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Freitag

23.01.2015

Mit der Muttermilch das Urvertrauen schenken

 
 
 

Veröffentlicht von:

Kontaktstelle für Behindertenpastoral / GH

© Foto privat

(© Foto: privat)

Die Diagnose, dass das erwartete Kind eventuell eine Behinderung hat, ist ein Schock für die Eltern. Erfolgt diese in der Schwangerschaft, hat die Familie Zeit, sich dementsprechend mit dem Thema auseinderzusetzen und auf die Geburt vorzubereiten. Eine ganz andere Situation ergibt sich jedoch nach einer unkomplizierten Schwangerschaft, wenn bei der Geburt etwas schiefläuft.
Egal in welcher Situation die Eltern erfahren, dass ihr Kinder „besonders“ oder „anders“ ist, sollten sie von einem gut ausgebildeten Fachpersonal beraten und unterstützt werden.

Bonding, der erste Hautkontakt

Unter Bonden versteht man den ersten Hautkontakt zwischen Mutter und Kind. Im Idealfall findet dieser direkt nach der Geburt statt. Wenn es die Umstände erlauben, sollte mindestens 1-2 Stunden gebondet werden. Bonden fördert die Mutter-Kind-Beziehung  von Anfang an und hilft die Angst und Ungewissheit mit Liebe zu überfluten. Der enge Körperkontakt erleichtet das Annehmen der Behinderung. Ist die Mutter aus medizinischen Gründen nicht dazu in der Lage, wird mit dem Vater gebondet. Wenn das Neugeborene aufgrund eines schlechten Allgemeinzustandes von den Eltern getrennt wird, soll das Bonden unbedingt nachgeholt werden.

Während diesem ersten engen Körperkontakt sollte die Mutter ihr Kind an die Brust anlegen. Das ist ein wesentlicher Faktor für ein guten Start zum Stillen.

Kolostrum, die Vormilch ist besonders reich an Immunfaktoren und Antikörper, die sehr wertvoll für die Entwicklung des Kindes sind. Dass Muttermilch die beste Nahrung für das Neugeborene ist, wissen wir. Sie schützt das Baby mit den nötigen Abwehrstoffen vor Infektionen, enthält alle wichtigen Proteine, Fette, Vitamine und passt sich den Bedürfnissen des Babys täglich aufs Neue an.

Auch auf die Mutter wirkt sich das Stillen positiv aus. Viele Studien belegen, dass Frauen, die gestillt haben, ein geringeres Risiko haben, an Brustkrebs, Gebärmutter- bzw. Eierstockkrebs zu erkranken. Auch wird das Risiko, später an Osteoporose zu erkranken, erheblich reduziert. Beim Stillen werden besondere Hormone ausgeschüttet, welche die Mutter entspannen  und ruhig machen. Gerade in so einer Situation, wenn das Kind „anders“ ist, sind solche von der Natur gegebenen Hormone eine große Unterstützung und Hilfe.Werden Mutter und Kind nach der Geburt getrennt, braucht es besonders viel Einfühlungsvermögen und Unterstützung beim Stillen.

Stillen als lustvolle „Therapie“

Durch das Saugen an der Brust wird die Gesichtsmuskulatur aktiviert, dies ist bei beeinträchtigten Kindern mit oftmals schlaffer Muskulatur besonders wichtig. Stillen unterstützt die gesamte Entwicklung positiv und führt zu einer besseren Stabilität des Unterkiefers. Das Baby braucht beim Saugen eine vermehrte Zungenbeweglichkeit und das wiederum verbessert die Kontrolle der Zungenmuskulatur. All das sind sehr wichtige Punkte zur Förderung der späteren Sprachentwicklung des Kindes. Somit kann Stillen auch als „lustvolle Therapie“ betrachtet werden.
Durch den engen Körperkontakt beim Trinken an der Brust schüttet die Mutter das Liebeshormon Oxytocin aus. Dieses Hormon hilft ihr auf natürlichem Wege, eine gesunde und liebevolleBeziehung zu ihrem Kind aufzubauen.

Die Rolle des Vaters

Der Vater spielt eine wesentliche Rolle bei der Entscheidung fürs Stillen. Er kann die Mutter motivieren, bestärken und unterstützen.  Sowohl beim gesunden als auch bei einem Kind mit Behinderung, darf der Vater mit seinen Kuscheleinheiten nicht zu kurz kommen. Ist er über die Wichtigkeit des Stillens ausreichend informiert, wirkt sich das positiv auf seine Beschützerrolle aus, da er die kleine Familie vor der Außenwelt schützen möchte. Er kann ungebetene Besucher und wohlgemeinte Ratschläge von der Mutter abhalten und gibt ihr dadurch die Möglichkeit, sich mit Ruhe und Kraft auf ihr gemeinsames Baby zu konzentrieren.

Aufgrund meiner Erfahrung würde ich mir wünschen, dass werdende Eltern sich früh genug mit dem Thema Stillen und Eltern-Kind-Beziehung beschäftigen. Ausgebildete Stillberaterinnen (IBCLC´s) sowie geführte Stillgruppen sind ideale Ansprechpartner. Es ist mir ein großes Anliegen dass Fragen, Ängste, und Freuden offen besprochen werden. Kinder sind ein wunderbares Geschenk, von denen wir so viel lernen können.  

 

Zur Person:

Anna-Theresa Treppo ist diplomierte Kinderkrankenschwester und Stillberaterin. Sie erklärt, weshalb Stillen bei Kindern mit einer Behinderung noch wichtiger ist: Zu den allbekannten Vorteilen des Stillens kommen bei Kindern mit Behinderung noch weitere dazu.

Informationen:

Weitere Informationen auch über Stillberaterinnen in den jeweiligen Bundesländern bekommt man beim VSLÖ (Verband der Still-und Laktationsberaterinnen Österreichs): http://www.stillen.at