Eiseskälte: Die Lage in der Notschlafstelle spitzt sich dramatisch zu
Die klirrende Kälte trifft obdachlose Menschen mit voller Härte. Die Notschlafstelle (NOST) der Caritas im „Eggerheim“ in Klagenfurt platzt aus allen Nähten. Die Stadt reagiert darauf mit einem Notfallplan. Caritasdirektor Ernst Sandriesser begrüßt die Maßnahmen, fordert jedoch von der öffentlichen Hand eine nachhaltige Lösung für die Zukunft und bittet die Bevölkerung um Spenden.
„Während die meisten von uns in warmen Wohnungen die Heizung höher drehen, kämpfen Menschen ohne eigenes Zuhause ums nackte Überleben. Für sie bedeutet Kälte nicht bloß Unbehagen. Sie bedeutet Gefahr, Erfrierungen, schwere Erkrankungen, lebensbedrohliche Unterkühlungen: Jede Nacht kann zur letzten werden“, ist Katrin Starc, Fachbereichsleiterin der Wohnungslosenhilfe der Caritas Kärnten alarmiert. Aufgrund der tiefen Temperaturen in diesen Tagen ist der Andrang in die Wohnungslosentagesstätte Eggerheim mit angeschlossener Notschlafstelle (NOST) in Klagenfurt enorm. Die NOST bietet Platz für 30 Männer und für zehn Frauen. „In der NOST waren zuletzt alle Betten bis auf den letzten Platz belegt. Mehr noch: In der Nacht auf Donnerstag musste ein obdachloser Mann sogar in der Tagesstätte schlafen, weil es sonst keinen Platz gab“, so Starc. Die Caritas habe im Auftrag der Stadt bisher jeden notleidenden Menschen aufnehmen und versorgen können. Jetzt platzt das Eggerheim und die Notschlafstelle aus allen Nähten, weshalb die Caritas mit der Stadt Klagenfurt einen Notfallplan erarbeitet hat.
Notfallplan bereits in Kraft
Demnach werden in einem ersten Schritt obdachlose Frauen im „Hilda Schärf Heim“ der Volkshilfe versorgt. Dadurch können zusätzlich zehn Männer in der Caritas-Notschlafstelle übernachten. Außerdem wurde bereits diese Nacht im Jugend- und Familiengästehaus Klagenfurt Raum für weibliche Kälteopfer zur Verfügung gestellt. Reichen die 40 Betten für Männer in der Notschlafstelle nicht aus, dann wird das Gemeindezentrum Waidmannsdorf für obdachlose Männer geöffnet. Bürgermeister Christian Scheider betont die besondere Verantwortung der Landeshauptstadt: „Klagenfurt ist im gesamten Bundesland die wichtigste Anlaufstelle für obdachlose Menschen. Andere Kärntner Städte wie Villach oder Völkermarkt haben keine Notschlafstellen. Wir decken hier den Bedarf für ganz Kärnten ab. Ich appelliere daher eindringlich an das Land Kärnten, diese Verantwortung wahrzunehmen und dafür zu sorgen, dass obdachlose Menschen möglichst nah in ihren Bezirken versorgt werden können.“
Mehr Unterstützung von Gemeinden und Land Kärnten nötig
Caritasdirektor Ernst Sandriesser appelliert an die Politik: „Die aktuelle Situation kommt nicht überraschend. Hatten wir im Eggerheim in den letzten fünf Jahren noch 600 Besucher*innen pro Jahr, so sind es jetzt über 1000! Und das bei stagnierender öffentlicher Unterstützung. Wir sind Schlusslicht in Österreich. Klagenfurt allein wird es nicht schaffen. Gemeinden und Land Kärnten müssen uns mehr unterstützen.“ Städte und Gemeinden haben in Kärnten aufgrund ihrer Daseinsvorsorgepflicht die Aufgabe, Notunterkünfte in Kooperation mit Trägerorganisationen wie der Caritas zur Verfügung zu stellen. Sandriesser: „Unsere Sozialarbeiter*innen im Eggerheim vermitteln sehr erfolgreich Wohnungen. Aber jetzt gehen uns die Wohnungen und die Mittel aus, die laut Kärntner Sozialhilfegesetz für Notunterkünfte wie das Eggerheim bereitgestellt werden müssen. Weniger als die Hälfte des notwendigen Budgets für Eggerheim und NOST erhalten wir von der öffentlichen Hand!“
Caritas bittet Bevölkerung weiterhin um Unterstützung
Um obdachlose Menschen mit dem Nötigsten versorgen und sie auf dem Weg zurück ins Leben mit einer eigenen Wohnung begleiten zu können, ist die Caritas Kärnten auch dringend auf Spenden angewiesen. Sandriesser: „Ich bin dankbar, dass uns die Bevölkerung unterstützt. Jede Spende, ob groß oder klein, hilft uns dabei, warme Kleidung und Schlafsäcke auszugeben, die Versorgung mit warmem Essen sicherzustellen und Menschen in akuter Gefahr zu schützen! Die Nächte sind bitterkalt, die Not von Menschen, die bei uns Schutz und Hilfe suchen, ist sehr groß. Bitte helfen Sie obdachlosen Menschen jetzt!“
Spendenkonto:
Caritas Kärnten
IBAN AT40 2070 6000 0000 5587
Spendenzweck: Wohnungslosenhilfe
oder online: https://www.caritas-kaernten.at/obdachlosigkeit