Odysseus am Mastbaum und die Sirenen (Vase aus Vulci - 5. Jh v. Chr) |  © Foto: British Museum CC 4.0
Odysseus am Mastbaum und die Sirenen (Vase aus Vulci - 5. Jh v. Chr) | © Foto: British Museum CC 4.0

Schiffbruch und Planke

Transformationen des Odysseus-Mythos bei den Kirchenvätern, Dante und Claudel - Studientag mit Jan-Heiner Tück

Bereits abgelaufen
Referent/innen: Univ. Prof. Dr. Jan-Heiner Tück
Veranstalter: Katholische Akademikerverband Kärnten

Die Schifffahrt ist seit der Antike ein Symbol für die Reise des Lebens. In der Odyssee des Homer erreicht der Held nach langen Irrfahrten den Hafen der Heimat. Die Kirchenväter, die ansonsten den griechischen Mythen kritisch gegenüberstanden, haben die Odyssee theologisch neu gedeutet. Odysseus, der sich freiwillig an den Mastbaum binden lässt, um dem Gesang der Sirenen nicht zu erliegen, erschien ihnen als Vorausbild christlicher Welthaltung.
Ganz anders bewertet Dante in seiner „Göttlichen Komödie“ die Fahrt des Odysseus. Für ihn ist der griechische Held ein Prototyp menschlicher Hybris, da er ins Offene hinaussegelt, ohne die Grenzen zu beachten. Er lässt Odysseus Schiffbruch erleiden und versetzt ihn ins Inferno. Ein Strang der modernen Dichtung schreibt dies fort und deutet Odysseus als Figur der Weltneugierde und der Weltbemächtigung. Ein anderer Strang sieht in ihm das Vorbild der klugen Selbstbescheidung. Bei Kafka, Joyce und Brecht kommt es zu eigenen kreativen Transformationen des Motivs. Paul Claudel schließlich lässt in seinem „Seidenen Schuh“ einen schiffbrüchigen Jesuitenpater über das endlose Meer gleiten. Gefesselt an den geschleiften Mast fühlt er sich dem Gekreuzigten näher als je. Gibt es im Ozean des Nichts eine rettende Planke?

JAN-HEINER TÜCK ist Professor für Dogmatik an der Kath-Theol. Fakultät der Universität Wien und gegenwärtig wohl einer der umtriebigsten und präsentesten systematischen katholischen
Theologen im deutschsprachigen Raum. Tück hat in seinem umfangreichen Schaffen immer schon seiner Liebe für die Literatur auch wissenschaftlich Raum gegeben. So hat er in den vergangenen Jahren an der Uni Wien u. a. Symposien und Poetikvorlesungen organisiert, die dem Phänomen der neuen Zuwendung zu Religion bei Gegenwartsschriftstellern nachgespürt haben.

Achtung: BEGRENZTE TEILNEHMERZAHL

ANMELDUNG
bis spätestens 30. September an:
Katholischer Akademikerverband Kärnten,
z. H. Mag. Susanne Schlager
Tel. 0463 / 58772410, susanne.schlager@kath-kirche-kaernten.at