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Sepsis: Wenn die Abwehr zum lebensbedrohlichen Problem wird

Zum Welt-Sepsis-Tag am 13. September informieren Kärntner Ordensspitäler über Warnzeichen, schnelle Behandlung und mögliche Langzeitfolgen

Eine zunächst scheinbar begrenzte Infektion kann innerhalb weniger Stunden lebensbedrohlich werden: Bei einer Sepsis, umgangssprachlich auch Blutvergiftung genannt, gerät die körpereigene Abwehrreaktion außer Kontrolle. Dabei können Gewebe und lebenswichtige Organe geschädigt werden. Zum Welt-Sepsis-Tag am 13. September macht Prim. Priv.-Doz. Dr. Michael Zink, Vorstand der Abteilungen für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder St. Veit/Glan und am Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt, auf die Bedeutung des raschen Erkennens aufmerksam.

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Symbolfoto: (Bild von Mirko Sajkov von Pixabay)

Infektionen können sich rasch zuspitzen

Eine Sepsis ist keine eigenständige Infektion, sondern die lebensbedrohliche Folge einer fehlgesteuerten Immunantwort. Auslöser können grundsätzlich verschiedene Infektionen sein. Besonders häufig stehen Lungenentzündungen, Harnwegsinfektionen oder Infektionen im Bauchraum dahinter. Auch ein Darmdurchbruch mit anschließender Infektion kann eine schwere Sepsis auslösen.

„Die eigentliche Gefahr ist nicht allein die Infektion, sondern die Reaktion des Körpers darauf“, erklärt Zink. Das Immunsystem reagiert bei einer Sepsis so heftig und fehlgesteuert, dass die Abwehrreaktion selbst Gewebe und Organe schädigen kann. Im schlimmsten Fall kommt es zu einem Kreislaufzusammenbruch oder zum Versagen lebenswichtiger Organe.

Warnzeichen ernst nehmen

Die Symptome einer Sepsis sind nicht immer eindeutig. Zu den möglichen Warnzeichen zählen hohes Fieber oder auch Untertemperatur, Schüttelfrost, schneller Puls, niedriger Blutdruck, beschleunigte Atmung und starke Schwäche. Besonders bei älteren Menschen kann eine plötzlich auftretende Verwirrtheit ein wichtiges Alarmsignal sein.

Bei einer raschen Verschlechterung des Allgemeinzustandes in Verbindung mit Atemnot, Kreislaufproblemen oder Verwirrtheit sollte nicht zu Hause abgewartet werden. Bei akuter Lebensgefahr ist unverzüglich die Rettung unter 144 zu verständigen.

Jede Stunde zählt

Die im März 2026 veröffentlichten internationalen Leitlinien der „Surviving Sepsis Campaign“ betonen die Bedeutung einer schnellen Behandlung. Bei septischem Schock sowie bei wahrscheinlicher oder gesicherter Sepsis wird eine sofortige Antibiotikatherapie empfohlen, möglichst innerhalb einer Stunde. Bei zunächst möglicher Sepsis ohne Schock soll rasch abgeklärt und bei erhärtetem Verdacht innerhalb von drei Stunden mit der Antibiotikatherapie begonnen werden.

Je nach Schwere der Erkrankung können zusätzlich Flüssigkeit, kreislaufstabilisierende Medikamente, Beatmung oder weitere intensivmedizinische Maßnahmen notwendig sein.

An den beiden Kärntner Ordenskrankenhäusern in St. Veit/Glan und Klagenfurt arbeiten dafür mehrere Fachbereiche zusammen. Die Anästhesiologie und Intensivmedizin übernimmt insbesondere dann eine zentrale Rolle, wenn eine intensive Überwachung, Kreislaufunterstützung oder die Behandlung eines Organversagens erforderlich ist. Entscheidend sei aber, so Zink, dass der Verdacht bereits frühzeitig erkannt werde.

Genesung endet nicht mit der Intensivstation

Auch wenn die akute Lebensgefahr überstanden ist, kann eine schwere Sepsis langfristige Folgen haben. Muskelkraft, Belastbarkeit, Konzentration und psychische Verfassung können noch Wochen oder Monate beeinträchtigt sein. Diese Beschwerden werden unter anderem dem Post-Intensive-Care-Syndrom (PICS) zugeordnet und können auch Angehörige betreffen.

Die aktuellen internationalen Leitlinien legen deshalb einen stärkeren Fokus auf die Nachsorge. Dazu gehören die Information über mögliche Langzeitfolgen, körperliche Rehabilitation sowie die Berücksichtigung kognitiver und psychischer Beschwerden. Ziel sei nicht nur, eine Sepsis zu überleben, sondern auch wieder möglichst gut in den Alltag zurückzufinden.

Wichtig: Bei Verdacht auf eine Sepsis ist rasche medizinische Hilfe entscheidend. Eine plötzlich eintretende Verschlechterung, starke Schwäche, Atemnot, Kreislaufprobleme oder neu auftretende Verwirrtheit sollten ernst genommen werden.

Prim. Priv.-Doz. Dr. Michael Zink, FESAIC (Bild © HF PIctures)
Prim. Priv.-Doz. Dr. Michael Zink, FESAIC (Bild © HF PIctures)

Zur Person: Prim. Priv.-Doz. Dr. Michael Zink, FESAIC

Prim. Priv.-Doz. Dr. Michael Zink, FESAIC ist Vorstand der Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder St. Veit/Glan und am Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt. Er ist Facharzt für Anästhesiologie und Intensivmedizin und Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI). In seiner Funktion verbindet er die klinische Verantwortung für schwer erkrankte Patient:innen an beiden Kärntner Ordenskrankenhäusern mit seiner Tätigkeit auf Ebene der österreichischen Fachgesellschaft.

Quelle: Medieninformation der Barmherzigen Brüder, 10. September 2026.