Diözesanbischof
Dr. Alois Schwarz

Bischof Dr. Alois Schwarz

Et verbum caro factum est
Und das Wort ist Fleisch geworden

Anleitung

Sie haben Fragen oder Anregungen und wollen mit uns in Kontakt treten? Verwenden Sie einfach das Kontaktformular auf der rechten Seite, füllen Sie die Felder aus und klicken Sie auf “Senden“.

SCHLIESSEN

Kontakt

Ihre E-Mail an: Institut für Religionspädagogik Klagenfurt

Mittwoch

29.03.2017

Andere(s) verstehen.

 
 
 

Veröffentlicht von:

KPHE / AW

Interkulturelle und interreligiöse Kompetenzen für den Umgang mit Diversität im Migrationskontext

Viola Raheb, © Foto Steffi Rauchwarther

Viola Raheb (© Foto: Steffi Rauchwarther)

„Sind Sie jemand, dem bzw. der es gelingt, Sache und Person stets auseinanderzuhalten? Handeln Sie vorwiegend nach rationaler Überlegung oder lassen Sie Ihren Gefühlen bei Ihren Entscheidungen freien Lauf? Sprechen Sie Konflikte offen an oder ignorieren Sie diese lieber? Ist es Ihnen wichtiger, Ihr Gesicht in der Gruppe zu wahren als Fehler einzugestehen?“ Solche und ähnliche Fragen beschäftigten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen am sechsten Studienwochenende ( 16./17. März 2017) in der Veranstaltungsreihe „Herausforderung Migration“. Im Bemühen, Klischees zu vermeiden, stellte die Referentin Dr. Viola Raheb, evangelische Theologin aus Wien, zwei kulturelle Extremtypen vor, die man nur auf den ersten Blick einem westlich-europäischen und einem orientalisch-arabischen Kulturraum zuordnen kann. Bei genauerem Hinsehen zeigte sich nämlich, dass die Individualität jedes Menschen irgendwo zwischen den beiden Polen kultureller Prägung angesiedelt ist. Folgerichtig beginnt interkulturelle Kommunikation nicht erst zwischen „Einheimischen“ und „Zugewanderten“, sondern bereits zwischen den Generationen in der eigenen Familie, den Berufsgruppen innerhalb des Arbeitsfeldes oder zwischen unterschiedlichen sozialen Milieus. Eine kulturelle Homogenität des „christlichen Abendlandes“ ist demzufolge freilich eine Chimäre. So nimmt die Referentin, die als christliche Palästinenserin aus Betlehem die theoretischen Impulse ihres Workshops immer wieder mit ihren eigenen Migrationserfahrungen illustrierte, stärkere Berührungspunkte zwischen dem Wiener und dem orientalischen Lebensgefühl wahr als zwischen dem deutschen und dem österreichischen.

Unabhängig davon bedürfe es aber schlussendlich für jede Form interkultureller Kommunikation ein gewisses Maß an Offenheit, Bereitschaft zur Selbstreflexion, Frustrationstoleranz und Flexibilität. Diese grundlegenden Haltungen und Fähigkeiten ermöglichen es erst, Missverständnisse und Widersprüche auszuhalten und Störungen konstruktiv zu bearbeiten. Gewiss große Herausforderungen, die aber nicht erst mit den Flüchtlingsbewegungen entstanden sind, sondern immer schon da waren. Sie werden erst jetzt deutlicher sichtbar.

 

Johannes Thonhauser