen hat, ist zu einer verlässlichen und verantwortungsvollen Form der Hilfe geworden.“
Katastrophenhilfe bleibt Kernauftrag der Caritas
Der Direktor der Caritas Kärnten, Ernst Sandriesser, wird mit Bischof Josef Marketz und seinem Vorvorgänger Omelko bei den Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag des Erdbebens am 3. Mai in Gemona sein. Sandriesser schlägt den Bogen vom Gestern ins Heute: „Im Alter von neun Jahren bin ich im Sommer 1976 durchs Kanaltal gefahren. Ich werde die Bilder der zerstörten Häuser und die verzweifelten Gesichter der Menschen nie vergessen.“ Katastrophenhilfe ist für die Caritas Kärnten bis heute ein zentraler Auftrag. „Es braucht Mut zum raschen Handeln, die Unterstützung hilfsbereiter Menschen und Ausdauer. Die Dankbarkeit der Menschen auch noch 50 Jahre später beweist den Erfolg unserer Arbeit“, so Sandriesser. Fünf Jahrzehnte nach dem Beben ist klar: Die Solidarität von damals strahlt in Friaul und weit darüber hinaus bis ins Heute.
Aus Dankbarkeit von gestern entsteht Hilfe für morgen: Spenden Sie für die Auslandshilfe der Caritas Kärnten!
Caritas-Spendenkonto:
Kärntner Sparkasse IBAN: AT40 2070 6000 0000 5587
Kennwort Auslandshilfe
oder online https://www.caritas-kaernten.at/weltweite-hilfe
Lesung „Das Beben kam in der Nacht – Friaul vor 50 Jahren“
Eine Lesung am 5. Mai 2026, 19.30 Uhr, Diözesanhaus Klagenfurt, Tarviser Straße 30; Texte und Töne nach dem Buch „Rombo“ von Esther Kinsky; mit Max Müller, Werner Freudenberger, Helga Suppan, Ania Konarzewski und Alenka Piotrowicz (Cello); Voranmeldung: Telefon 0463/5877-2502 oder sonntag@kath-kirche-kaernten.at