Geistlich.leben(s).lang - teilen, was nährt
Studientag der ARGE Altenpastoral 2026
Am Donnerstag, dem 11. Juni 2026 trafen sich über 70 Mitarbeiter:innen der Altenheim- und Krankenhausseelsorge zu einem Studientag auf Schloss Seggau unter dem Titel "Geistlich.Leben(s)lang teilen, was nährt“.
Die Impulsreferate hielten der steirische Superintendent Wolfgang Rehner und Weihbischof Johannes Freitag.
Eine synodale Kirche, von der Papst Franziskus gesprochen hat und den synodalen Prozess in Gang gesetzt hat, muss eine hörende Kirche sein, wobei Hören mehr bedeutet als bloßes Zuhören. Es geht dabei um eine HALTUNG – eine Haltung des Herzens.
Dass diese Haltung immer auch einen Nährboden braucht und alle in der Seelsorge stehenden sich immer wieder geistlich nähren sollen, ist Grundvoraussetzung. Ich muss mich selbst immer wieder fragen, wie mein Leben schmeckt, was mich nährt, was mir Kraft gibt, um bei den Menschen zu sein. Superintendent Wolfgang Rehner sprach von Seelsorge als „Kirche konkret“ und ließ uns Teilnehmende mit kleinen Übungen und in Kleingruppen über das, was uns nährt, in Austausch treten.
Mit Fragen: „Welche Erinnerung hast du an den Geschmack deiner Kindheit, was ist mein Hunger heute, was ist das Aroma meines Lebens? … kamen wir in die eigene Auseinandersetzung mit unseren Kraftquellen.
Der Lyriker Erich Fried hat im Gedicht „Aufhebung geschrieben: Sein Unglück ausatmen können, so dass man wieder einatmen kann“… und in einem Buch von P. David Steindl-Rast lese ich gerade, dass es oft gut tut, (in Gemeinschaft) seine Last auszuseufzen“.
Auch Bibelworte können Nahrung für die Seele sein, besonders, wenn es nicht verzweckt ist und nur für mich in diesem Augenblick bestimmt ist. Wie es im Buch Ezechiel heißt: „Er sagte zu mir: Menschensohn, iss, was du vor dir hast, iss diese Rolle, dann geh, rede zum Haus Israel“ (Ez 3,1-3). Der Prophet soll also Gottes Wort symbolisch vollständig aufnehmen und verinnerlichen, bevor er sie an das Volk Israel weitergeben kann.
Das Brot des Glaubens will geteilt werden, so wird es vermehrt.
Auch Weihbischof Johannes Freitag sprach in seinem Impuls vom Leben in der Gegenwart Gottes, aus der niemand ausgeschlossen ist und alles zu einem Ort der Gottesbegegnung werden kann. Es braucht keine Aufteilung der verschiedenen Lebensbereiche, weil Gott immer schon da ist – bei uns allen, die wir Suchende sind. Er zitierte Bruder Lorenz (16. JH), einem Vorbild für Papst Leo, der als einfacher Koch und Schuster in seiner Klostergemeinschaft gewirkt hat und Gott in diesen Tätigkeiten erfahren hat.
Am Nachmittag kamen wir in Tischgruppen in ein „Geistlich-synodales Gespräch über das, was den Einzelnen nährt, was unsere Kraftquellen sind. Diese Form des Gespräches bedarf der Übung, weil wir trotz geübter Rolle des Zuhörenden als Seelsorger und Seelsorgerin doch immer wieder das Gesagte eines Gesprächspartners zeitnah kommentieren oder ergänzen wollen und nicht erst nach dem Beitrag einer ganzen Gruppe. Es ist spannend und herausfordernd, sich immer wieder auf diesen Prozess einzulassen und in der eingangs erwähnten Haltung des Herzens ganz präsent zu sein.
Sabine Kämmerer, Altenheimseelsorgerin Villach