Durst kommt oft zu spät
Was Hitze mit dem Körper älterer Menschen macht
Während junge und gesunde Menschen hohe Temperaturen meist noch gut verkraften, können anhaltende Hitzetage für ältere Menschen zu einer ernsthaften gesundheitlichen Gefahr werden. Darauf weist Oberärztin Dr. Patricia Walentiny, Leiterin des Departments für Akutgeriatrie und Remobilisation am Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt, hin.
Das Krankenhaus ist als altersfreundliches Krankenhaus zertifiziert und beschäftigt sich intensiv mit den besonderen Bedürfnissen älterer Menschen.
Flüssigkeitsmangel als häufigstes Problem
„Mit Flüssigkeitsmangel“, antwortet Dr. Walentiny auf die Frage, womit ältere Menschen an heißen Tagen am häufigsten zu kämpfen haben. Bereits ein geringer Mangel an Flüssigkeit könne Symptome wie trockene Schleimhäute und Mundtrockenheit verursachen.
Sinkt der Flüssigkeitsgehalt des Körpers um nur ein bis zwei Prozent der Körpermasse, treten häufig erste Beschwerden auf. Dazu zählen:
- Schwäche und Leistungsminderung
- Schwindel und Unsicherheit beim Gehen
- Konzentrationsprobleme
- Verwirrtheit und Apathie
- eine erhöhte Sturzgefahr
„Das Durstgefühl setzt bei älteren Menschen oft erst ein, wenn bereits eine Dehydrierung vorliegt“, erklärt die Fachärztin.
Wenn Flüssigkeitsmangel lebensgefährlich wird
Eine starke Dehydrierung kann lebensbedrohliche Folgen haben. Mögliche Warnzeichen sind:
- plötzlicher Gewichtsverlust
- Blutdruckabfall
- Herzrasen
- Krampfanfälle
- Thrombosen
- Kreislauf- und Nierenversagen
Auch das Herz wird durch Hitze und Flüssigkeitsmangel zusätzlich belastet. Das Blut wird zähflüssiger, wodurch das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle steigt.
Wie viel sollten ältere Menschen trinken?
Als Richtwert empfiehlt Dr. Walentiny etwa 30 Milliliter Flüssigkeit pro Kilogramm Körpergewicht und Tag. Ein Mensch mit 70 Kilogramm Körpergewicht sollte demnach rund 2,1 Liter Flüssigkeit aufnehmen.
An sehr heißen Tagen mit Temperaturen von über 30 Grad Celsius steigt der Bedarf deutlich an. Dann seien ein bis zwei Liter zusätzlich ratsam.
Ausnahmen gelten jedoch für Menschen mit Herzschwäche oder bestimmten Nieren- und Lebererkrankungen. Hier sollte die Trinkmenge unbedingt mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt abgestimmt werden.
Diese Getränke sind besonders geeignet
Empfohlen werden:
- Trink- und Mineralwasser
- verdünnte Fruchtsäfte
- Kräuter- und Früchtetees
- wasserreiche Lebensmittel wie Melonen, Gurken, Paradeiser, Suppen und Milchprodukte
Entgegen früheren Annahmen tragen auch Kaffee und Tee zur täglichen Flüssigkeitsversorgung bei.
Warum verspüren ältere Menschen weniger Durst?
Mit zunehmendem Alter verändern sich die Sinneswahrnehmungen. Die Signale, die dem Gehirn den Flüssigkeitsbedarf melden, funktionieren nicht mehr so zuverlässig wie in jungen Jahren.
„Die Sensoren melden häufig zu früh, dass der Flüssigkeitsbedarf bereits gedeckt sei“, erklärt Dr. Walentiny.
Ihr praktischer Tipp:
„Stellen Sie sich die Trinkration für den gesamten Tag bereits morgens sichtbar und griffbereit bereit. Variieren Sie Ihre Getränke und planen Sie bewusst Trinkzeiten ein.“
Besondere Vorsicht bei Hitze
Gerade während längerer Hitzeperioden sollten ältere Menschen einige wichtige Regeln beachten:
- ausreichend trinken
- direkte Mittagshitze meiden
- Wohnräume kühl halten
- regelmäßig für Abkühlung sorgen
- körperliche Anstrengungen in die Morgen- oder Abendstunden verlegen
Durch den Verlust von Flüssigkeit und Salzen kann der Körper mehr Wärme aufnehmen, als er durch Schwitzen wieder abgeben kann. Die Folge können Hitzestau oder sogar ein Hitzschlag sein.
„Für ältere Menschen kann dies lebensbedrohlich werden“, warnt Dr. Patricia Walentiny.
Auf einen Blick
Warnzeichen einer Dehydrierung:
✓ trockener Mund
✓ Schwindel
✓ Müdigkeit
✓ Verwirrtheit
✓ Herzrasen
✓ dunkler Urin
✓ Unsicherheit beim Gehen
Gerade in den Sommermonaten gilt daher: Nicht erst trinken, wenn der Durst kommt. Denn Durst kommt im Alter oft zu spät.
Zur Person
OÄ Dr. Patricia Walentiny
Fachärztin für Innere Medizin und Geriatrie sowie Leiterin des Departments für Akutgeriatrie und Remobilisation am Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt