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Freitag

23.01.2015

Muss ich mich für mein behindertes Kind rechtfertigen?

 
 
 

Veröffentlicht von:

Kontaktstelle für Behindertenpastoral / GH

Jean Vanier bei einem Jugendtreffen (2009), © Foto privat

Jean Vanier bei einem Jugendtreffen (2009) (© Foto: privat)

„Ich habe den Eindruck, mich ständig rechtfertigen zu müssen, mein behindertes Kind behalten zu haben", fragt eine junge Mutter, deren Kind das Down-Syndrom hat.

Liebe Frau,
ich bitte Sie, lassen Sie sich nicht von dem beeinflussen, was die Leute über Sie und Ihren Sohn sagen. Seien Sie stolz auf ihn. Er ist anders, ja, seine Andersartigkeit ist offensichtlich, wenn man ihm ins Gesicht sieht, aber er ist schön, er ist authentisch, er ist liebenswürdig. Diese Leute, die Sie verurteilen, haben selbst eine Behinderung, eine verborgenere, die sich nicht vielleicht in ihrem Gesicht zeigt: Es ist die Härte in ihrem Herzen. Trotzdem sind diese Menschen die, die sie eben sind, und es steht weder Ihnen noch mir zu, über sie zu urteilen; jeder hat seine eigene Geschichte, manchmal schmerzlich, manchmal wunderbar. Auch sie haben nicht das Recht, Sie zu verurteilen.
Leider leben wir in einer Gesellschaft, die Menschen gegenüber, die anders sind, intolerant ist, die die Schwachen und Verletzlichen verurteilt. Ihr Sohn ist ein sichtbares Zeichen dafür, dass wir alle verschieden sind. Sie haben ihn angenommen, so wie er ist, Sie lieben ihn, wie er ist. Und ich beglückwünsche Sie dazu. Es gibt zu viele Kinder, die sehr rebellisch/aufmüpfig ihren Eltern gegenüber sind, weil diese ihre Kinder nach ihren Vorstellungen formen wollen und ihnen nicht erlauben, sie selbst zu sein. So ist es wie mit dieser Mutter, die es geschafft hat, einen Platz für ihren Sohn François bei uns in der Arche zu bekommen. Nach und nach haben wir entdeckt, dass er ein sehr guter Gärtner war und dass er sich mit ein wenig Ausbildung weiterentwickeln konnte. So haben wir ihm helfen können, eine Arbeit zu finden, und mit seinem Gehalt, ein wenig Hilfe von Seiten seiner Familie und einem Kredit konnte er sich ein Haus bauen. Seine Mutter schämte sich für ihren Sohn, weil er nicht so wunderbar war wie seine Brüder und Schwestern, dass er nicht so wie sie an den besten Universitäten erfolgreich sein konnte. Sie lebte mit einer bestimmten Art von Ideologie, wie ein erfolgreicher Mann beschaffen sein musste. Aber ihr Sohn war ein wundervoller Mann, gut, hilfsbereit, kompetent in seiner Arbeit als Gärtner; vielleicht war er sogar menschlicher als seine Brüder und Schwestern. Auch Ihr Sohn ist vielleicht menschlicher als all diejenigen, die über Sie urteilen.
Das Wichtigste für Ihren Sohn ist, dass er sich von Ihnen und den Menschen in seinem Umfeld geschätzt und geliebt fühlt, in der Schule ebenso wie in der Arbeit. Es wird immer Menschen geben, die urteilen und kritisieren. Aber es ist Ihr Kind: Wie ich Ihnen schon gesagt habe, seien Sie stolz auf ihn und lieben Sie ihn. Sagen Sie es denjenigen, die Sie verurteilen – erhobenen Hauptes.

Jean Vanier

 

Mit freundlicher Genehmigung von "Ombres et Lumière"; Übersetzung: Katja Schöffmann